Thomas Kotzer fürchtet um die Innenstadt. Seine Sorge als Geschäftsführer von Schreibwaren Ellwanger gilt aber nicht nur seinem eigenen Geschäft, sondern auch dem Drogeriemarkt Müller. Denn die im Gewerbegebiet "Klingenwiesen" geplanten Märkte gefährden seiner Meinung nach diesen "Magnet im Zentrum" der Stadt. Der Planungsausschuss stimmte am Montagabend dem Bebauungsplan einmütig zu und verwarf damit auch die von Kotzer eingereichte Eingabe.

Der Einzelhändler bezweifelt die Aussage im vorliegenden Gutachten der Gesellschaft Cima, das "keine Gefahr für das Stadtzentrum" sieht und der Innenstadt eine "attraktive Einzelhandelslandschaft" bescheinigt. Kotzer befürchtet stattdessen, dass das "neue Ladenzentrum wie ein Brandbeschleuniger eine weitere Beruhigung der Innenstadt nach sich ziehen wird".

Auch im Gutachten werde ein Kaufkraftverlust der Innenstadt eingeräumt, und zwar im Sortimentsbereich Drogerie sogar über zehn Prozent. Insgesamt würden wohl 8,9 Prozent der Umsätze verlagert. Kotzer schreibt in seiner Stellungnahme, die dem Ausschuss anonymisiert als "Öffentlichkeit Nr. 4" vorgelegt wurde: "Selbst Cima spricht ab zehn Prozent von Betriebsschließungen und Innenstadtverödung."

Wenn in den Klingenwiesen 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche entstehen, dann sei das ein Drittel der bisherigen Handelsfläche. Das wertet Kotzer als "richtig gefährlich" für die Innenstadt, zumal sich ein neues Gebiet auch sehr modern aufstellen könne. "Wenn wir es nicht verhindern können", so fordert der Unternehmer im FT-Gespräch, dann müsse man in der Innenstadt zwingend nachrüsten.

Innenstadt soll Thema bleiben

Das sah in der Sitzung des Planungsausschusses auch Franz-Josef Lang (CSU) so. Er forderte, dass das Thema Innenstadt zwingend auf den Tisch kommen müsse. Sein Fraktionskollege Kurt Zollhöfer teilte die Befürchtung, dass zehn Prozent Kaufkraft abfließen könnten. Die Verwaltung sollte in ihrer Stellungnahme mit aufnehmen, dass sie die vorgetragenen Bedenken durchaus ernst nehme.

Das rief Bürgermeister German Hacker (SPD) auf den Plan. Schon jetzt fließe sehr viel Kaufkraft in andere Städte ab, gerade im Drogeriebereich, sagte er. Herzogenaurach, eine Stadt mit 24 000 Einwohnern und 15 000 Einpendlern, habe gerade mal einen Drogeriemarkt. Man könne einen weiteren deshalb problemlos verkraften. "Wir können keine Burg aus dieser Stadt machen und gar nichts mehr zulassen", sagte der Bürgermeister. Vor allem wenn der Bedarf bestehe.

Die Innenstadt werde im Rathaus außerdem sehr ernst genommen, ergänzte Hacker. Er habe deshalb auch persönliche Gespräche geführt. Hacker: "Der Bürgermeister hat drei Stunden mit der Öffentlichkeit Nummer 4 in seinem Amtszimmer verbracht." Thomas Kotzer, der den Bürgermeister ob seiner Gesprächsbereitschaft durchaus lobt, hatte in seinem Brief auch das Randsortiment angesprochen. Er forderte, diesen Bereich auf maximal zehn Prozent zu begrenzen, "um ein weiteres Ausbluten der Innenstadt zu vermeiden."

Kotzer: "Ich brauche Müller"

Im neuen Drogeriemarkt werde das sogenannte Randsortiment aber zu 28 Prozent zugelassen. Dazu zählen auch Spiel- und Schreibwaren, die dann sowohl sein Geschäft als auch den Müllermarkt in der Hauptstraße gefährden würden, meint Kotzer und fragte, wo man denn anderswo noch innerstädtisch einen solchen Laden vorfinde. Mit dem Müllermarkt pflege er eine belebende Konkurrenz in der Innenstadt: "Wir ergänzen und vertragen uns. Ich brauche ihn als Magnet hier innen." So aber hat Kotzer die Sorge, dass Müller Einbußen bekommen könnte und die Innenstadt für ihn dann nicht mehr lukrativ wäre.

Projektentwickler Hermann Schimek teilt diese Sorge nicht. Er habe bewusst einen anderen Marktbetreiber für die Klingenwiesen angesprochen, damit Müller nicht dorthin gehe und den bisherigen Standort verlasse, sagte er. Für ihn sei von vornherein wichtig gewesen: "Müller soll in der Innenstadt bleiben." Den Bereich der Nebensortimente habe man von Cima überarbeiten lassen. Er, Schimek, sei überzeugt: "Wir schwächen die Innenstadt nicht."

Davon geht auch die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme aus. Ein Kaufkraftverlust für den bestehenden Drogeriemarkt sei zwar logisch, da er eine Monopolstellung habe. Ein neuer Markt könne, gerade nach der Schließung der Schleckermärkte, den Wettbewerb aber wieder herstellen. Das in den Klingenwiesen künftig angebotene Randsortiment für Schreib- und Spielwaren könne nicht als wesentliche Konkurrenz zu einem Fachgeschäft betrachtet werden.

Zehn Prozent sind zu wenig

Wenn man diese Randsortimente auf zehn Prozent beschränken würde, wie von Kotzer gefordert, wäre laut Gutachten aber "eine Ansiedlung von marktüblichen Verbrauchermärkten und eines Drogeriemarktes auf dem Projektgrundstück nicht möglich."