Das Plätzchenbacken hat in der Familie Heldrich Tradition. Seit Generationen wird das Handwerk weiter gegeben, wovon auch eine 400 Jahre alte handgeschnitzte Holzform zeugt, die Mutter Elfriede aufbewahrt. Natürlich werden die süßen Leckereien handgemacht, keine gleicht der anderen und eine ist köstlicher als die andere.

Und genauso hält es Tochter Gabriele. Nur mit dem Unterschied, dass die 55-Jährige davon nicht nur ein paar Dutzend, sondern jedes Jahr im Herbst 25 000 Stück macht. Und dazu nochmal die gleiche Anzahl an Pralinen. Aber handgemacht sind sie alle natürlich trotzdem. Und es gibt noch einen feinen Unterschied: Ihre Plätzchen-Bäckerei steht in Ashland, Wisconsin, USA.

Die Herzogenauracherin hat vor elf Jahren ihr Hobby zum Beruf gemacht. Damals schon war sie in ihrer amerikanischen neuen Heimat auf Weihnachtsmärkten vertreten. "Ich habe Basteleien verkauft", sagte sie. Salzburger Gestecke oder fränkische Trachtenpuppen zum Beispiel, eben Sachen aus der alten Heimat. Dann baute sie zusammen mit ihrer Familie ein Haus. "Ich hatte keine Zeit mehr zum Basteln, wollte aber auch meinen Platz nicht verlieren", erläutert sie. So entstand die Idee, ein paar Plätzchen zu backen, ganz in der Tradition der Familie.

Magische Atmosphäre

Auf ihrer Homepage (www.gabrielesgermansweets.com/de) erklärt Gabriele Heldrich-Block ihre Leidenschaft: "Zur Adventszeit wurde das Haus festlich geschmückt und es lag immer ein Duft von Zimt, Kardamom und Nelken in der Luft. Gebacken wurde jeden Tag: Plätzchen, Pralinen, Stollen, Lebkuchen, Hutzelbrot und Linzertorte. Manche der Rezepte waren schon seit Generationen in der Familie, manche waren neu und manche haben wir selbst erfunden. Die magische Atmosphäre hat mich immer gefesselt. Ein Tag ohne Backen oder Pralinen machen, ist für mich undenkbar!"

Und ihre Idee hat eingeschlagen. Auch im zweiten Jahr war ihr Stand belagert, erinnert sie sich. Ganz zum Unmut der heimischen Konkurrenz. "Meine Sachen waren halt deutsch, und solche Plätzchen hatten die Leute noch nie gegessen", berichtet die verheiratete Mutter zweier Söhne. Und so machte sie ein Geschäft daraus, denn sie brauchte auch die Lizenz für Herstellung und Verkauf.

Ihr kleiner Laden steht in ihrem Wohnort Ashland, einem ruhigen 9000-Seelen-Ort, idyllisch gelegen am Lake Superior. "Im Sommer mach ich eine Eisdiele daraus, im Winter ist der Gefrierschrank für die Plätzchen drin", sagt Heldrich. Sie ist ihr eigener Chef. Einkäuferin, Bäckerin, Putzfrau - alles in einer Person.

Nein, nicht ganz. Denn zwei bis drei Monate im Jahr hat sie Unterstützung. Dann fliegt ihre Mutter Elfriede aus Herzogenaurach nach Amerika und hilft bei der Produktion. Nur heuer wird es etwas anders, da kommt sie später. Im Oktober wird Mama 80, da müsse natürlich erst in Herzogenaurach gefeiert werden. Aber Gabriele war bereits fleißig und ist vorbereitet: Das Weihnachtssortiment ist zur Hälfte fertig.

Ihre Mutter ist die ideale Helferin, denn sie kennt sich natürlich aus mit den alten Familienrezepten für Vanillehörnle, Spitzbuben, Linzertörtchen, Kokosmakronen, Haselnuss-Stangen, Springerle, Buttergebäck, Spritzgebäck und andere, also für all die "berühmten und altübernommenen Plätzchen", wie die Bäckerin schwärmt.

Kunden aus Herzogenaurach

Zu ihren Kunden zählen vor allem Amerikaner, viele sind deutschstämmig. Auch ausgewanderte Deutsche sind darunter. Über ihre Homepage kann man bestellen und sie beliefert quer durchs Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch an Deutsche.

Manche Herzogenauracher habe Freunde oder Verwandte in den Staaten. Und ihnen die Plätzchenbäckerin aus Ashland empfohlen. Wie Heinz Wirth zum Beispiel, der frühere zweite Chef am Gymnasium. Oder auch Hiltrud Hacker, die Mutter des Herzogenauracher Bürgermeisters. "Sie bestellt dort für ihre Schwägerin Hella in Colorado", berichtet Sohn German.

Die meisten aber kaufen vor Ort im Laden, sagt Gabriele. Und fahren dann auch schon mal längere Strecken. Es habe sich halt herumgesprochen, und diese Form der Anerkennung sei die beste.

Gabriele erinnert sich an eine Kundin. Das war eine Frau aus Nürnberg, sie machte dort wohl Urlaub und besuchte das Geschäft. Beide Frauen kamen ins Gespräch und entdeckten Gemeinsamkeiten. Freunde ihrer Familie hätten in Herzogenaurach gewohnt, sagte die Kundin, und das sogar ganz in der Nähe der Heldrichs. "Da hat sich herausgestellt, sie meinte die Lilli Kurr", sagt Gabriele. Eine Herzogenauracherin, die gleich nach dem Krieg selbst in die USA ausgewandert ist. Ihr Sohn Udo lebt dort heute noch. Er war Dolmetscher bei der UN. Schöne große, kleine Welt.

Zum Einkauf nach Franken

Ausgewandert in die Vereinigten Staaten ist Gabriele im Alter von 25 Jahren. Ihren Mann hat sie allerdings in Herzogenaurach kennen gelernt. David Block war Soldat auf der Herzo Base. Sie hat ihn geheiratet und folgte ihm.

Ein paar Wochen im Jahr müssen Ehemann David und die Söhne Benjamin und Daniel auf Gabriele verzichten. Dann fliegt sie in ihre Heimat, besucht Familie und Freunde und bringt natürlich auch ein paar Leckereien mit. Diesmal hat's zum Altstadtfest geklappt, morgen fliegt sie zurück in die Heimat.

Die Zeit in Franken nutzt die Geschäftsfrau, um Lebensmittel einzukaufen. Bestimmte Zutaten, die man in den USA nicht so einfach bekommt, wie sie sagt. Zitronat und Orangeat zum Beispiel, oder Kardamom und Haselnüsse für die Lebkuchen. Denn außer Plätzchen und Pralinen hat sie noch mehr im Angebot. Lebkuchen eben, und auch Stollen oder Hutzelbrot, oder Marmelade. Alles aus eigener Herstellung.

Kein Wunder, dass in der Hauptproduktionszeit ein Arbeitstag bis zu 14 Stunden hat, in der Weihnachtsbäckerei von "Gabriele's German Cookies & Chocolates" in Ashland.