Das Wort "faszinierend" fiel am Mittwochabend öfter im Sitzungssaal des Rathauses. Da hatte sich der Bauausschuss des Stadtrates mit einem Gesuch der Firma Adidas zu beschäftigen. Aus rein baurechtlicher Sicht waren die Tagesordnungspunkte 10 und 11 auch kein Problem, die Genehmigung fiel einstimmig. Aber ganz sachlich nüchtern zu bleiben, angesichts zweier Objekte, die nicht nur futuristisch anmuten, sondern auch "die Welt interessieren", konnte wohl niemand.

Sachlich nüchtern betrachtet ging es um zwei Bauanträge. Einmal um den Neubau eines Bürogebäudes mit Foyer, Konferenzbereich und angeschlossener Betriebsgastronomie. Und zum anderen um den Neubau eines Konferenzzentrums mit Mit arbeiterrestaurant.


Parkhaus für 1600 Autos

Die Dimensionen der Bauwerke mussten den Bauausschuss erst mal nicht interessieren, denn bei der Genehmigung ging es nur um Befreiungen hinsichtlich der Stellplatzverordnung. Der Hinweis von Bürgermeister German Hacker (SPD) genügte: Natürlich sei auch ein großes Parkhaus geplant. Eines mit 1600 Stellplätzen.

Renate Schroff, ihres Zeichens Zweite Bürgermeisterin, wollte ihre Begeisterung in der Sitzung dann auch gar nicht zurückhalten. Sie fand die Pläne nicht nur "beeindruckend futuristisch", sondern auch schlichtweg "phänomenal". Das alles passe zum Image von Adidas, sagte die SPD-Politikerin und warf schon einen Blick in die Zukunft. Diese Planungen werden wohl beispielhaft sein für "weitere Gebäude irgendwo in der Welt." Und weiter: "Ich freu' mich richtig, dass es so etwas in Herzogenaurach gibt."


Drei Hektar Bürofläche

Geplant sind von Adidas mit den vorliegenden Bauanträgen zwei große Gebäude. Zum einen eben ein neues Bürogebäude mit der Bezeichnung "Offices Southeast". Zum anderen, gleich nebenan in unmittelbarer Nähe zum Olympiaring, ein Konferenzzentrum, mit Mitarbeiterrestaurant. Dieses soll die Bezeichnung "Meet & Eat" tragen.

Das Bürogebäude "Office Southeast" soll 142 mal 117 Meter groß sein, hieß es bei der Stadtverwaltung auf Anfrage. Damit werde man eine Nutzfläche von 30.000 Quadratmetern erreichen. Das Gebäude soll auf Stelzen errichtet werden, wie Computer-Animationen zeigten, und etwa 2000 Mitarbeitern einen Arbeitsplatz bieten.
Auch völlig neuartig, wabenförmig gestaltet wird das "Meet & Eat". Dieses Gebäude wird 7500 Quadratmeter Fläche umfassen und gut 14.000 Quadratmeter Nutzfläche haben.

Die Bauarbeiten zur Erweiterung der World of Sports sollen im Frühjahr mit dem Bau des Bürogebäudes beginnen. Diesem Baukörper kommt laut Pressemitteilung von Adidas eine ganz besondere Bedeutung zu, da er als neuer Haupteingang die Besucher und Gäste der "World of Sports" willkommen heißt. Wörtlich heißt es: "Dieses Gebäude prägt das neue Erscheinungsbild des Unternehmenssitzes der Adidas-Gruppe und wird über die Grenzen des Campus hinaus architektonisch sichtbar ein Zeichen setzen."


Wie ein großes Stadion

Der Entwurf gleicht demnach einem großen Stadion, welches mit einer durchlaufenden, modellierten Landschaft erlebbar gemacht wird. Jetzt wird die Darstellung schwärmend futuristisch: Besucher "betreten das Gebäude im Erdgeschoss des Landschaftshügels. Ein großzügiger, offener Lichthof prägt das Foyer, von welchem die Besucher und Mitarbeiter über einen Tunnel, ähnlich wie Athleten ein Stadion betreten, in das zentrale Atrium geführt werden."

Das Atrium kann für Veranstaltungen genutzt werden, heißt es weiter, und erweitert sich in ein Bistro, welches mit seiner Außenterrasse im Sommer den Gastraum zum Campus öffnet. Über das zentrale Atrium im Eingangsgeschoss führt neben Aufzügen eine großzügige Treppe in "luftige" Höhen von 13 Meter über dem Gelände. Dort ist für über 2000 Mitarbeiter "reichlich Raum für eine moderne Arbeitswelt, die interdisziplinäres und kommunikatives Arbeiten ermöglicht", wird beschrieben. Das Gebäude wird nach modernsten energetischen Standards entwickelt.


2000 Essen pro Tag

Gleichzeitig mit dem neuen Bürogebäude wird ein Restaurant- und Eventzentrum gebaut. Dieses soll einen Ort für Tagungen und Veranstaltungen sowie für die Mitarbeiterverpflegung mit bis zu 2000 Essen pro Tag schaffen. Auch hier gerät der Beschreiber ins Schwärmen: "Der Entwurf spielt souverän mit der natürlichen Topographie des Geländes und führt sie im Innern fort. Über allem schwebt das multi-funktionale, alles vereinende Dach. Mit seiner Struktur schafft das neue Gebäude eine eigene markante Verbindung zwischen Nord- und Südcampus - im Innen-, wie im Außenraum.

Das Konzept eines Pavillons im Grünen spielt dabei eine zentrale Rolle und das Gebäude integriert sich über die großzügige Glasfassaden in die Landschaft." Das Gebäude ist von allen vier Seiten geländegleich und damit barrierefrei zugänglich, heißt es weiter.