Was haben Nürnberg, Erlangen, Herzogenaurach, Schwabach, Bamberg, Neumarkt und eine Reihe weiterer Städte und Gemeinden gemeinsam? Zwanzig Vertreterinnen und Vertreter der lokalen Steuerungsgruppen der beteiligten Kommunen haben im Initiativkreis "Faire Metropolregion" beschlossen, sich beim Einsatz für soziale Gerechtigkeit und faire Produktionsbedingungen zukünftig noch enger zu vernetzen und eine Zertifizierung der Europäischen Metropolregion Nürnberg als Fairtrade-Region zu erreichen. Damit wäre Nürnberg die erste Fairtrade-Metropolregion von insgesamt elf in Deutschland ausgewiesenen Europäischen Metropolregionen.

Sprecherin Uschi Schmidt von der Steuerungsgruppe "Fairtrade-Town Herzogenaurach" berichtete bei einer Sitzung der Steuerungsgruppe über das Treffen in Nürnberg, und die Gruppe beriet das weitere Vorgehen, insbesondere wie die bereits stattfindenden Fairtrade- Aktivitäten in Herzogenaurach besser gebündelt und vernetzt werden können.

Im Nürnberger Rathaus wurde der erste Rahmen für die gemeinsame Bewerbung abgesteckt. Vorbild ist die Faire Metropole Ruhr, die bereits die Zertifizierung als Faire Region erhalten hat und der immerhin 53 Kommunen, darunter auch Herzogenaurach, angehören. Der Initiativkreis "Faire Metropolregion" ist dem Lenkungskreis "Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung" der Metropolregion Nürnberg angegliedert. Diese ist mit 3,5 Millionen Einwohnern der zehntgrößte Wirtschaftsraum in Deutschland. Davon leben aktuell schon rund 1,2 Millionen Einwohner, d. h. jeder dritte Einwohner, in einer Fairtrade-Stadt. Das erklärte Ziel ist die Erlangung des offiziellen Siegels "Fairtrade-Metropolregion Nürnberg".


Weitere Unterstützer gesucht

Für die Stadt Herzogenaurach, die im Jahr 2013 den Titel "Fairtrade-Town" erhielt und im vergangenen Jahr für weitere vier Jahre bestätigt wurde, bedeutet das eine Überprüfung der Läden und das Finden von weiteren Unterstützern. "Der politische Wille, einer Entscheidung zugunsten von Benachteiligten auch Taten und ein sichtbares Handeln nach außen hin folgen zu lassen, ist unumgänglich", erklärte bei der Sitzung Monika Preinl vom Amt für Planung, Natur und Umwelt. Sie wird die Steuerungsgruppe so weit als möglich unterstützen.

Und Uschi Schmidt wünscht sich für die Zukunft, dass auch andere Akteure aus weiteren Bereichen, wie z. B. aus Herzogenauracher Schulen, Vereinen sowie der Geschäftswelt oder kirchlichen Einrichtungen, in der Steuerungsgruppe vertreten wären. Deswegen wurde auch beschlossen, die Förder- und Werbegemeinschaft mit ins Boot zu holen. Damit das Zertifikat für Herzogenaurach auch über das Jahr 2019 hinaus vom Prüfgremium des TransFair e.V. - Fairtrade Deutschland verlängert wird, will die Steuerungsgruppe kräftig die Werbetrommel rühren.

Wie Studiendirektorin Doris Malik vom Gymnasium und Grundschullehrerin Iris Wulff berichteten, werden in einigen Supermärkten durchaus Fairtrade-Produkte angeboten, zudem sind auch die Kirchengemeinden sehr aktiv, zum Beispiel beim Verkauf von Kaffee, Tee, Schokolade, Gewürzen sowie Kunsthandwerk. Doris Malik sowie Iris Wulff würden sich in der Innenstadt einen "Eine-Welt-Laden" vorstellen. "Niemand fährt mehrere Geschäfte ab, um die fair gehandelten Lebensmittel einzukaufen, die Produkte sollten in einem Laden erhältlich sein", erklärte Iris Wulff das Einkaufsverhalten. Monika Preinl vertrat die Meinung, dass ein solcher Laden in Herzogenaurach wohl keinen Bestand haben wird. Zum einen müsste er überwiegend von Ehrenamtlichen oder einer Organisation betrieben werden und zum anderen sei die Miete in guter Lage einfach zu hoch.


Fragebogenaktion geplant

"Solche Läden können nur in einer Großstadt betrieben werden", erklärte Uschi Schmidt. Deswegen will die Steuerungsgruppe verstärkt auf die Geschäftsleute und Gastronomen zugehen und eine Fragebogenaktion starten, um zu erfahren, wo und welche Fairtrade-Produkte in den Regalen stehen.

Dass da noch mehr geht, davon ist die Sprecherin überzeugt und nannte das Landgasthaus Fasanengarten in Niederndorf als ein Beispiel. So wird dort nicht nur Fairtrade-Tee und -Kaffee ausgeschenkt, sondern es werden auch Fairtrad-gehandelte und heimische Produkte verarbeitet. Die Produktpalette ist aber noch vielfältiger und reicht neben Bananen, Kaffee, Tee und Zucker bis hin zu Fußbällen, Reis, Schokolade, Süßigkeiten, Fruchtsäften, Wein, Kinderspielzeug, (Natur- und Pflaster-) Steinen, Blumen und Baumwolle. Dass es in Herzogenaurach aber noch Potenzial geben würde, dessen ist sich Uschi Schmidt sicher, dazu braucht es aber noch weitere Akteure, die in der Steuerungsgruppe mitarbeiten.

Sie kann sich auch vorstellen, die Schulen noch stärker einzubinden. So bietet die Fairtrade-School die Möglichkeit, sich aktiv für eine bessere Welt einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Durch die Fairtrade-School-Auszeichnung wird der faire Handel im Unterricht verankert und die Schüler erfahren jede Menge über die Hintergründe des fairen Handels und können sich mit Missständen in den Entwicklungsländern auseinandersetzen.

Abschließend lud Uschi Schmidt für das kommende Wochenende in den Fair-Handel-Markt in die Abtei Münsterschwarzach ein, wo zusätzliche 20 Aussteller Direktimporte aus aller Welt anbieten.
 


Persischer Abend

Eine Woche später, am 22. Oktober, um 20 Uhr gibt es in der evangelischen Kirche einen persischen Abend mit klassischer persischer Musik und vielen Informationen aus dem geheimnisvollen Land.