Böse Zungen behaupten, es sei in Forchheim zur Mittagszeit einfacher, einen Aischgründer Karpfen zu bekommen, als im Aischgrund selbst. Heute kein Mittagstisch: Immer häufiger geben Restaurants das Geschäft um die Mittagszeit auf und öffnen nur noch abends und am Wochenende.

Die wahre Kunst des Wirtes liegt weniger im Kochen, als viel mehr im Kalkulieren. Das wird schnell klar, wenn man sich bei den Gastronomen an der Aisch umhört. "Es macht keiner zu, weil er keine Lust hätte, zu arbeiten", sagt Christian Pöllmann, Chef des "Landhotel 3 Kronen" in Adelsdorf und stellvertretender Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Letztes Jahr im Sommer hat er beschlossen, das Mittagsgeschäft unter der Woche aufzugeben.

Es gebe einfach zu wenig Kundschaft, um die Personalkosten wieder reinzubekommen. Abends, am Sonntag oder am Feiertag, ja, da brumme der Laden. Das Hotel laufe sowieso. Aber mittags unter der Woche: tote Hose. Pöllmann führt das auf einen gesellschaftlichen Wandel zurück. "Das grundsätzliche Essverhalten zur Mittagszeit hat sich verändert", so Pöllmanns Befund. Immer mehr Menschen würden abends warm kochen und in der Mittagspause nur eine Kleinigkeit essen.


Drei Ruhetage in Aisch

Dass es noch einen anderen Grund haben kann, dass Gäste vor verschlossenen Wirtshaustüren stehen, zeigt das Beispiel Rittmayer in Aisch. Dort hat man seit Oktober eingeschränkte Öffnungszeiten. Montag bis Mittwoch Ruhetag. Nur von Donnerstag bis Sonntag brennt im Brauereigasthof mittags und abends das Licht.

An der Nachfrage liege es nicht, sagt Juniorchef Thomas Rittmayer. Mittags sei schon immer viel los. "Wir finden einfach keine Leute." Vor allem Küchenpersonal sei schwer zu finden. Bei ihm gebe es fünf Festangestellte und um die 20 Aushilfen, die auf 400-Euro-Basis für ihn arbeiten. Doch selbst diese hohe Zahl an Helfern reiche heutzutage nicht mehr aus. Knackpunkt sei nicht der Mindestlohn. Viel mehr das Arbeitszeitgesetz, das vorschreibt, dass maximal zehn Stunden am Tag gearbeitet werden dürfen. Eine Regelung, die seit einem Jahr zudem haarklein dokumentiert werden muss.


Maximal zehn Stunden

Will sich beispielsweise eine Bürokauffrau abends etwas dazu verdienen, muss Rittmayer darauf achten, wieviel die Frau an dem Tag schon gearbeitet hat. War sie schon acht Stunden im Büro, dann blieben noch genau zwei Stunden, um abends Biere zu zapfen oder Schnitzel zu braten. "An einem Abend, an dem viel los ist, braucht sie dann gar nicht erst anfangen", sagt Rittmayer. Dass das Lokal in Aisch nur noch die halbe Woche geöffnet ist, habe viele Stammgäste schon getroffen. "Viele waren am Anfang enttäuscht", sagt Rittmayer. Inzwischen würden die neuen Öffnungszeiten aber gut angenommen.

Es gibt aber auch Gastronomen, die andere Erfahrungen machen. So etwa Carmen D'Aniello von der Pizzeria Saporito in Höchstadt. Hier ist jeden Mittag geöffnet, bis auf den Ruhetag am Dienstag. "Bei uns läuft es mittags sehr gut", sagt die 31-Jährige, die das italienische Lokal zusammen mit ihrem Mann seit sieben Jahren betreibt.
Am Anfang hätten sie sich kurz mal überlegt, mittags zuzumachen. Aber mit der Zeit habe sich eine Stammkundschaft herausgebildet. Mitarbeiter von Firmen und Banken kämen vorbei. Etliche Betriebe würden Essen bestellen und abholen, so D'Aniello.

Der Unterschied zu Rittmayer oder 3 Kronen: Das Saporito hat keine hohen Personalkosten. Neben ihrem Mann und ihr sei noch eine Person in der Küche angestellt, sowie ab und zu eine Aushilfe.


Mittagskarpfen gibt es doch noch

Dass es in Höchstadt auch zur Mittagszeit Karpfen gibt - und das jeden Tag - beweist zum Beispiel die Familie Gumbrecht vom Restaurant Aischblick. Zwar kennt auch Ulrike Gumbrecht das Problem mit der Zehn-Stunden-Regel bei Küchenhilfen, aber bei ihr gehe mittags immer was. "Dazu kommt, dass wir ein zweites Standbein haben", sagt Gumbrecht. Der Aischblick beliefert eine Schule und mehrere Betriebe mit Essen. Vier Azubis gibt es im Aischblick. Daneben arbeiten noch ihr Sohn und ihr Mann mit.

Dass es in der Gastronomie nicht einfach sei, gute (oder überhaupt) Mitarbeiter zu finden, betont Pöllmann. "Die Leute wollen am Wochenende lieber frei haben." Eine Ausbildung in der Gastronomie sei bei jungen Leuten daher eher nicht so beliebt.