Treffpunkt am Freitag für CSU-Anhänger aus Vestenbergsgreuth und sogar der weiteren Umgebung war das Wirtshausgespräch im örtlichen Landgasthof, zu dem Stefan Müller, MdB für den Landkreis Erlangen und Erlangen-Höchstadt, geladen hatte. Alt- und Ehrenbürgermeister Ewald Münch aus Adelsdorf, Unternehmer Johann Gumbrecht aus Wachenroth, Bürgermeister Waldemar Kleetz aus Gremsdorf und manch andere aus Politik und Wirtschaft, aber auch viele Leute wie du und ich hatten die Fahrt nicht gescheut, um ihre Fragen und Anregungen einmal bei dem Mann vorbringen zu können, der ihre Interessen im Bundestag vertritt.

Lösel: Keine Wahlveranstaltung

"Es ist keine Wahlveranstaltung" betonte Mitarbeiterin Karin Lösel. "Wir machen das nun schon zum fünften Mal und bisher stets außerhalb von Wahlkampfzeiten - die übrigens offiziell erst im Sommer beginnen."

"Wer sich nicht für Politik interessiert, kann auch nicht meckern", erklärte "der Kaiser von Dutendorf", Herbert Kaiser, den Grund seiner Anwesenheit. "Ich will schließlich wissen, was sich tut - wo doch früher hier meine Vorfahren Politik gemacht haben." Auch wenn die letzte Bemerkung nur parodierend auf seinen Nachnamen bezogen war, da seines Wissen nach weder er noch seine Ahnen politisch aktiv sind und waren, nickten die an seinem Tisch sitzenden Besucher zustimmend.

"Weil i a Greither bin", sagte Rudolf Bierlein. "Man muss wissen, was los ist und wenn schon mal einer da ist, der in der großen Politik was bewegen kann, muss man das nutzen."

Entsprechend der Absicht, möglichst viele Leute zu Wort kommen zu lassen, regte Müller nach der Begrüßung durch Ortsverbandsvorsitzenden Thomas Bochtler dann auch nur einige Themen an, die seiner Ansicht nach sowieso im Gespräch sind: Beschäftigungsverhältnisse mit Verwandten, Steuerehrlichkeit in Sachen Uli Hoeneß, geplatztes Steuerabkommen mit der Schweiz - ein wenig Wahlkampf schimmerte dann doch durch, denn gerade Letzteres hätten andere Parteien als CDU/CSU verschuldet.

Auch die Medien bekamen ihre Kritik ab von Müller: Eine funktionierende Presse sei wichtig, doch es ginge nicht an, wenn Journalisten sich anmaßten, Politik machen zu wollen, wie es leider zu oft geschehe. Zu Hoeneß war seine Meinung klar: Jeder bekannt gewordenen Verfehlung in dieser Hinsicht müsse nachgegangen werden. Die Straffreiheit bei Selbstanzeige habe zwar ihre Berechtigung, aber ab einer bestimmten Größenordnung müsse Schluss damit sein. Andere Themen, die er sich erhoffte: Wie geht es mit dem Euro weiter? Wie gelingt die Energiewende ohne ständig wachsende Strompreise? Wie kann man Wohlstand und Sozialstaat auch in Zukunft erhalten trotz zunehmender Konkurrenz von Ländern aus der ganzen Welt?

Fragen zur Schulreform und mehr

Die Thematik dessen, was die Leute interessierte, hatte er mit diesen Vorgaben ganz gut getroffen, doch ihre Fragen waren präziser: "Warum erhält ein Josef Ackermann (Deutsche Bank) Bezüge von 13 Millionen - kann man solche und ähnliche Auswüchse nicht begrenzen?", wollte Kurt Bierlein wissen. Müllers Antwort: Der Staat hat nur da die Möglichkeit einzugreifen, wo Banken auch staatliche Hilfe erhalten. Die einzige Möglichkeit sei, dass viele Anteilseigner sich zusammentäten um zu erreichen, dass sie mitbestimmen könnten. Zum Thema Steuerhinterziehung wollte Hans Georg Wennmacher aus Höchstadt wissen, warum man nicht die Gesetze ändere, die legale Steuerschlupflöcher zum Beispiel durch Immobilienabschreibung ermöglichten.

Es kamen noch viele andere Fragen zur Bürokratie: Warum muss man den größten Teil seiner Zeit als Landwirt heutzutage im Büro verbringen? (Alfred Winkler), zu den Schulreformen: Muss wirklich in jeder Legislaturperiode wieder etwas geändert werden? (Friedrich Neuner), zum Länderfinanzausgleich: Wie konnte Edmund Stoiber so etwas mit einer Laufzeit bis 2019 zustimmen? Prüft eigentlich jemand nach, ob die damals bedürftigen Länder das heute immer noch sind? (Marianne Auer) oder die Forderung nach Erklärung der ungleichen Rentenerhöhung zwischen Ost- und Westdeutschland - es gab Etliches, das den Leuten auf den Nägeln brannte.
Ob sie zufrieden waren mit den Antworten, die sie bekamen, wurde nicht eindeutig geäußert. "Immerhin", so Kurt Bierlein, "ich habe die Antwort bekommen, die ich erwartet habe".

Banken, Steuern, Studiengebühren, Bürokratie - der Anlass zu den gestellten Fragen lag zwar oft in privaten Erlebnissen, war aber für viele interessant. In dieser Hinsicht hat der Abend seinen Zweck erfüllt. Trotz skeptischer Gesichter zu Beginn erhielt Stefan Müller am Ende seinen Beifall.