Eigentlich wollten sie ja in Las Vegas heiraten. Im 50er-Jahre-Look. Einen Termin gab's noch nicht. Vielleicht im nächsten Jahr. Für Gunther Schumann und Alexandra Hoefler aus Hauptendorf kam es dann aber ganz anders.
"Wir haben nie gedacht, dass es was wird, als wir uns beworben haben", sagt Gunther. Über Freunde haben sie erfahren, dass die Stadt Erlangen zum 260. Jubiläum drei Brautpaare für eine exklusive Hochzeit auf der Bergkirchweih sucht. Ort der Trauung: Ein Keller unterhalb des Riesenrades, Standesbeamter ist OB Florian Janik (SPD), der während einer Fahrt im Riesenrad die Ringe anstecken wird.

Zu wenig Platz im Kellerhäuschen

"Eigentlich wollten wir ganz ruhig heiraten", sagt die 34-jährige Bergbraut. Jetzt wird's wohl doch etwas turbulenter als geplant: Um 14.30 Uhr ist am Donnerstag in Müller's Bergstation der Trauungstermin. Es habe auch das Angebot gegeben, in dem kleinen Kellertürmchen zu heiraten. "Da hätten aber nur wir, der OB und die Trauzeugen reingepasst. Wir wollen aber, dass Freunde und Familie dabei sind", sagt der 45-jährige Bergbräutigam.

50 Gäste haben die beiden geladen. Nach dem offiziellen Teil wird die Hochzeitsgesellschaft auf der Terrasse der Bergstation feiern. Essen und Trinken gibt es nach Berg-Karte. Der Einfachheit halber sollen Essens- und Getränkemarken an die Gäste ausgegeben werden. Schließlich geht der Bergbetrieb ja um die Hochzeitsfeier herum einfach weiter. Eine Torte werde es nicht geben. Und auch beim Brautkleid geht es nicht ganz so klassisch zu: "Ein weißes Kleid passt einfach nicht auf den Berg", sagt Alexandra. Passend zur Berghochzeit werden sie in Tracht heiraten.

Dass so ein Bergkirchweih-Brautpaar die Medien anlockt, daran hätten sie am Anfang gar nicht gedacht. Radio und Fernsehen haben angefragt und wollten ein Interview. Sogar die "Bunte " hatte Interesse. "Das ist nicht so meine Zeitung", sagt Gunther. Bis auf den Fränkischen Tag hätten sie alles abgelehnt. Schließlich gehe es ihnen bei ihrem großen Tag nicht um den Hype.

Bei der Arbeit in Nürnberg kennengelernt

Kennen gelernt haben sie sich, wie so viele, auf der Arbeit. Sie sind bei Siemens in Nürnberg tätig. Seit fünf Jahren sind die beiden ein Paar und wohnen in einem Häuschen in Hauptendorf zusammen mit Alexandras Kindern aus erster Ehe Emily und Julian. Zueinander gefunden hat das Paar über ihre Trennungen. Beide wissen, dass Beziehungen fragil sein können. Sie war acht Jahre verheiratet, er 14 Jahre. Hat man so eine Trennung vor sich, gebe es viel Gemeinsamkeiten, viel Gesprächsstoff, sagt er. An die zweite Ehe gehe man jetzt viel gelassener ran, da sind sich beide einig.

Wenn am Donnerstag das Wetter gut ist, werden sie ins Riesenrad einsteigen und sich küssen. Und vielleicht erinnern sie sich dann an den Moment in dem es gefunkt hat. Auch der hat etwas mit einer Kirchweih zu tun. Denn der erste Kuss, den gab's auf der Kerwa in Herzogenaurach.