Ein Umweltschutzverein hat Glyphosat im Bier gefunden. Das Mittel, das es als Pflanzenschutzmittel schon seit Jahren gibt, wurde nun im Jubiläumsjahr des Reinheitsgebotes in einem wichtigen bayerischen und fränkischen Lebensmittel nachgewiesen.

"Das war ein interessanter Schachzug. Das haut raus, Bier ist in der Presse", findet Siegfried Liepelt, Geschäftsführer des Bunds Naturschutz Höchstadt-Herzogenaurach.

Doch nicht nur der Umweltschutzverein, der Glyphosat nachgewiesen hat, auch andere Institute und die Weltgesundheitsorganisation haben festgestellt, dass der Unkrautvernichter "nicht sauber" ist.

"Dass Glyphosat krebserregend ist, ist nur ein Nebenschauplatz", meint Liepelt. Der Aufhänger sozusagen. Er sieht in dem Wirkstoff mehr. Einen, der alles kaputt mache - die Pflanzen und letztendlich hänge davon auch das Bienensterben ab. "Es geht nicht nur um den Menschen", sagt Liepelt. Die Pflanzen gingen kaputt und auch die Insekten, die von den mit Glyphosat behandelten Pflanzen leben, würden das Gift aufnehmen.

"Wie reagiert der Wirkstoff mit anderen Stoffen?", fragt Liepelt. Wenn beispielsweise Wattebäuschchen, in denen ebenfalls Spuren von Glyphosat gefunden wurden, mit Kosmetikprodukten auf der Haut in Berührung kommen? Das wisse noch niemand.

Erst kürzlich erfuhr Liepelt, dass auch Baumwolle intensiv mit Glyphosat behandelt werde, weshalb der Stoff auch in den Wattebäuschchen sein könne. Die aktuelle Aufdeckung beziehe sich auf die Kampagnen gegen die Wiederzulassung des Mittels, über die bis heute noch nicht entschieden wurde.

Einige Länder wollen es eben doch noch genauer testen. "Irgendwo muss man anfangen mit dem Testen", meint Liepelt.


Glyphosat ist kein Thema

Um das fränkische Bier aus dem Landkreis müsste man sich keine Sorge machen. Denn die kleinen fränkischen Brauereien würden die Gerste aus der Region holen und die sei sauber. Die großen Brauereien würden aber durchaus aus dem Ausland beziehen.

"Hier bei uns darf es nicht gespritzt werden", weiß Baptist Ackermann vom Brauhaus Höchstadt. Er bezieht seine Gerste von der Mälzerei aus Frauenaurach. Dass seine Gerste unbelastet ist, das wüssten auch seine Kunden. Auch für Timo Friedel von der gleichnamigen Brauerei ist Glyphosat kein Thema: "Wir beziehen unser Gerstenmalz aus kontrolliertem Anbau. Da wir regional sind, setzen wir auf regionale Produkte."

"Wenn die Mälzer deutsche Gerste verarbeiten, darf es nicht drin sein", bestätigt Rudolf Groß, Kreisobmann des Bauernverbands Höchstadt. Dennoch hat er gemischte Gefühle bei dem Begriff Glyphosat, vor allem bei Glyphosat im Bier oder in anderen Lebensmitteln.

Andere Länder hätten eben auch andere Grenzwerte. In Deutschland wurden diese verschärft, indem sie halbiert wurden, um eine Sicherheitstoleranz zu gewährleisten, informiert der Kreisobmann. Eine Verschärfung, die andere Länder nicht vorgenommen hätten. Trotzdem müsse Deutschland die Ware mit den erlaubten Werten der anderen Länder abnehmen. Auch die Richtlinien zur Ausbringung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat seien in Deutschland strenger geregelt.

"Wenn Getreide einen Auswuchs hat und Glyphosat drauf gespritzt wird, darf es nicht mehr als Lebensmittel verwendet werden", informiert Groß. Als Landwirt bestätigt er dem Mälzer per Unterschrift, dass Glyphosat nicht verwendet wurde. Ein Rückstellmuster nimmt der Müller vor, füllt immer wieder Getreide in einer Tüte ab, um diese untersuchen zu lassen.


Glyphosat als Randlösung

Schon die finanzielle Strafe sei abschreckend genug, doch jeder Landwirt setze auf Ehrlichkeit. Groß selbst verwende das Mittel nur einzeln, als Randlösung, bei der Queckenbehandlung.
Großflächig auf dem Acker, um die Arbeit zu erleichtern, verwende er es nicht. Da setze er auf konventionelle Methoden und bearbeite das Feld mit dem Pflug, dem Grubber oder der Egge.
Ein großflächiges Ausbringen des Giftes sei ihm im gesamten Landkreis Erlangen-Höchstadt noch nie aufgefallen. Zudem dürfe Glyphosat wegen des Bienenschutzes bei blühenden Flächen - selbst wenn es blühendes Unkraut sei - nicht verwendet werden. Bei Zuwiderhandlung könne das bis zu 50 000 Euro kosten, Kontrolleure seien durchaus unterwegs.
Dass Glyphosat nun in den Medien so mit den Lebensmitteln in Verbindung gebracht werde, liege wohl an den Bildern, die die Medien zeigen. Doch diese würden sich auf Amerika und hauptsächlich auf Argentinien beziehen. "In Deutschland ist genverändertes Getreide nicht erlaubt und das wollen wir auch nicht", betont der Kreisobmann.
Verunsichert sei der Verbraucher auch wegen der unterschiedlichen Aussagen über die Kontrollwerte. Wenn Ergebnisse bekannt werden würden, weil mal wieder neue Untersuchungen stattgefunden haben, die so nicht hätten ausfallen dürfen, könne das schon zur Verwirrung der Verbraucher führen.
Rudolf Groß vom Bauernverband glaubt allerdings auch: "Es wird mehr festgestellt, da die Methoden feiner sind."