Nein, ein Touristenmagnet wie das Unesco-Weltkulturerbe, das sei Erlangen nicht. Aber dennoch sieht Jörg Volleth, Sprecher der CSU in Erlangen, ein hohes Tourismus-Potenzial, das zur Zeit nicht ausgeschöpft werde. Dieses schlummere im Erlanger Hafen am Europakanal.

"Die Personenschifffahrt nimmt zu", sagt Volleth. "Nürnberg und Roth, Würzburg und - was man hört - auch die Bamberger bauen aus." Da könne man in Erlangen nicht tatenlos zusehen "und sich die Zukunft verbauen" .
Die CSU-Fraktion im Erlanger Stadtrat hat das Thema erkannt und einen Antrag gestellt, ein umfassendes Konzept zu erstellen, wie der Hafen für die Hugenottenstadt touristisch besser erschlossen werden könnte. Ansatzpunkt sind die in Erlangen startenden Flusskreuzfahrten. Zur Zeit ist es einzig die Viking-Linie, die in Erlangen, meist in Richtung Ungarn, ablegt. Zuletzt war das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz durch das Schiffsunglück auf dem Kanal in den Medien bekannt geworden.

Schon jetzt gebe es für das nächste Jahr 170 Buchungen für anlegende Schiffe, so Volleth. "Die Anbindung an den Nürnberger Flughafen ist in Erlangen besser als andernorts", erklärt er den Umstand, dass immer mehr Urlauber, vor allem aus Nordamerika, ihre Reise in Erlangen beginnen.


Erlangen bleibt bisher links liegen

Sie landen am Flughafen und werden zum Schiff gebracht. Doch nun, so Volleth, komme der Knackpunkt: Von der Stadt bekommen die Touristen so gut wie gar nichts mit. "Manche wissen nicht einmal, wo genau sie sind." Und das, obwohl sie teils 24 Stunden auf dem Schiff sind, bevor es ablegt.

Das soll sich nach Wunsch der CSU nun ändern. Sie fordern die Einrichtung eines Tourismuspoints am Hafen, die Erstellung eines Erlangen-Prospekts, Veranstaltungsangebote auf den Schiffen und extra Stadt-Führungen.


Vor-Ort-Termin von Stadträten

In der Fahrradstadt Erlangen würden sich zudem Rad-Ausleihstationen am Hafen anbieten, so Volleth. Dazu komme die Instandsetzung des Geländes. Hierzu gab es kürzlich einen Vor-Ort-Termin von Stadträten des Verkehrsausschusses, die den Zustand des Geländes begutachteten. "Wir müssen das Notwendige machen, um die Personenschifffahrt besser bedienen zu können", so Volleth.


Hafenbetreiber fordert Sanierung

Bei Valentin Süß stößt er damit auf offene Ohren. Dieser ist einer der Leiter der PUV Erlanger Hafen Betreibergesellschaft mbH. Das Areal selbst gehört der Stadt, die Einrichtungen werden von dieser Gesellschaft betrieben. "Wir haben in den letzten Jahren viel Geld investiert", sagt Süß. Jetzt sei die Stadt daran, etwas zu tun.
Die Kaimauer müsse erneuert werden. Auch das Wendebecken für die Schiffe müsse gereinigt werden. An der 360 Meter langen Kaimauer können zwei Kabinenschiffe und ein Frachtschiff gleichzeitig anlegen, so Süß.


Wie geht es weiter?

Alle vorliegenden Ideen werden nun im Stadtrat erörtert. Welche Maßnahmen genau getroffen werden, wird sich zeigen. Auch wenn Erlangen kein Unesco-Weltkulturerbe ist, Hafenbetreiber Süß ist sich sicher: "Wir haben massig Potenzial. Wir stehen am Anfang und haben die Möglichkeit, gut ins Geschäft einzusteigen."