Kann der fränkische Fasching in punkto Ausgelassenheit mit dem Kölner Karneval mithalten? Arkadius Jaroni meint Ja. Der junge Mann kommt aus Köln und hatte am Faschingsdienstag auf dem Marktplatz seine Freude am närrischen Treiben. "Die Menschen sind total offen", schwärmte er. "Das ist super hier, und ein bisschen anders".
Aber Arkadius Jaroni ist nicht nur spontaner Fan des Herzogenauracher Faschings, er ist auch Nico Rosberg. Zumindest war er es gestern. Er und vier Kollegen aus der Motorsportabteilung von Puma haben sich in echte Rennanzüge geworfen und genossen als Formel-1-Stars das bunte Treiben.

Der 29-Jährige eifert seinem Vorbild auch optisch nach. In seiner aktiven Zeit im Motorsport-Business, als er noch lange Haare trug, sei er wirklich mit dem Rennfahrer verwechselt worden, erzählt er.

Auch Karin Hesse, seit 13 Jahren Herzogenauracherin, kennt den Karneval in seiner eigentlichen Form. Und auch die Badenerin ist vom Fasching begeistert. "Eigentlich wollten wir nach Karlsruhe fahren", sagt sie, aber letztlich hat sie es nicht bereut, geblieben zu sein. Auch die Herzogenauracher feiern eine super Fasching, bescheinigt sie. "Man kennt hier irgend wie jeden", erzählt die Mutter, die es mit ihren Freunden zum Marktplatz zog. Mit dabei auch Töchterchen Catherine (5), der es ebenfalls riesig gefallen hat.


Peter Müller ist der letzte Mohikaner

Seit Jahren schon dabei ist seine Gruppe aus der Paul-Lincke-Straße, diesmal verstärkt durch ein paar weitere Miteiferer. Von den Indianern des letzten Jahres ist nur Peter Müller übrig geblieben, quasi als letzter Mohikaner. Fritz Dürsch hingegen hatte die Zeichen der Zeit schnell erkannt und kam als Abt. Natürlich sah er sich als idealen Nachfolger für den zurück getretenen Papst und formulierte auch schnell eine Erklärung für die Presse: "Ich hoffe, dass ich mein neues Amt als Papst genauso erfolgreich ausüben kann wie der bisherige Papst".

Mit Kirche und Politik nichts am Hut hatte am gestrigen Faschingsdienstag Bürgermeister German Hacker. Er blieb neutral und trug lediglich eine närrische Kopfdeckung: einen Burger. "Mein Sohn Matthias hat gesagt, geh doch diesmal als Burger-Meister", erklärte Hacker.

Und wie hat's den vielen hundert Gästen gefallen? "Ich finde es cool, dass der Fasching immer noch am Faschingsdienstag seinen Höhepunkt findet", sagte Werner "Pfanni" Pfannerer, der früher mit den Candys selbst für Stimmung sorgte und dieses Jahr am Rosenmontag im Ratskeller aufspielte (siehe auch Seite 17). Als ehemaliger Musiker freute er sich, dass die Stimmungsmusik der Band "Nachtschicht" so gut ankam, er aber die Möglichkeit hatte, einfach als Gast zu feiern. Und was noch? Kalt war's, wurde vielfach festgestellt. Karin Michalsky formulierte das, was sicher viele dachten: "Ich hab kalte Füße, trotz zwei Paar Socken".

Kalte Füße ließen eine andere Besucherin kalt. Denn der kleinen Julia gefiel es, warm eingepackt auf dem Arm von Mama Alex Wormser. Mit neun Monaten dürfte das kleine Häschen vielleicht der jüngste Gast gestern auf dem Marktplatz gewesen sein.