Es sind 20 bis 30 junge Frauen, die Sylvie Weiss in den vergangenen fünf Jahren fotografiert hat. Jugendliche, die vor der Entscheidung stehen, ihren Lebensweg zu gestalten. Schülerinnen, die die große Sehnsucht haben nach dem großen Wurf im zukünftigen Leben. Junge Frauen, die sich fotografieren ließen, getrieben von ihren Gefühlen und Unsicherheiten.

"Atlantis" nennt sich die Ausstellung mit Arbeiten der Berliner Fotokünstlerin Sylvie Weiss, die das Herzogenauracher Stadtmuseum ab kommendem Samstag bis zum 29. Mai zeigt. Der Begriff steht für den Mythos im Leben. Für das Ungewisse, das die Jugendlichen beschäftigt, wenn sie vor dem Schulabschluss stehen. Museums-Leiterin Irene Lederer beschreibt das: "Es geht um die Suche nach der eigenen Identität und um das Streben, innerhalb bestehender Strukturen einen individuellen Lebensweg zu finden."


Workshop mit Jugendlichen

Die 38-jährige Fotokünstlerin ist hierfür in die Heimat zurückgekehrt. In Herzogenaurach ist Sylvie Weiss aufgewachsen und hat hier das Gymnasium besucht. Und deshalb hat sie für ihr Fotoexperiment auch vorwiegend Schüler aus Herzogenaurach ausgesucht. Die gesamte Serie umfasst rund 30 Portraits, die in den Jahren 2011 bis 2015 entstanden sind. Ein Teil ist im Stadtmuseum ausgestellt.

Und es kommen noch mehrere hinzu. Denn am kommenden Samstag findet ein Workshop statt, der Jugendlichen die Gelegenheit gibt, Selbstporträts nach eigener Vorstellung umzusetzen. Die entstandenen Bilder werden dann in der Ausstellung zu sehen sein, sagt Lederer.

Bereits am Donnerstag (28. April) um 18 Uhr ist zur inoffiziellen Eröffnung übrigens eine öffentliche Vorabführung durch die Ausstellung vorgesehen. Die Künstlerin führt selbst.


Suche nach dem Glück

Auf die Idee zu diesem Thema ist die diplomierte Fotodesignerin gekommen, als sie während eines Gaststudiums in Bielefeld drei Mädchen sah. An einem Sonntag hatten sie sich, schick angezogen, vor einem geschlossenen Supermarkt getroffen. "Das ist die Sehnsucht", sagt Weiss. "Sie hätten sich wohl auch gern woanders so schick gemacht." Und so entstand die Fotoserie mit Bildern aus Herzogenaurach und anderen Städten. Immer sind es weibliche Jugendliche, die kurz vor der Entscheidung stehen, was sie in ihrem Leben beruflich tun möchten. Alle haben die Sehnsucht im Blick, verkörpern diese Phase der Jugend auf ihre Weise.

Konstanze Müller vom Kunstraum Leipzig beschreibt das mit ihren Worten: "Der Umbruch von der Kindheit zum Erwachsensein ist geprägt vom Ausprobieren, einem In-andere-Rollen-Schlüpfen und der Sammlung von intensiven Erfahrungen der Welt." Die jugendliche Suche sei häufig eine "nach etwas per se Unerreichbarem, einem absoluten Ort, an dem das Glück vermutet wird."
Also Atlantis vielleicht.