Im August trifft der Gottesdienstbesucher in Adelsdorf nicht wie gewohnt auf Pfarrer Thomas Ringer und die Orgel klingt auch ein bisschen anders als sonst. Zwei Priester und ein Ferienorganist genießen die Zeit in der Gemeinde und fühlen sich in Mittelfranken fast schon wie zuhause.
Zum Festgottesdienst am Samstagabend, dem Tag des Hl. Laurentius, wurden die Vereine und Fahnenabordnungen von der Blasmusik zur Kirche geleitet. Pfarrer Jaroslaw freute sich, dass ihm sein "Bruder im Herrn", Christian, zur Seite stand und Davide an der Orgel neben dem Aischer Kirchenchor unter Leitung von Claus Keller den Gottesdienst zu einem wirklichen Fest machte.
Zum elften Mal ist der polnische Priester Jaroslaw Nowaszczuk - seine Schäfchen nennen ihn der Einfachheit halber Pfarrer Jaroslaw - aus Stettin in Adelsdorf. Nach Studium und Priesterweihe war er ein Jahr Kaplan in Stettin. Dann wurde er von seinem Bischof nach Ostpolen, nach Lublin, der ältesten katholischen Universität Polens, gerufen. "Hier lehrte Papst Johannes Paul II. 25 Jahre lang", erklärt er stolz.
Dort nahm er das Studium der klassischen Sprachen (Latein, Altgriechisch) auf und schloss er im Jahr 2006 mit dem Doktor ab. Pfarrer Jaroslaw ist Literaturwissenschaftler und vor Kurzem hat er seine Habilitationsschrift beendet. Eigentlich wollte ich als Professor nach Adelsdorf kommen, aber es dauert in Polen halt sein Zeit", erzählt er etwas traurig.
Schon seit dem Jahr 2000 ist er der Sommervertreter des jeweiligen Adelsdorfer Ortsgeistlichen. Ihm gefällt es in diesem Dorf sehr gut und die Adelsdorfer lieben ihren Jaroslaw. Man findet kaum einen Termin, ihn zum Essen einzuladen. "Leider bin ich schon besetzt", antwortet er schelmisch.

Das Internet hilft bei Heimweh

Ihm zur Seite steht im Moment der Jungpriester Christian Bouwé aus Kamerun, der zwei Wochen zu Gast in Adelsdorf ist. Diesmal wohnt Christian bei Familie Roth (Uttstadt), aber auch bei Familie Galster (Aisch) und Familie Ruß (Weppersdorf) fühlte er sich in den letzten Jahren schon sehr wohl. Im Jahre 2005 war er zur Einstimmung auf den Weltjugendtag in Köln mit der französischen Gruppe aus St. Malo nach Adelsdorf gekommen und wurde damals bei Familie Roth wie ein Sohn aufgenommen. Seitdem ist er jedes Jahr, meist im Sommer, ein paar Wochen bei seinen deutschen Freunden und steht natürlich gerne Pfarrer Jaroslaw zur Seite.
Vor 32 Jahren ist er in Bafoussam geboren, der drittgrößten Stadt des Landes und zugleich Hauptstadt der kamerunischen Westregion. Neben seiner Muttersprache Fé'fé spricht er noch französisch, englisch, italienisch und jetzt auch schon recht ordentlich deutsch. Latein hat er natürlich auch gelernt.
Nach dem Abitur in seiner Heimat begann er mit dem Theologiestudium, das er hauptsächlich in Frankreich, in Ars, absolviert hat. Die letzten Jahre verbrachte er in Rom, zuerst als Diakon und dann als Priester.
Den fränkischen Dialekt findet er ein wenig seltsam. Der junge Priester hat natürlich auch Heimweh so fern ab von Kamerun. Aber es gibt ja Internet und Telefon. Die letzten beiden Male war er zur Priesterweihe in Kamerun bei seiner Familie und bei der Beerdigung seines Vaters im November 2011. Im Moment arbeitet er in Rom an seiner Doktorarbeit, die er nächstes Jahr fertig haben will.
Christian kommt aus einem armen Land und er berichtet auch von den finanziellen Sorgen und Nöten seiner Brüder und Schwestern dort. Adelsdorf ist in den letzten Jahren ein bisschen zu seiner zweiten Heimat geworden - wie auch für den italienischen Ferienorganisten Davide Pusterla aus Adelsdorfs italienischer Partnergemeinde Uggiate-Trevano.

Frühschoppen nach der Kirche

Seit 1999 vertritt dieser jedes Jahr im August die Adelsdorfer Organisten. "Er schafft es immer wieder aufs Neue, mit seinem wundervollen Spiel jeden Gottesdienst zu einem festlichen Erlebnis zu machen", schwärmt eine Bewunderin von ihm. Im ersten Sommer wollte er ursprünglich nur kommen, um sein Deutsch, das er fürs Studium brauchte, zu verbessern. Da er aber noch Orgel spielen kann, kam ein Mitglied des Partnerschaftskomitees auf die Idee, ihn doch als "Ferienorganist" anzustellen. Und das ist bis heute so geblieben.
Er wohnt immer je eine Woche in einer anderen Gastfamilie: Familie Mauer, Familie Macher, Familie Ort, Familie Blum, Familie Völlner, sie alle nehmen ihn immer wieder gerne auf. "Er ist fast schon wie ein großer Sohn für uns", verrät Heidi Völlner.
Sein richtiger Beruf hat natürlich mit Musik zu tun. An der Mailänder Scala arbeitet er an Musikprojekten mit, die Videos und DVDs mit großen Opern für Kinder aufbereiten. Davide liebt das fränkische Bier und er genießt am Sonntag nach dem Gottesdienst den Frühschoppen beim Gulden. Auch der Besuch auf einem der Keller ist für ihn fast schon so wichtig wie das Orgelspiel.