Auf dem Münchner Oktoberfest gibt es seit fünf Jahren die sogenannte "Oide Wiesn". In einem abgetrennten Areal wird für einen Eintrittspreis von drei Euro der Nostalgie gefrönt. Es gibt ein Museumszelt, viel Brauchtum und Volksfestattraktionen aus "der guten alten Zeit". Anziehen will man mit dieser historistischen Folklorewelt ältere Oktoberfest-Besucher und Einheimische, die schon lange nicht mehr auf das (Volks-)fest gehen.

Nein, einen "Oiden Berg", fränkisch: "Alder Berch", gibt es nicht. Aber ein ganz klein wenig in die Richtung geht heuer ein Experiment am Henninger Keller. "Back to Blasmusik" könnte man sagen: Freitag, Samstag und Sonntag gibt es ausschließlich Trompete, Posaune, Klarinette und Co. Nicht nur am Nachmittag, sondern zum ersten Mal seit sehr langer Zeit auch abends.

"Wir begrüßen, dass es ein bisschen ruhiger wird. Es gibt Gäste, die wollen nicht nur auf dem Tisch stehen und Vollgas geben", sagt Stephan Schwarz. Der 46-jährige Erlanger ist Bandleader der neunköpfigen "El Bimbo Combo". Das Programm verspricht "Pure Blechblasmusik ohne Verstärker". Der Bandname, der sich erstmal etwas seltsam anhört, gehe zurück auf den gleichnamigen französischen Hit "El Bimbo" von Claude Morgan aus den 70er Jahren, sagt Schwarz. Bei Leibe habe der Name keinen diskriminierenden Hintergrund.

Klassische Volksmusik aber auch moderne Partyhits werden geboten. "Rockin' All Over The World" oder "Baby Come Back" im Blasmusik-Stil. Die Musiker der "El Bimbo Combo" stammen aus Baiersdorf, Pinzberg und Erlangen.

Kritik an zu viel Partyrummel

"Es ist ein Versuchsballon, den wir steigen lassen", sagt Udo Helbig, Kellerwirt auf dem Henninger. Es habe in den letzten Jahren vermehrt Kritik gegeben, dass der Berg nur noch aus Partyrummel bestehe und es keine Gelegenheit mehr gäbe, sich einfach nur zu unterhalten. Der Vorschlag eines Blasmusikwochenendes sei von der Stadt und der Brauerei Tucher gekommen.

"Ich würde mich sehr freuen, wenn die Ressonanz da ist", sagt Helbig. Er sei gespannt, ob die Menschen, die eher nicht so auf die Bank steigen, auch kommen. Ob das Konzept "ruhigerer Berg" aufgeht und nächstes Jahr wiederholt wird, werde sich zeigen, sagt Helbig. Einen Berg à la "Oide Wiesn" könne es gar nicht geben. "Beim Oktoberfest kann man in den Zelten verschiedene Konzepte anbieten", sagt Helbig. Das gehe auf den zusammenhängenden Kellern nicht, was auch gut sei. Ein "Museumsberch" mit drei Euro Eintritt ist also nicht zu befürchten.