Der Zustrom von Flüchtlingen in den Landkreis wird weiter anhalten, belastbare Zahlen konnte Anne-Marie Müller vom Landratsamt aber noch nicht nennen. Sicher sei lediglich, dass noch einmal eine große Zahl an Neuankömmlingen zu erwarten sei.

In der Sitzung des Kulturausschusses erläuterte sie den aktuellen Stand. Zurzeit sehe es so aus, dass man in dem verbleibenden Jahresdrittel wohl noch einmal genauso viele Menschen aufnehmen müsse wie in den zurückliegenden neun Monaten. 50 Asylbewerber pro Woche könnten es sein, die der Landkreis unterbringen muss.

Und genau das werde die Organisatoren vor "enorme Herausforderungen" stellen. "Mit den bisherigen Unterbringungs-Standards ist das nicht zu leisten", sagte Müller. Man müsse eventuell Hallen in Leichtbauweise errichten, eben "alles was schnell geht". Auch bestehe eine große Nachfrage nach Sanitär-Containern.


Möglichkeiten der Unterbringung

Was bedeuten diese Prognosen für Herzogenaurach? Die Zahl der Asylbewerber liegt zur Zeit bei knapp über hundert, wie Bürgermeister German Hacker (SPD) in der Sitzung erläuterte. Angesichts der Voraussagen könnte die Zahl aber auf 300 steigen, ergänzte er. Was für Herzogenaurach als größte Stadt des Landkreises "angemessen und verkraftbar" wäre.

Auch über neue Möglichkeiten der Unterbringung habe man schon nachgedacht. Im neuen Gewerbegebiet an der Bamberger Straße habe man ein Grundstück von 2200 Quadratmetern Größe. Das sei für eine neue Rettungswache reserviert, aber die werde so schnell nicht kommen. Dort könnte man etwas errichten, sagte Hacker, ohne zu verschweigen: "Schön ist anders." Denn das Grundstück liegt im hinteren Bereich, direkt an der Nordumgehung.

In der alten Schule in Höfen stünde ein Raum mit 70 Quadratmetern zur Verfügung und die katholische Kirche habe im Pfarrzentrum Niederndorf nach dem Umzug des Horts in den Neubau auch wieder freien Platz. Des Weiteren sei ihm von zwei privaten Objekten bekannt, darunter sogar etwas in der Größenordnung einer Halle. Die Stadt ist laut Hacker also vorbereitet.

Steffen Bauer ist seit drei Monaten beim ASB als hauptamtlicher Sozialberater für die Asylbewerber angestellt. Er kümmert sich um gut zweihundert Menschen im Raum Herzogenaurach. Bauer berät die Menschen in allen möglichen Fragen. Das gehe vom Handyvertrag bis zur freiwilligen Ausreise von Leuten aus dem Balkan, sagte er in der Sitzung. Schwerpunkt sei natürlich das Asylverfahren.


"We need jobs"

23 Menschen habe er auch bereits in eine reguläre Arbeit vermitteln können. In Herzogenaurach sind zwei Albaner im Bauhof beschäftigt. "Viele wollen arbeiten", erläuterte Bauer. Flüchtlinge aus Syrien, Irak, der Ukraine und auch Äthiopien dürften das auch. Immer wieder höre er den Ruf "We need Jobs, we need Education."


Bauer: Herzogenaurach positiv

In diesen drei Monaten habe er erkennen können, dass die Lage in Herzogenaurach sehr positiv sei. Der Unterkunft in der Eichelmühlgasse (58 Bewohner) bescheinigte er eine gute Atmosphäre. "Die Leute bedanken sich auch über die gute Aufnahme", sagte Bauer. Aber er sagte auch, dass in der Stadt eben auch ziemlich wenig Flüchtlinge untergebracht seien, im Vergleich zu kleineren Gemeinden.

Eine "komfortable Situation in Herzogenaurach" bescheinigte Konrad Eitel, einer der treibenden Kräfte in der Flüchtlingsbetreuung, was die Zahl an freiwilligen Helfern angeht. Und auch die generelle Situation sei entspannt. Herzogenaurach habe zweitausend ausländische Mitbürger, da würden die hundert Asylbeweber nicht weiter auffallen.

Positiv sei auch, dass Vereine offen seien für die Flüchtlinge. Für Eitel ist wichtig, "dass die Menschen in die Gesellschaft eingebunden werden. Wir dürfen nicht nur Sport für Flüchtlinge anbieten." Zu viel Betreuung, so ergänzte der ehemalige Stadtrat, sei aber auch nicht anzustreben. "Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe geben."


Problem Wohnraum

Trotz dieser positiven Ansätze in Herzogenaurach könnte sich auch hier die Lage anspannen, wenn die Zahl der Flüchtlinge weiter dramatisch steigt. "Das Hauptproblem ist der Wohnraum" , sagte Eitel. "Wenn 30 Syrer anerkannt werden, holen sie ihre Familien nach, sie alle brauchen dann eine Wohnung". Gefallen wollte ihm auch nicht das Wort der Verdichtung. Wenn jetzt viele Neuankömmlinge erwartet werden, "wohnen dann vier statt zwei Menschen in einem Containerzimmer?"

Auch für Asylberater Steffen Bauer ist es keine Frage: Wenn die Zahl steigt, brauche man auch mehr Personal und Perspektiven. Sonst spitze sich die Lage weiter zu. Bürgermeister Hacker verwies in diesem Zusammenhang auf den "wohl meist gesagten Satz des Jahres 2015: Ohne die Ehrenamtlichen geht's nicht."

Und an ehrenamtlicher Bereitschaft mangelt es laut Hacker in Herzogenaurach keineswegs. Viele Bürger wollen helfen und tun das auch. Aber man brauche, gerade wenn dann auch die Zahl der Helfer weiter steigt, hauptamtliche Koordinatoren. Hacker: "Und da ist das Land gefragt."