Die vielen Besucher im Kunstraum bei der Ausstellungseröffnung "Dear Mother" im Rahmen der Herzogenauracher Kulturtage machten Florian Lang anfangs etwas sprachlos. "Ich dachte für meine Bilder interessieren sich nicht viele Leute", meinte der Fotograf etwas bescheiden, aber doch mit Freude. Die Ausstellung des Herzogenauarcher Florian über den Ganges als Indiens heiligsten Fluss dauert bis zum 18. Oktober.

Bei seinen Dankesworten an das Kulturamt, den Kunst- und Kulturverein sowie seine Unterstützer setzte er noch einen drauf: "Wenn Sie die Bilder anschauen, denken Sie bestimmt, der hätte lieber Bäcker werden sollen", erklärte Florian Lang mit Schmunzeln. Schließlich ist er der Sohn von Eltern mit einem stadtbekannten Namen, wie es Bürgermeister German Hacker formulierte, als er die Ausstellung eröffnete.

Die Bilder von Florian Lang zeigen ein Indien als ein Land der Widersprüche, ein Land der Schönheit und Faszination, das unter Überbevölkerung und Umweltverschmutzung leidet. Aus Filmen wird Indien meist als ein märchenhaftes Land mit berühmten indischen Tänzen, Märchen, Sari, Gold und Edelsteinen sowie reichen Maharadschas dargestellt und den vielen Märkten mit den wunderbaren aromatischen Gewürzen, erklärte Bürgermeister Hacker eingangs. Es gebe aber auch Problemregionen mit Überbevölkerung, verschmutzte Gewässer, Armut, Schmutz und Krankheiten, Ausbeutung von Menschen.


Nicht als Tourist unterwegs

Genau dieses Indien fängt Florian Lang mit seiner Kamera ein. "Ich bin nicht als Tourist unterwegs", sagte er. "Mir sind bei meinen Aufnahmen die Menschen wichtig und ich komme an Orte, an die kein Tourist kommt", erzählt der Fotograf von seinen Streifzügen.

Die Widersprüche und die Gegensätze in Indien kann auch Hermann Weiler bestätigen, der über Jahre mit Indien zu tun hatte und sich die Ausstellung ebenfalls sehr interessiert ansah. Gerade in Delhi seien Armut und Luxus direkt nebeneinander, auf der einen Seite Luxushotels und auf der anderen Straßenseite bitterste Armut.

Die Fotoserie über den heiligsten Fluss Indiens mit mehr als 2500 Kilometer Länge - den Ganges oder besser: Ganga Mother, Mutter Ganges und heiliger Fluss sowie die wichtige Lebensader Indiens, fasziniert sich Florian Lang. Insbesondere sind es die Menschen, denn der Ganges verbindet Mensch und Raum. So leben rund 30 Prozent der Inder an seinem Ufer oder sind von ihm abhängig.

"Der Florian hat den richtigen Blick für Details, an denen man eigentlich achtlos vorbeigeht, er sieht das mit anderen Augen", lobte Thomas Fink die ausgestellten Fotos.


Abwasserrohr Indiens

Der heilige Fluss ist das Ziel für Millionen Hindus, ein Bad in ihm soll von Sünden reinigen und verspricht Absolution. Viele Hindus wollen nach Möglichkeit am Ganges sterben - vorzugsweise in Varanasi - und ihre Asche im Fluss verstreut wissen. Dabei ist der Fluss eigentlich das "Abwasserrohr" Indiens, aus dem auch Trinkwasser entnommen wird, und sehr stark verschmutzt. Auf der anderen Seite ermöglicht der Ganges Landwirtschaft und auch den Betrieb von Industrie, Gerberei und der Lederindustrie, deren Abwässer meist ungeklärt und Fluss geleitet werden.

Wie Florian Lang erzählt, sind die ausgestellten Bilder sind nur ein Teil eines Projektes, das noch nicht abgeschlossen ist. Denn nicht nur der Fluss sei ihm wichtig, sondern die Menschen, die vom und am Fluss leben. "In den nächsten Monaten habe ich vor, weitere Reisen entlang des Ganges zu unternehmen und mein Ziel ist es, "Dear Mother" schließlich in einem Buch zu präsentieren", erklärte der Fotograf.

Florian Lang entdeckte seine Leidenschaft zur Fotografie, seit er als Erzieher arbeitete und mit Kindern Lochkameras bastelte. "Das hat mich am Ende mehr fasziniert wie die Kinder", erzählte er und fing das Fotografieren an. Was zu einem Studium für Kultur- und Medienpädagogik bei der FH Merseburg führte. Lang wurde leidenschaftlicher Fotograf, verwirklichte zahlreiche Projekt mit Kindern und Reisen führten ihn nach Ost- und Südosteuropa. Seinen lang gehegten Traum erfüllte er sich im Herbst 2010: eine Reise auf dem Landweg nach Indien. In seiner Zeit als Volontär bei einer indischen Arbeitsrechtsorganisation entstand die Fotodokumentation "Modern Times - Leben & Labor in Indien. Auch diese Ausstellung hat Lang schon in Herzogenaurach gezeigt.

Fürs Begleitprogramm zur Ausstellungseröffnung hatte Florian Lang den Musiker und Fotograf sowie Yogalehrer Christian Kathrein eingeladen. Der in Bad Kissingen geborene Kathrein verbrachte einen Teil seiner Kindheit im Iran und studierte Musik an der Folkwang Hochschule in Essen. Schon während seines Studiums führten ihn längere Reisen nach Bombay und Goa, um Sitar und Yoga zu lernen. Seit 1989 spielt Kathrein auf der Sitar - dem zweifelsohne bekanntesten Instrument der indischen Musik und damit umrahmte er auch den Abend im Kunstraum.


Weitere Aktionen

Mit der Ausstellung soll es aber nicht gewesen sein. Am Samstag gab es im Kunstraum noch eine Benefizveranstaltung des Freundeskreises Stop mit indischen Tänzen. Am kommenden Samstag um 14.30 Uhr führt Florian Lang durch die Ausstellung, und er wird erzählen den Entstehungshintergrund des Projektes sowie die einzelnen Aufnahmen erläutern. Darauf folgt am Mittwoch, 14. Oktober, um 20 Uhr ein Gesprächsabend "Bei buddhistischen Nonnen in Ladakh" mit Brigitte Langenbach. Das buddhistische Nonnenkloster in Lingshed war für drei Monate Lebensmittelpunkt der Referentin. Die durch Reisen nach Tibet und Buthan den Buddhismus kennen lernte. Schließlich ist am Freitag, 15. Oktober, um 20 Uhr in der Aula des Gymnasiums noch das Schattentheater "Siddharta - Eine indische Dichtung."