Dass "Heimat" nicht nur ein Wort ist, zeigten die neunten Klassen der Herzogenauracher Realschule. Die Schüler Timo und Felix Bitter sowie Dario Hendel und Quirin Beck wählten für ihre Projektarbeit die "Fränggische Bradworscht" und ihre Entstehung von der Ferkelaufzucht bis zur Bratwurst frisch aus der Pfanne. Die vier bekannten sich damit nicht nur zu ihrer fränkischen Heimat, sondern rührten auch kräftig die Werbetrommel für die fränkische Bratwurst.

Zur Vorstellung ihres Projektes vor Lehrkräften und Schülern servierten sie selbst gemachte Bratwürste, ihr besonderer Dank ging dafür an die Herzogenauracher Metzgerei Schonath, deren Wurstküche sie benutzen durften. Begleitet wurde das Projekt von der Lehrkraft Anne Steger, die auch die Schulküche zum Braten der Würste zur Verfügung stellte.

Ob Timo, Felix, Dario und Quirin einmal den Beruf des Metzgers ergreifen, ist aber eher unwahrscheinlich. "Spaß hat es aber schon gemacht und es war auch interessant, außerdem hat man viel gelernt", erklärten die vier Schüler übereinstimmend. Von Steger gab es große Anerkennung, "dass sich Jungs so reinhängen, hab ich eigentlich nicht gedacht, die haben das ganz toll gemacht", lobte die Lehrkraft, als alles auf dem Servierwagen verladen war.

"In zehn Minuten geht's los", sagte Felix und meinte die Präsentation. Das Sauerkraut war schon am Vortag gekocht worden und in der Schulküche wurden die Bratwürste in die Pfannen gelegt. Im Musiksaal wartete die Jury, bestehend aus Lehrkräften und Schülern.


Der Stall macht den Unterschied

Die Präsentation begann mit dem Schweinezüchter. So machten die vier Schüler den Unterschied zwischen den großen Mastbetrieben und den bäuerlichen Betrieben deutlich. So sei das Fleisch aus den Kleinbetrieben aromatischer und schmackhafter, da die Tiere gesünder und ohne Stress aufwachsen. Bei der Metzgerei fanden die Schüler Unterstützung und wertvolle Tipps, beginnend mit dem Auslösen des Fleisches, der Herstellung des groben Bräts, den Gewürzen sowie Hinweisen zu Länge und Gewicht der Bratwurst. Bei der Präsentation erfuhr die Jury auch, dass das "Reinheitsgebot" der fränkischen Bratwurst noch hundert Jahre älter sei als das des bayerischen Bieres. Auch über die Bratwurstsorten, die im fränkischen Raum hergestellt werden, referierten die Schüler. So auch, dass in der hiesigen Gegend die groben Bratwürste gebraten oder geräuchert (hell und dunkel) sowie als "Saure Zipfel" auf den Tisch kommen.

Das Bräunen der Bratwurst demonstrierte Quirin mit den "Maillard-Reaktionen" und einem Experiment von Louis Camille Maillard, der durch Studien zur Reaktion von Aminosäuren und Zuckern international bekannt wurde. Am Schluss der Präsentation gab es Beifall und viel Lob für die schmackhaften Bratwürste.


40 Würste waren schnell weg

Sicher nicht allgemein bekannt ist, wie Quirin erzählte, dass über die Bräunung der Bratwurst beim Braten in der Pfanne sogar eine Doktorarbeit geschrieben wurde, die 150 Seiten umfasst. Beim "Wursterei-Praktikum" bei Schonath wurden 40 Bratwürste hergestellt, die in der Pause innerhalb von fünf Minuten verkauft waren. Übrig blieb nur der Duft, der durchs ganze Schulhaus zog.

Wie Anne Steger erläuterte, versteht sich die Projektpräsentation als Beitrag zur ganzheitlichen Entwicklung der Jugendlichen. Sie sollen lernen, wie man eine komplexe und problemorientierte Aufgabenstellung gemeinsam bewältigt, und zwar von der Planung über die Arbeitsteilung und Durchführung bis hin zur Präsentation der Ergebnisse. Dabei könnten sie Kompetenzen entwickeln und stärken, die im späteren Berufsleben von großer Bedeutung sind. Die Projektarbeit ist Bestandteil der Abschlussprüfung und besteht aus einem mündlichen, einem schriftlichen und einem praktischen Teil. Die Zensur für die Projektarbeit ist im Abschlusszeugnis aufgeführt.