Genau vier Wochen verbrachte Róisín Lennon, die 15-jährige Gastschülerin aus Castlebar, der irischen Partnergemeinde Höchstadts in Deutschland und in dieser Zeit besuchte sie die Klasse 10a der Realschule Höchstadt. "Ich bin gekommen, um mein Deutsch zu verbessern und um das Leben in einem anderen Land kennenzulernen", erklärt sie in deutscher Sprache. Neben ihr sitzt ihre neue deutsche Freundin Annalena Klaus aus Mühlhausen, in deren Familie Róisín in diesem Monat ein lieb gewordener Gast ist.

Róisín besucht gerade die 10. Klasse im Davitt College von Castlebar. "Diese Jahrgangsstufe nennt sich auch TY (Transition Year - Übergangsjahr). "Das können wir in Irland freiwillig zwischen der 9. und 11. Klasse schieben, um ein Stück erwachsener zu werden und bei größeren Projekten, wie bei Musicalinszenierungen oder am Aufbau eines Museums mitzuarbeiten", so Róisín. Da bleibt dann auch Zeit für einen längeren Auslandsaufenthalt, um Sprachkenntnisse zu vertiefen und Land und Leute kennenzulernen. In diesem TY werden auch keine Proben und Tests geschrieben, was die jungen Iren toll fnden.

Tanya Fisher, die Klassenlehrerin der 10 a, pflegt bereits lange Kontakt zum Davitt College in Castlebar und hat schon einige Schüleraustausche organisiert. Róisíns Eltern kennt sie schon lange. Als 2010 auf Island der Vulkan Eyjafjallajökull ausbrach und die Vulkanasche den Flugverkehr lahmlegte, mussten damals 23 Austauschschüler der Realschule Höchstadt mit ihren Lehrern in Castlebar eine Woche ausharren. In dieser Zeit fanden alle Unterschlupf im "Lough Lannagh Village", dessen Manager Paul Lennon, Róisíns Vater ist. Im Gästehaus oder in den Cottages dieser Ferienanlage logieren stets alle Höchstadter Gastgruppen.

Tanya Fisher fand nach Róisíns Anfrage auch gleich die passenden Gasteltern für sie. "Familie Klaus wohnt in meiner Nähe und so kann ich mich auch um unseren Gast kümmern", so die engagierte Lehrerin. In Irland besuchen die Kids - schon mit vier Jahren beginnt die Schulpflicht - acht Jahre die Grundschule. Die ersten zwei Schuljahre kann man mit unserem Kindergarten vergleichen. Nach der Elementary School geht es dann aufs College. Wenn das TY beendet ist, wird Róisín die elfte Klasse im College besuchen und mit Abschluss der zwölften Klasse besitzt sie die Hochschulreife.

Die nächste Station in ihrem Übergangsjahr steht schon fest: Sie darf in den nächsten Tagen eine Schnupperwoche am Trinity College absolvieren, der großen irischen Universität in Dublin. "Ich möchte einmal Medizin studieren und in dieser Woche kann ich einfach mal hinein schnuppern ob's mir überhaupt liegt", erklärt sie. "Aus jedem County (Irland hat 32 Counties) wurden nur zwei Schüler ausgesucht", fügt sie stolz an.

"Ich mag Germany"

Róisín ist das erste Mal in Deutschland. "Ich mag Germany", verrät sie. Sie liebt wie die Schultage und das Familienleben strukturiert sind. Ihr gefällt es in der deutschen Schule gut. Es gebe mehr Pausen und die Schüler tragen keine Schuluniform. "Zu Hause muss ich immer einen grünen Pullover und einen grün-karierten Schottenrock tragen." Die Uniform habe Vorteile, aber auch Nachteile. "Ich brauche früh nie überlegen, was ich anziehen soll", lächelt sie. Aber in den eigenen Kleidern fühle man sich viel relaxter, gesteht sie. "Ich glaube, wenn wir keine Schuluniformen hätten, würden vor allem die Jungs immer in Jogginghosen rumlaufen", lacht Róisín.

Und weiter: Deutsche Lehrer gingen besser auf die Schüler ein, die ihr Pensum ohne Stress schaffen würden. "Bei uns redet und bestimmt fast nur der Lehrer und in Deutschland sind die Schüler viel mehr in den Unterricht eingebunden. Das findet ich viel besser." Róisín spricht nun drei Sprachen: Irisch hat sie in der Grundschule gelernt, Englisch und jetzt Deutsch. Die deutsche Sprache findet sie schwieriger als das Irische, aber sicher auch deshalb, weil sie bereits mit vier Jahren die eigentliche Sprache der Iren, das Gälische, gelernt hat. Es sei hier nicht immer leicht für sie, die Lehrer zu verstehen. "Die sprechen manchmal zu schnell."

Der fränkische Dialekt sei auch die ersten Tage ein bisschen gewöhnungsbedürftig gewesen. Aber jetzt ginge es schon. Mit ihrer Gastfamilie und auch mit Frau Fisher hat sie an den Wochenenden schon viel unternommen.
"Wir waren in Bochum im Starlight Express. Das war super, denn ich liebe Musicals", strahlt sie. Bamberg und Regensburg hat sie kennengelernt. "Das sind wunderschöne Städte!" Natürlich findet sie Höchstadt auch schön. Schweinebraten und Klöß hat sie probiert. "Das schmeckt gut!" Aber Karpfen, eigentlich alle Süßwasserfische, mag sie - wie fast jeder Ire - nicht. Vom mongolischen Buffet in Forchheim schwärmt sie immer noch.
Auch das Dokuzentrum in Nürnberg und das KZ in Dachau stand auf ihrem Plan. "Jetzt weiß ich ein bisschen mehr über die Vergangenheit", erklärt sie mit ernster Mine.

Kartoffelchips vermisst

Die 15-jährige Annalena ist froh und stolz, dass Róisín ihr Gast ist. "So kann ich super mein Englisch verbessern!" Sie besucht die Abschlussklasse an der Realschule und möchte natürlich eine gute Englischprüfung schreiben. 2013 war sie mit der Coffito-Gruppe (Coffito = Schülercafé der Realschule) und Tanya Fisher in Castlebar dabei. "In den Sommerferien besuche ich Róisín für zwei Wochen - auch ganz alleine", verrät sie dem FT. Am meisten vermisst die junge Irin ihre Familie und die Freunde - aber auch die leckeren Crisps (Kartoffelchips). "Auf unser irisches Frühstück freue ich mich und auf die vielen grünen Wiesen - und dass ich dann wieder alle Menschen ganz richtig verstehe!" Am Samstag flossen im Flughafen Abschiedstränen, aber Annalena kommt ja bald - "und wir können uns jederzeit mailen!"