"Wir wollen uns nicht wegducken und warten, dass andere die Probleme lösen", sagte Vestenbergsgreuths Bürgermeister Helmut Lottes (CSU/UB) in der Bürgerversammlung, die er speziell zum Thema Flüchtlinge einberufen hatte. Nach der Versammlung war klar: Lottes steht nicht alleine da.
Etwa 30 Personen waren in den Rathaussaal gekommen, und das waren allesamt Bürger, die dem Thema offen und ohne Vorurteile gegenüberstehen. Als "Mitspieler" setzt Lottes auch auf die Martin-Bauer-Group, für die Adolf Wedel der Versammlung beiwohnte, auf die Eigentümer von leer stehendem Wohnraum, auf das Jobcenter des Arbeitsamtes und auf die Helferkreise, die Petra Kleinei-sel von der Flüchtlingsinitiative ERH vertrat.
Sehr einfühlsam ging Lottes in seiner Einleitung auf Probleme und Chancen des Flüchtlingszustroms ein. Vestenbergsgreuth sei bereit, Flüchtlinge aufzunehmen, allerdings "gesteuert". Die Flüchtlinge müssten integrierbar sein und zwar so, dass es sowohl für die Gemeinde wie auch für die neuen Mitbürger verträglich sei. Die Zuwanderung sei auch notwendig, denn nach der Bevölkerungsprognose werde Vestenbergsgreuth bis zum Jahr 2030 knapp 30 Einwohner weniger haben.
Die Marktgemeinde will sich vor allem um anerkannte Flüchtlinge kümmern, die die Altdörfer beleben könnten. Den Fokus richtet Lottes dabei auf leer stehende Gebäude und Wohnungen. Diese seien zwar in der Regel nicht auf dem neuesten Stand, doch gebe es für die Sanierung Förderprogramme vom Freistaat oder über den sozialen Wohnungsbau.
"Wenn diese Menschen bei uns sind, sind sie nicht mehr anonym", betonte Lottes. Sicher würden andere Kulturen, Anschauungen und Werte eine Herausforderung bedeuten. "Wir können aber auch zeigen, dass unsere Werte nicht auf Konfrontation gerichtet sind." Dass sich Kinder am schnellsten integrieren, weiß Lottes aus ganz persönlicher Erfahrung. Deshalb freut er sich besonders über die neueste Entwicklung in seiner Gemeinde.
In Burgweisach in der alten Mühle sind in diesen Tagen zwei Flüchtlingsfamilien eingezogen. Eine aus Syrien, eine aus dem Irak, jeweils mit drei Kindern im Kindergarten- und Schulalter. Günter Brehm und seine Frau Pia Donnert-Brehm haben das Haus für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Laut Lottes sind die neuen Mitbürger "genau die Zielgruppe, die wir im Auge haben".


Schwierige Kommunikation

Aufgrund seines Engagements ist Günter Brehm auch der Sprecher des Vestenbergsgreuther Helferkreises. Denn im Ortsteil Dietersdorf gibt es seit einigen Monaten eine weitere dezentrale Unterkunft für Flüchtlinge. 35 Personen hätten seither das Haus durchlaufen, berichtete Brehm. Der Helferkreis zähle 15 bis 18 Personen. Schwierigkeiten bereite vor allem die Kommunikation, da etwa nur einer von zehn Flüchtlingen Englisch spreche. Man bediene sich daher gerne elektronischer Hilfsmittel. Über jeden, der Interesse hat, würde sich Brehm freuen. Damit sei keinerlei Verpflichtung verbunden - "man soll nur mit dem Herzen dabei sein".
Friedhelm Burgheim vom Jobcenter Erlangen-Höchstadt sprach Bürgermeister Lottes ein Lob aus: Er gehe das Problem ganz anders an als andere: mit einem positiven Blick. Burgheim ist der Meinung, das Ganze sei zu bewältigen, wenn auch mit viel Arbeit verbunden. Im Landkreis gebe es folgende anerkannten Flüchtlinge mit Leistungsbezug für Arbeitssuchende: 99 Syrer, 23 Iraker, zwei Iraner, drei Eritreer. Die Zahlen seien stark steigend. Bis Ende 2016 würden 500 bis 1000 Personen in der Grundsicherung für Arbeitssuchende erwartet.
Einen Zeitrahmen zwischen zwei und vier Jahren zum Spracherwerb und für die berufliche Eingliederung hält Burgheim für realistisch. Die Volkshochschule Höchstadt biete Einstiegskurse für Asylbewerber an und erhalte voraussichtlich die Anerkennung als Träger für Integrationssprachkurse.
Petra Kleineisel, seit eineinhalb Jahren in der Betreuung in Wachenroth aktiv, ist eine von drei Sprechern der Flüchtlingsinitiative ERH, die vor etwa einem halben Jahr ins Leben gerufen wurde. "Wir versuchen, die Probleme in den vielen Helferkreisen aufzugreifen", erklärte Kleineisel. Nicht jeder müsse das Rad neu erfinden. Die Initiative verstehe ihre Arbeit in der Vernetzung der Helfer und in der Zusammenarbeit mit dem Landratsamt.