Wenn Rita Dankers mit eiligen Schritten einem Schulgebäude zustrebt, dann hat sie was Bestimmtes vor. Diesmal kam sie aber nicht zum Gemüse und Obst schnippeln in die Carl-Platz-Schule, sondern sie hatte zwei Netze mit Bällen auf der Schulter. Weil sie Mitglied der Steuerungsgruppe "Fairtrade-Town Herzogenaurach" ist, handelte es sich um besondere Fußbälle. Die Steuerungsgruppe hatte für die neun Herzogenauracher Schulen je fünf Bälle organisiert, die der Sportartikelhersteller Puma in fairer Produktion fertigen ließ und gespendet hat.
Da gab es bei der Übergabe an die 4c der Carl-Platz-Schule und an die zweite Klasse der Erich-Kästner-Schule Spardorf, Außenstelle Herzogenaurach, natürlich strahlende Gesichter. "Wir gehen für die Übergabe auf den Hartplatz", entschieden in der Aula kurzerhand die Lehrkräfte Aline Michl und Martina Kranich. "Die sind voll megageil" oder "Hammer megageil" und "aufs Übelste gut", so kommentierten die Schüler in ihrer Sprache die Übergabe der Fußbälle. Am liebsten wäre es den Mädchen und Buben gewesen, damit sofort zu kicken, aber vorerst wurden sie nur fürs Foto aus dem Netz genommen, und aufs Kicken wurden die Kinder von ihren Lehrerinnen auf später vertröstet.

Der Ball ist der Hauptdarsteller

Wie Rita Dankers erzählte, ließ Puma 2000 faire Bälle in Pakistan fertigen. Denn, egal wo auf der Welt Fußball, Volleyball, Basketball oder Rugby gespielt wird, die meisten Menschen wissen nichts über den Hauptdarsteller jedes Spiels - den Ball. Der Großteil der Fußbälle stammt aus Pakistan, die größte Anzahl wird im nördlichen Sialkot produziert. Die Näherinnen verdienen oft nur einen Bruchteil des gesetzlichen Mindestlohns. Familien verarmen, und eine der Auswirkungen ist, dass auch Kinder mitarbeiten müssen, um das Einkommen der Familie zu verbessern.
Als 2005 das Herstellerunternehmen für Fairtrade zertifiziert wurde, hat sich sehr viel verändert für die Frauen von Bhanewaly. Die Ballnäherei hat eine lange Tradition in der Gegend um Sialkot, doch bis vor einem Jahr nähten die Frauen die Bälle ausschließlich zu Hause. Die Heimarbeit wurde allerdings verboten, um der verbreiteten ausbeuterischen Kinderarbeit keine Chance zu geben.
Die Näherei erhielt aus Mitteln des fairen Handels eine Wasserkühl- und -filteranlage, damit den Arbeiterinnen der kostenlose Zugang zu sauberem Trinkwasser gewährleistet werden kann. Das ist aber noch nicht alles, berichtete Rita Dankers. Die Frauen von Bhanewaly und ihre Kinder dürfen an kostenlosen Computerkursen teilnehmen, um sich fortzubilden. Damit hilft Fairtrade den Familien und gibt Kindern neue Perspektiven.

Näherinnen geht es besser

Die Frauen in Pakistan haben es noch immer sehr schwer, aber jetzt finden sie in den zertifizierten Firmen großen Zusammenhalt. Die Näherei gibt ihnen Selbstvertrauen, damit sie selbst etwas erreichen können und mit ihrem Verdienst zur Ernährung der Familie beitragen und die Kinder in die Schule schicken können.