Die Kinder der Montessori-Schule schnuppern derzeit in einer richtigen Manege Zirkusluft. Bei der Projektwoche der Schule werden in diesem Tagen die Schüler werden von den Artisten des Zirkus' Mumm auf einen großen Aufritt vorbereitet. Will heißen: Bis zur Premiere am Freitag soll das Programm sitzen, schließlich soll dem Publikum etwas Großartiges geboten werden.

Eigentlich geling es nirgends so gut, Träume des Menschen lebendig werden zu lassen, wie im Zirkus. Denn Zirkus bedeutet Fantasie, Experimente, Probe, Spiel und Spaß, aber auch Konzentration und Anstrengung. Hannah und Lena hätten gerne auch mit Tieren trainiert; kleine Löwen oder kuschelige Bären hatten sich die beiden Mädchen da so vorgestellt. Tiere hat der Zirkus natürlich nicht, dafür soll jede Menge Artistik gezeigt werden.

Gar nicht so einfach, wie es aussieht

Dass zum Beispiel Menschenpyramiden leichter ausschauen, als sie sind, diese Erfahrung durften die Nachwuchs-Artisten auch gleich machen. Es dauerte schon eine Weile, bis die zweite Reihe nicht gleich zu Boden stürzte. Und die Gesichter strahlten, als sich die dritte Reihe halten konnte. Denn das Bauen von Menschenpyramiden erfordert körperliche Geschicklichkeit, Absprachen zur Vorgehensweise, gegenseitiges Vertrauen, und vor allem müssen die Körperpunkte herausgefunden werden, die ohne Gefahr belastet werden können.

Das Zirkusprojekt der Montessori-Schule ist als einmaliges Vorhaben gedacht. Alle Kinder sollen daran teilnehmen. Durch die Einmaligkeit, die lange Vorbereitungsphase, den Einbezug einer großen Anzahl von Schülern und Begleitern sowie den abschließenden Höhepunkt der Aufführung soll das Projekt in der Manege für alle einen Akzent im Schulleben setzen.

Nach Meinung von Fachleuten ist eine allgemeine Zunahme der Förderbedürftigkeit von Kinder zu beobachten. In der Gesellschaft liefen sie heute zunehmend Gefahr, die Bezüge zur Räumlichkeit zu verlieren, da sie diese nicht mehr als sinnliche Einheit erlebten.

Unterschiedliche Anforderungen

So ist dieses Zirkusprojekt zudem eine (therapeutische) Antwort auf Fehlentwicklungen der Umwelt und der Erziehung. Kinder sollten daher möglichst lange mit unterschiedlichen koordinativen Aufgaben konfrontiert werden wie Balance halten, überkreuz bewegen sowie Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit koppeln. Stärken können die Kinder dabei ihre Gestaltungs- und Urteilsfähigkeit, ihr Einfühlungsvermögen, die Verantwortung und Solidarität sowie den Umgang mit dem eigenen Körper. "Doch auch bei der therapeutischen Arbeit sowie der Zirkusarbeit gilt für uns die Arbeitsphilosophie, dass Zirkus Spaß machen muss und gleichzeitig Arbeit ist", erklärte dazu Geschäftsführerin Susanne Hehn.

Dass das Treiben in der Manege auch Arbeit ist, wurde den Kindern sehr schnell klar und einige erkannten rasch ihre Belastungsgrenze. "Das kriegen wir hin", meinte das Zirkus-Team aber optimistisch.

Vorstellungen

Die Premiere der Zirkusvorstellung der Montessori-Schule ist am Freitag, 18. Juli, um 19 Uhr. Die zweite Vorstellung folgt am Samstag, 19. Juli, um 14 Uhr.