Heinz Kreuzer wird die Mitte der 50-Jahre geschlosse Bäckerei wiedereröffnen. Die Hauptendorfer wird's freuen, denn dann wird es wieder die traditionellen "Kreuzer-Torten" geben und auch die über Jahre vermissten "Hadndorfer Quarktaschen" und die schmackhaften "Weckla" werden wieder in der Verkaufstheke liegen. Wie schon im Jahr 1927 vom Urgroßvater Peter Kreuzer wird das Brot wieder im Steinbackofen gebacken, natürlich hergestellt aus Natursauerteig. Diese Tradition führte dann Josef Kreuzer weiter, bis zur Schließung in den 50-er Jahren.


Keine Fertigwaren

Der Ofen stammt vom Fürther Ofenbauer Vinzenz Lehriederer und dürfte wohl in nicht mehr vielen Bäckereien stehen, "dem fehlt nix, der funktioniert noch einwandfrei", erzählt Heinz Kreuzer voller Stolz. Überhaupt sind in der Backstube noch alle Geräte und Maschinen vorhanden und es wurde kein Stück entsorgt. So wird man auch vergeblich eine Brötchenmaschine suchen, "a richtiges Weckla muss handgemacht sein", ergänzt Kreuzer, so wie alle Backwaren mit den Händen des Bäckers zubereitet werden. Überflüssig zu erwähnen, dass weder Teiglinge oder sonstige Fertigwaren oder künstliche Zutaten in der Backstube oder im Lager zu finden sind.
Wie das "richtige" Backen geht, hat der jetzt 52-jährige Heinz Kreuzer in seiner Lehrzeit bei der früheren Bäckerei Süß in Erlangen gelernt. Nach einigen Jahren in mehreren Bäckereien führte der Weg von Heinz Kreuzer dann zur Herzogenauracher Traditionsbäckerei Franz-Josef Lang. Bekanntlich schloss die Familie Lang die Bäckerei aus Altersgründen, in deren Backstube Heinz Kreuzer über 25 Jahre für köstliche Brötchen, Brot und Kuchen in bester Qualität mitverantwortlich war.


Vermisstes Gebäck

Die Hauptendorfer und sicher auch ehemalige Kunden der Bäckerei Lang werden im Hauptendorfer Bäckerladen ihre geliebten Gebäckstücke wiederfinden. Denn Heinz Kreuzer will nicht nur das in Hauptendorf lang vermisste Gebäck wieder herstellen, sondern auch Teile des Lang'schen Angebotes backen, es wird also eine Mischung aus Kreuzer und Lang geben. Jedenfalls wünscht ihm die Familie Lang alles Gute und ein gutes Gelingen, "der Heinz war und ist ein hervorragender Bäcker", lobt der Herzogenauracher Bäckermeister noch im Nachhinein seinen ehemaligen Mitarbeiter.
Bei Kreuzer gilt immer noch der Spruch: "Wir sind auf Qualität bedacht, bei uns ist alles handgemacht", den schon Urgroßvater Peter und Vater Josef Kreuzer im Laden hängen hatten.
Derzeit wird noch ein bisschen renoviert und die Ladeneinrichtung durch die Herzogenauracher Firma "Shop Compagnie" montiert. Zumindest Heinz Kreuzer bietet dem Sterben der Bäckereien in Deutschland die Stirn. Nach einer Prognose des Verbandes Deutscher Großbäckereien wird bis 2020 mehr als ein Drittel der Betriebe in der Bundesrepublik aufgeben müssen. Die Zahl der Bäckereien werde von zuletzt 14 000 auf 8000 sinken, sagte Verbandspräsident Helmut Klemme. Angeheizt wird das Bäckereisterben nicht zuletzt durch die wachsende Zahl von Backstationen in Discountern und Supermärkten. Ihre Zahl werde in den nächsten zwei Jahren voraussichtlich von derzeit rund 12 000 auf etwa 25 000 steigen, sagte Klemme. Dabei würden schon heute 60 Prozent aller Brote im Lebensmittelhandel verkauft. Da die Verbraucher mit den Füßen abstimmen, geht diese Entwicklung eindeutig zulasten der kleinen Bäckereien, davon ist Heinz Kreuzer überzeugt. Dabei gilt Deutschland als Musterland der Back-Kultur. Nirgends auf der Welt gibt es so viele Sorten von Brot und Brötchen wie in der Bundesrepublik. Diese Vielfalt - Experten sprechen von 300 Sorten - gerät allerdings zunehmend in Gefahr. Dass die klassische Traditionsbäckerei ausstirbt, dem will zumindest Heinz Kreuzer in Hauptendorf entgegentreten.
Grund dafür sind zum Beispiel stark veränderte Einkaufs- und Verzehrgewohnheiten der Deutschen. Sie verbrauchen laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung pro Kopf nur noch rund 75 Kilogramm Brot und Backwaren im Jahr. "Was früher das Abendbrot war, ist heute vielerorts die gelieferte Pizza oder Fast Food", heißt es beim Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks.