Nicht nur Forchheim hat sein Annafest. Am 26. Juli jährt sich der St.-Anna-Tag im kleinen Ort Weppersdorf (Adelsdorf) zum 259. Mal und jeder Weppersdorfer, der es irgendwie ermöglichen kann, feiert dieses Ereignis in seiner Heimatgemeinde.

Schreiben wird verlesen


Dies hat auch seinen Grund: Einer ehrsamen, mit der harten "Strafruhte" Gottes getroffenen Gemeinde in Weipersdorf wurde ein Schreiben hinterlassen, das immer zu Beginn des Anna-Gottesdienstes verlesen werden muss. "Am 5. November 1742 wurde Weipersdorf mit einem fast unter der Sonne erschrecklichen Übel, der Viehseuche, empfindlich heimgesucht und sie griff in kurzer Zeit so weit, dass ganze Ställe ausgeleert wurden. Die Seuche dauerte ganze sechs Wochen. Wenn ihr gehört hättet das Klagen, Heulen und Weinen Eurer lieben Voreltern, nass hätten werden müssen Eure Augen, wenn Ihr bei unserem so traurigen Schicksal wäret zugegen gewesen. Wir erkannten, dass Gott eine solche empfindliche Strafruhte billigst über uns verhängt habe. In dieser Geisel werde unsere sämtliche Bosheit gezüchtigt. Diese Demütigung vor Gott hat soviel gewirkt, dass sich das Übel vollkommen gelegt hat. Damit sich so ein Übel nicht wiederhole, haben wir sämtliche hart heimgesuchte Gemeindegenossen aus frommem Antriebe uns unterredet und verbunden, Gott förderst, dann der Hl. Anna und dem Hl. Sebastian zu Ehre - auf deren Fürbitte wir nicht geringste Hilfe verspürt haben - den Festtag dieser hl. Grosmutter Jesu Christi alljährlich feierlich und gleich einem gebotenen Feiertag zu halten und zu begehen ...".

Der Platz reichte nicht


Heute muss allerdings niemand mehr einen Gulden Strafe zahlen, wenn er den Festtag nicht einhält. Dies alles und noch mehr haben die Gläubigen aus dem Schreiben eines Zeitgenossen erfahren.

Das kleine Kirchlein bot gestern bei weitem nicht allen Gläubigen Platz, und so saßen die Gottesdienstbesucher auch draußen auf dem Kirchenplatz. Die Wohngruppe "Anna" der Barmherzigen Brüder in Gremsdorf sowie die Außenwohngruppe der Laufer Mühle, die in Weppersdorf im Hubertus-Haus lebt, befand sich wie jedes Jahr unter den Gästen. Auch am Altar ging es fast eng zu. Pfarrer Hans Eisend, ehemaliger Pfarrer von Adelsdorf, hielt die Festpredigt und Pater Josef Steger, sowie Dekan Josef Dobeneck - beide gebürtige Weppersdorfer - und der Jungpriester aus Kamerun, Christian Bouwé, feierten gemeinsam die Heilige Messe. Eine Prozession mit dem Allerheiligsten zur Kreuzigungsgruppe am Ortsausgang schloss sich dem Gottesdienst an. Dort trafen die Kleinen des Kindergartens Sancta Maria recht geschafft von der Hitze ein und sangen ein Lied.

Nach den immerhin zwei Stunden dauernden kirchlichen Festlichkeiten ging es zum gemütlichen Teil über. Die Aischer Blasmusik begleitete die Gäste zum nahe gelegenen Gasthaus, wo es Essen und Trinken gab. Am Nachmittag beschloss die St.-Anna-Andacht das Fest.

Gar mancher machte sich dann noch auf den Weg nach Forchheim - zum großen Annafest.