Er wirkt winzig in der Halle, der Herr Precaire vom Theater Chapeau Bas, als er die Gäste begrüßt. Dabei steht er auf hohen Stelzen, und jeder muss gewaltig nach oben schauen, um mit dem Künstler in Blickkontakt zu kommen. Unweigerlich wird dem Besucher bewusst, wie hoch die Haupthalle der neuen Feuerverzinkerei Wiegel in Höchstadt ist.
Schließlich haben viele zu verzinkenden Werkstücke große Ausmaße. Einiges hängt bei der Einweihungsfeier fertig an der Decke, verschiedene filigrane Gebilde aus mehreren Streben zum Beispiel. "In unserer Anlage können wir Teile mit den Maximalmaßen 6,8 x 1,6 x 3 Meter verzinken", hilft Werkleiter Reinhold Taut, sich die Größenordnungen vorzustellen. Maximal darf ein zu bearbeitendes Stück 5,4 Tonnen wiegen.
Über 50 Mitarbeiter sind im neuen Werk Höchstadt tätig. Ein Teil von ihnen ist die Belegschaft der früheren Verzinkerei Meindl in Raindorf. Der Betrieb war in die Jahre gekommen, die Töchter wollten ihn nicht weiterführen und verkauften an Wiegel. "Die technischen Probleme zu lösen und umzubauen wäre fast so teuer gewesen wie der Neubau hier", begründete der Werkleiter den Neubau.
Die Standortentscheidung für Höchstadt, so Gründerenkel Michael Hofmann, hat auch emotionale Hintergründe. Sein Großvater Hans Wiegel stammt aus Dornheim im Unterfränkischen und lebte lange in den damaligen Landkreisen Neustadt und Höchstadt. Der Schmiedemeister baute dann in der Nachkriegszeit den ersten Betrieb in Nürnberg auf. Bei seinem Tod zählte, erinnert sich der Enkel, die Firma zum klassischen Mittelstand. Sie ist bis heute im Familienbesitz, hat sich aber in den letzten Jahrzehnten zu einer internationalen Firmengruppe mit mehr als 30 Standorten gemausert.
Bei der Feier war auch die Tochter des Gründers, Lina Hofmann, dabei. Sie - "die Chefin" -, bestätigte Geschäftsführer Harald Fichtenbusch, habe Mitarbeiter wie Besitzer immer zur Bodenhaftung erzogen. Ein Wort, das auch der Enkel für sich in Anspruch nimmt; auch als regionales soziales Engagement. "Wir machen keine Trikotwerbung", betonte Fichtenbusch, überreichte dafür aber Marek Stefanek von "Youth für Balance" aus Höchstadt einen Scheck über 2500 Euro.
Hofmann bedankte sich vor allem für "die hervorragende Betreuung durch die Genehmigungsbehörden", an vorderster Front bei Bürgermeister Gerald Brehm (JL) und Landrat Alexander Tritthart (CSU). Als perfekte Show wurde die Einweihung zelebriert. Chapeau bas holte sich Daniela aus dem Publikum auf die Bühne und ließ sie wie bei einer Schiffstaufe - fast - eine Sektflasche zerschmettern. Als federleichte Jonglage warfen die Künstler Taut die symbolischen Umzugskartons aus Raindorf zu. Bei Schauverzinkungen konnten die Gäste dann auch noch sehen, wie aus matten Stahlteilen glänzende und vor allem korrosionsgeschützte Elemente werden.