Der Festabend zum 725-jährigen Jubiläum des Marktes Weisendorf sollte "knackig und unterhaltsam" werden, versprach Bürgermeister Alexander Tritthart schon bei den Planungen für das zweitägige Fest. "Lange Reden langweilen im Grunde und die Bürgerinnen und Bürger sollen fröhlich sein und feiern", wünschte sich der Bürgermeister. Den Grußwortrednern wurde daher die Redezeit vorgegeben. Eine Festrede musste natürlich sein, die hielt der Bürgermeister selbst und trug die lang verschollene und erst kürzlich wieder entdeckte Amtskette.
Eröffnet wurde der Abend, der vom dritten Bürgermeister Hans Kreiner moderiert wurde, durch den Posaunenchor Weisendorf mit dem festlichen Marsch. Mit "Ode an die Freude" aus der 9. Sinfonie stellte sich der extra für das Jubiläum gegründete Projektchor vor.

Später folgte vom Chor noch, sehr souverän geleitet von Schulleiterin Gabriele Lommer, Mozarts "Kleine Nachtmusik" und mit dem umjubelten Gefangenenchor aus der Oper "Nabucco" von Guiseppe Verdi wurde der festliche des Abends abgeschlossen.

Dank an die Ehrenamtlichen

Bürgermeister Tritthart wies in seiner Festrede darauf hin, dass das ganze Jahr im Zeichen des Jubiläums stehe und bereits verschiedenste Veranstaltungen unter den Titel "725 Jahre Markt Weisendorf" gestellt wurden. Er würdigte besonders, dass das die Jubiläumsveranstaltung und das Festwochenende nur durch die vielen Ehrenamtlichen und Freiwilligen möglich wurde.

"Sie haben viel Zeit investiert und viel Kreativität entfaltet, um dieses Spektakel auf die Beine zu stellen", erklärte der Bürgermeister. So seien es bemerkenswerte viele Menschen aus dem Ort, die das Festwochenende zu ihrer Sache gemacht haben.

Mit den Worten: "Keine Sorge, es gibt heute von mir keine trockene Geschichtslektion. Unser Festabend will unterhalten und anschaulich machen, wie sich der Markt Weisendorf in den 725 Jahren verändert hat", begann Tritthart seinen Rückblick über 725 Jahre Weisendorf. Beginnend von der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1288, über eine wechselvolle und teils auch blutige Zeit entwickelte sich Weisendorf im Laufe der Jahrhunderte. Die Bevölkerung hatte durch Kriege, Plünderungen und Zerstörungen viel Leid erfahren müssen und wurde 1820 schließlich als Markt bezeichnet.

Gegen Ende der napoleonischen Kriege erwirbt 1813 der österreichische und großherzoglich toskanische Kämmerer Franz Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg das mittlerweile königlich bayerisch gewordene Lehensgut Weisendorf. Von 1825 bis 1882 herrscht dessen Sohn Hermann über das Dorf. Im Zuge der Bauernaufstände im März 1848 in ganz Franken, kommt es auch in Weisendorf zu tumultartigen Ausschreitungen. Hermann von Guttenberg flieht mit seiner Familie ins sichere Würzburg. Für die Einwohner bringt die Revolution das Ende der Abgaben- und Frondienste sowie die langersehnte Auflösung des hiesigen Patrimonialgerichts erster Klasse.

Grüße von Enoch zu Guttenberg

Eingeladen war zum Festabend auch Enoch zu Guttenberg, der ja in Weisendorf seine Kindheit verbrachte. Da sich der weltbekannte Musiker und Interpret derzeit aber auf einer Tournee befindet, ließ er vom Bürgermeister einen persönlichen Brief verlesen.

Bürgermeister Tritthart lud in diesem Zusammenhang gleich für den 20. Juli ein. Eine "hervorragende besetzte" Laienspielgruppe werde mit dem Stück "Ich hab mein Herz in Weisendorf verloren" diese Zeit nachspielen. Tritthart ließ auch den Ringelblumenanbau nicht unerwähnt, der den Weisendorfern den Spitznamen "Blumazupfa" einbrachte.

1977 wird der Markt Weisendorf im Rahmen der Regionalplanung zum Kleinzentrum des Seebachgrundes auserkoren. Seither entwickelte sich die Gemeinde bis heute zu einem lebens- und liebenswerten Weisendorf. Mittlerweile beträgt die Einwohnerzahl fast 6500 Einwohner. So wurde Weisendorf zwischenzeitlich zu einer der attraktivsten Gemeinden im Landkreis und in über 60 Vereinen sind die Bürgerinnen und Bürger tätig und machen Weisendorf lebendig.

"Gerade was unseren Ort lebenswert und liebenswert macht, wurde durch gemeinsame Anstrengungen erreicht. Die Weisendorferinnen und Weisendorfer fühlen sich hier zugehörig", erklärte der Bürgermeister. So sei ihre Identität von der Geschichte Weisendorfs geprägt. Die Bereitschaft, sich zu beteiligen und sich für das Gemeinwohl zu engagieren, werde auch in Zukunft gebraucht, betonte der Bürgermeister. Denn gerade kleine Kommunen müssen Wege suchen, um sich gegenüber den Städten zu behaupten und ihre Eigenständigkeit zu wahren.

Stolz zeigte sich Tritthart über das festlich geschmückte und sehr gut besuchte Zelt. "Man sieht selten ein solch geschmücktes Festzelt", bedankte sich der Bürgermeister bei der Familie Gschrey, die für die Bewirtung verantwortlich zeichnete. Wie angekündigt sollte der Abend nicht mit Reden ausgefüllt werden, sondern mit Musik und Tanz ausklingen. So sprachen Bundestagsabgeordneter Stefan Müller, Landtagsvizepräsident Jörg Rohde und Bezirksrat Walter Nussel mur kurz.

Für die benachbarten Bürgermeister und die Landkreisgemeinden überbrachte Joachim Wersal aus Hemhofen die Glückwünsche. Landrat Eberhard Irlinger , der mit seinem Stellvertreter Manfred Bachmayer am Festabend teilnahm, überbrachte die Grüße des Landkreises. Müller verlas auch eine SMS von K.T., dem ehemaligen Minister Karl-Theodor zu Guttenberg, der aus der USA Grüße nach Weisendorf schickte.