Barbara Biemüller könnte jetzt einen Spaziergang machen, in der Sonne sitzen oder gemütlich shoppen gehen. Tut sie aber nicht. Dazu hat sie gar keine Zeit, obwohl sie das Berufsleben eigentlich hinter sich hat. Ihre Arbeit liegt oder hängt im Keller des Lebensmittelpunkts in der Lindenstraße. Dort arbeitet Betty, wie sie gerufen wird, ehrenamtlich an sechs Tagen in der Woche. Über Wäscheständer verteilt, hängen Kissen- und Bettbezüge zum Trocknen. Betty ist eine vom alten Schlag: Sie bügelt die Bettwäsche, faltet sie ordentlich zusammen. Wenn ihr die Farbe zu eintönig erscheint, färbt sie die Wäsche sogar bunt ein.

Zusammen mit Swenja Ott von der Laufer Mühle engagiert sich Betty Biemüller im Auftrag des Landratsamtes für Flüchtlinge und Asylbewerber. Die beiden packen Startersets für Neuankömmlinge. Zudecke und Kopfkissen, Bettwäsche, Handtücher, flache und tiefe Teller, Gläser, Tassen, Kochlöffel, Topf und Besteck gehören hinein. Alles aus dem Fundus, der aus Spenden zusammen kam. "Wenn die Flüchtlinge abreisen, holen wir die Wäsche wieder ab, waschen und bügeln sie", sagt Swenja Ott.

"Wir sind von einem Projekt ins andere hineingerutscht", sagt sie über die Sozialarbeit der Laufer Mühle. Dort ist Ott angestellt, während Betty Biemüller ehrenamtlich arbeitet. "Es ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Was wir leisten, kann man nicht auf dem Stundenzettel erfassen", stellt Swenja Ott fest.

Und warum das alles? "Aus unserer Verantwortung heraus, Menschen, die Hilfe benötigen, zu helfen!" Über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, zu sehen, dass es anderen noch schlechter gehe, sei für den therapeutischen Fortschritt der Suchtkranken der Laufer Mühle wichtig.


Mittagessen und Fahrdienst

Ein riesiges Netzwerk ist so entstanden. Die erste Generation, die mit dem Koffer vor der Türe stand, helfe jetzt bereits mit. Dreimal wöchentlich finde eine Lebensmittelausgabe statt. Zusätzlich werde am Dienstag und Donnerstag ein warmes Mittagessen angeboten. "Wir stehen Gewehr bei Fuß", sagt Swenja Ott - beispielsweise, wenn es um Fahrdienste gehe - zum Arzt, zu Freizeitaktivitäten oder zum Schwimmkurs für muslimische Frauen.

"Ich mag den Kontakt zu den Menschen", antwortet Gertraud Schuster auf die Frage, weshalb sie sich für die ehrenamtliche Arbeit mit Kindern von Asylbewerber entschieden hat. Zweimal pro Woche betreut sie am Nachmittag die Hausaufgaben von Aslan und Batoul im ehemaligen Gasthof Linsner. Sie teilt sich diese ehrenamtliche Aufgabe mit Grit Pohle aus Buchfeld. In Wachenroth kümmere sich eine gute Handvoll ehrenamtlicher Helfer um die Flüchtlinge, stehe ihnen bei Behördengängen, für Fahrdienste oder zum Sprachunterricht zur Verfügung.
"Meine eigenen Kinder sind groß", erzählt Gertraud Schuster. Sie brauche eine Aufgabe, da der Haushalt allein sie nicht ausfülle. "Dass man helfen kann, aber auch Fortschritte sieht", ist für sie Motivation. Und - die Kinder würden sie zum Lachen bringen und umgekehrt sei es ebenso. Der zehnjährige Aslan aus Tschetschenien und die neunjährige Batoul sind derzeit die einzigen Schulkinder der in Wachenroth lebenden Flüchtlinge. Eine Familie konnte in eine Wohnung in Mühlhausen ziehen, eine weitere Familie ging nach Duisburg.

Die Wachenrotherin hat keinerlei pädagogische Ausbildung. Sie greift allein auf ihre Erfahrung mit dem eigenen Nachwuchs zurück. Deutsch sei für die Kinder das schwierigste Fach. Da müsse man richtig viel erklären, sagt sie. Mathe hingegen sei in jedem Land gleich. Zahlen und Farben habe sie mit den Kindern spielend - beim Uno - erarbeitet.

Nein, als Opfer sehe sie den Zeitaufwand nicht, sagt sie. Sie nehme sehr viel Freude und Bestätigung aus der Beschäftigung mit den Kindern mit. Ideal fände sei es jedoch, wenn für jedes Kind eine Betreuungsperson zur Verfügung stünde. Im Winter, als das Team noch mehr Zeit aufbringen konnte, habe man damit die besten Fortschritte erzielt. Ihr größter Wunsch wäre jedoch ein ganz gezielter Sprachunterricht für die Flüchtlingskinder.
Das Engagement dieser und weiterer Helfer hat Landrat Alexander Tritthart (CSU) vor Kurzem besonders gewürdigt und ausgezeichnet.