Kaum eine Sitzung des Bauausschusses verläuft, ohne dass Verwaltung und Räte abwägen müssen. Dann gilt es, einen Mittelweg zu finden zwischen den oft eng gesteckten Grenzen des Baurechts und den verständlichen Wünschen der Bauherren. Zumeist werden Befreiungen erteilt, und beide Seiten sind zufrieden.

Was aber, wenn das Baurecht eine Lösung erlaubt, die die Verwaltung nicht bereit ist mitzugehen? Weil sie nämlich durch eine massive Bebauung Probleme für die Umgebung befürchtet? Der Bauherr darauf aber sogar einen Rechtsanspruch hätte? Dann hilft nur eine "offene Aussprache", wie es Bürgermeister German Hacker (SPD) in der letzten Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend vortrug. Konkret ging es um ein Bauvorhaben in der Parkstraße. Dort soll ein Mehrfamilienwohnhaus mit acht Wohneinheiten und Tiefgarage entstehen. Es handelt sich um ein 1100 Quadratmeter großes Grundstück auf Hanglage zwischen dem Fußballplatz des FC und dem Kirchweihgelände im Weihersbach.


Rechtsanspruch

Wie Hacker ausführte, stehen bereits in der Nachbarschaft zwei Doppelhäuser, die eben durch diese Hanglage sehr massiv wirken. Eine solche Ausführung wolle man auch gar nicht kritisieren. Aber auch ein Mehrfamilienhaus, wie es die Firma Solgarden in ihrer Anfrage vorgelegt hat, hätte Platz auf dem Gelände. Und nicht nur das. Susanne Strater vom Planungsamt der Stadt verdeutlichte, dass der Bauherr einen Rechtsanspruch auf eine bestimmte Baufläche habe, weil der Bebauungsplan die Zahl der Wohneinheiten nicht einschränkt. Fünf bis sechs Wohneinheiten, so umriss es Strater, könnte der Bauherr auf dieser Fläche (22 mal 15 Metern) wohl auf jeden Fall unterbringen.

Trotzdem wollte die Verwaltung der angedachten große Lösung nicht zustimmen. Denn das große "Aber" sah Bürgermeister Hacker im Bereich des Autoverkehrs. Die Zufahrt über die Parkstraße sei äußerst schmal, was auch für die benachbarte Langenzenner Straße gelte. Die Stichstraße erlaube keinerlei Begegnungsverkehr. Bei acht Wohneinheiten, also mindestens 20 zusätzlichen Bewohnern mit mehreren Fahrzeugen und vielen Besuchern, wären hier Probleme vorprogrammiert.

Das Stadtoberhaupt holte sich die Meinungen der Ausschussmitglieder ein, wohl wissend, dass man in diesem Zwiespalt nur schwer eine ideale Antwort finden könne. Vorweg: Keiner der acht anwesenden Mitglieder wollte sich auf Hackers Nachfrage hin mit der gewünschten Lösung einverstanden erklären. Für Peter Prokop (SPD) ist der Baukörper zu massiv und "erschlägt nebenliegende regelrecht."


Prokop: Nicht zumutbar

Die gewünschte massive Bebauung würde den Verkehr deutlich erhöhen und das vertrage die kleine Straße nicht. Prokop: "Das sollten wir den Anwohnern nicht zumuten." Man sollte dem Bauwerber durch eine ablehnende Haltung signalisieren, "wie problematisch das ist."

Auch Konrad Körner (CSU) machte die gewünschte Größe Sorgen. Bei 20 Bewohnern und zusätzlichen Gästen gehe auf der Straße dann "ja gar nichts mehr". Einerseits solle man eine Bebauung ermöglichen, andererseits könne er sich nicht vorstellen, "dass das so funktioniert." Und Erich Petratschek (SPD) sah "jetzt schon Riesenprobleme" mit dem Autoverkehr im dortigen Bereich.

Letztlich tendierte der Ausschuss zu einem Vorschlag, den Bürgermeister Hacker unterbreitete. Das Ziel müsse es sein, statt der acht gewünschten Wohneinheiten nur vier zu ermöglichen. Das ließe sich in zwei Doppelhäusern verwirklichen, wie man sie dort schon vorfindet. Mit dem Bauwerber stehe das Planungsamt übrigens "in steter Abstimmung", sagte Hacker. "So ein Antrag wird nicht mal eben mit der Post geschickt."


Reaktion des Bauwerbers

Markus Gildner von der Firma Solgarden, die in Herzogenaurach bereits ein größeres Projekt in der Ansbacher Straße baut, kann die Haltung der Verwaltung und des Ausschusses verstehen. "Das Bauamt ist mein Partner", sagt er. Allerdings verweist er auch darauf, dass auf dem schwierigen Gelände weitaus höhere Kosten als auf der grünen Wiese zu erwarten sind. Die Stützmauer zum FC-Gelände sei nicht mehr gut, außerdem gelte es den unter dem Gelände liegenden Gewölbekeller des Ansbacher-Tor-Kellers zu erhalten und zu schützen. Das verlangt der Denkmalschutz. Also müsse ein Investor möglichst viele Einheiten vermarkten.

Gildner bleibt zuversichtlich. "Wir werden eine gute Lösung finden, ich habe da schon einen guten Ansatz", verspricht er. Man darf gespannt sein, wie er die Pläne gestaltet. Die Sache muss ja wieder in den Ausschuss.