Fleißige Gärtner treiben in Erlangen ihr Unwesen. Überall in der Stadt haben sie gesät. In Blumenkübeln vor Apotheken und in Balkonkästen vor Gaststätten. Nun scheint die Saat der Cannabis-Aktivisten langsam aufzugehen. Zur Freude von vielen Hanf-Freunden.

Das Gras ist an einigen Ecken in Erlangen unter freiem Himmel aus der Erde geschossen. "Ich wäre stolz darauf, wenn ich auf die Idee gekommen wäre", sagt Joe, der in Erlangen eine Ausbildung macht. "In einem Beet vor dem Bahnhof stand eine richtig schöne Hanfpflanze", erzählt Joe. Kein 100 Meter weiter haben Joe und seine Freunde am gleichen Abend noch eine Hanfpflanze im Straßendschungel entdeckt. Hinter dem Wildwuchs vermutet Joe eine spaßige Protestaktion für die Legalisierung von Marihuana.


Illegale Aktion

"Ich finde diese Garten-Guerilla absolut cool", sagt Joe, der seinen vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Schließlich ist das Anbauen dieser Kulturpflanze in Deutschland nicht erlaubt. Er kenne auch Leute, "die es mit dem Kiffen übertreiben" würden: "Aber das gibt es beim Alkoholkonsum doch genauso. Die krasse Strafverfolgung steht jedenfalls in keinem Verhältnis zur Gefährlichkeit der Droge."

Genaue Verzeichnisse der Pflanzenstandorte gibt es freilich nicht. Die meisten Pflanzen sind mittlerweile wohl auch schon Opfer der Gartenschere geworden. Denn strafrechtlich betrachtet ist die Aktion des unbekannten "Gras-Guerilleros" durchaus heikel.

"Der Anbau von Cannabis ist strafbar", sagt die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke. Wenn die Polizei eine Pflanze entdeckt, leitet die Staatsanwaltschaft einen Verfahren gegen Unbekannt ein. Der Anbau von Cannabis im öffentlichen Raum würde sogar strenger geahndet als der private Anbau. Schließlich seien die Pflanzen mit den markant gezackten Blättern beispielsweise auch für Minderjährige so leichter zugänglich, erklärt Gabriels-Gorsolke.

"Uns wurde keine Hanf-Sichtung in der Stadt gemeldet", sagt Christoph Kintopp von der kommunalen Abteilung für Stadtgrün. "Wenn wir Cannabis-Pflanzen irgendwo entdecken, dann zupfen wir sie heraus." Schließlich würden die tropischen Gewächse in städtischen Grünflächen sofort auffallen. "Hanf wächst wie Unkraut. Besonders bei diesen Temperaturen", ist sich der Fachmann sicher. Übersehen könne man die Gewächse im Sommer also kaum.

"Eine Hanfpflanze, der es gutgeht, wird so groß wie eine Maisstaude. Die kann man praktisch nicht übersehen, wenn man sie erkennt", sagt Kintopp. Wo Vogelfutter ausgelegt werde, könne schon mal wilder Hanf in der Stadt keimen. Auf städtischen Rasenflächen würden die Pflanzen freilich schnell abgemäht.
Die Grünen fordern seit Jahren eine kontrollierte Freigabe des Cannabis. Seit neuestem plädieren auch Liberale für eine Entkriminalisierung des Hanfs.

"Ich bin überhaupt kein Freund der Cannabis-Legalisierung", sagt aber Lars Kittel, der seit 13 Jahren für die FDP im Erlanger Stadtrat sitzt. Das Cannabis aus der "Hippie-Flower-Power-Zeit" habe einen Wirkstoffgehalt von zwei bis drei Prozent gehabt. Das aktuelle Zeug sei viel stärker und habe einen THC-Gehalt von bis zu 20 Prozent, sagt der Fachanwalt für Strafrecht, der in seiner Erlanger Kanzlei häufig Cannabis-Konsumenten juristisch betreut.

Theoretisch sei der Konsum von Haschisch oder Marihuana in ganz Deutschland verboten. Nach Paragraf 29 des Betäubungsmittelgesetzes sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, Erwerb und Besitz von allen Pflanzenteilen des Cannabis strafbar, sofern keine Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte vorliegt. Der Konsum von Cannabis steht kurioserweise nicht auf dieser Liste.

Das Rauchen ist also theoretisch erlaubt. Schließlich ist die sogenannte "Selbstschädigung" in Deutschland straffrei. Solange man dabei keine anderen gefährdet.


Bayern greift durch

Die Länder haben auch Höchstmengen für den Eigenbedarf festgelegt. In Bayern sind dies sechs Gramm. "Die Strafverfolgungspraxis in Bayern ist viel härter als in anderen Bundesländern", sagt der Strafrechtler.

Wer mit Kleinstmengen zum ersten Mal erwischt werde, könne zwar mit einer Einstellung des Verfahrens rechnen. Allerdings steige bei Wiederholungstätern das Strafmaß mit der Häufigkeit der Delikte empfindlich an.

Überhaupt keinen Spaß versteht die Justiz bei der Weitergabe von Cannabis an Minderjährige.

Selbst wenn der "Gelegenheitskiffer" nicht fürchten müsse, schnell im Gefängnis zu landen, drohe Ärger mit den Führerscheinstellen. Auch wenn ein Verfahren eingestellt wird, kassieren Städte und Landkreise in der Regel den Führerschein ein,warnt Kittel.