Die Nacht vom 16. auf den 17. April 1945 verbrachten viele Menschen in einem der Weihersbachkeller, wo es sehr kalt war. Als sie gegen 7 Uhr früh in die Stadt zurückkamen, konnten Fritz und Heinrich Schürr nicht in ihre Häuser, da sich Amerikaner darin einquartiert hatten.

Am Dienstag, 17. April, kamen um 7 Uhr früh drei Hauptendorfer - G. Erhard, Schorsch Erhard und Johann Schmidt - mit großen weißen Tüchern über der Achsel nach Herzogenaurach und versicherten den amerikanischen Offizieren, die bei Fritz Schürr, Schuhfabrik Schürr, Erlanger Straße 9, geschlafen hatten, dass sich keine Angehörigen der SS mehr in Hauptendorf befänden. Die Hauptendorfer würden sich ergeben. Hans Maier, der spätere Bürgermeister, schellte mit der Glocke aus, dass alle der Amerikanischen Militärbehörde gehorchen müssten.


Suche nach Parteimitgliedern

Dann wurde ausgerufen, dass alle männlichen Bewohner im Alter von 16 bis 65 Jahren mit ihrem Wehrpass am Rathaus antreten müssen. Erst abends um 7 Uhr kamen die Männer wieder heim. Alle Beamten wurden gefragt, ob sie bei der Partei gewesen seien.

Amerikanische Soldaten durchsuchten die Häuser nach versteckten Waffen und Fotoapparaten. Sämtliche Wohnungen in der Post waren ebenfalls schnell zu räumen. Denn dort richteten die amerikanischen Truppen ihre Vermittlung ein.

Die Einnahme der Stadt Herzogenaurach durch die Amerikaner war - abgesehen von den Zerstörungen in der Heinrichsmühle und im Galgenhof - halbwegs glimpflich abgegangen.


Jeden Tag antreten

Am Mittwoch, 18. April 1945, mussten wieder alle Männer von 16 bis 65 Jahre am Marktplatz antreten. Ein Offizier "beschwallte" sie vom Rathaus aus. An den Seiten standen zwei Jeeps mit aufgebauten schweren Maschinengewehren.

Die Männer wurden zum Arbeiten eingeteilt, die einen bei den Bauern zur Feldarbeit, die anderen mussten Straßen reinigen. Es wurde auch bekanntgegeben, dass den Amerikanern zwei Fahrräder abhanden gekommen waren.

Bürgermeister Valentin Fröhlich hatte die nicht leichte Aufgabe, die Räder wiederzubeschaffen. Gerüchteweise sollten die Diebe der Räder erschossen werden.

Es gab aber trotz aller Kriegshandlungen auch menschliche Gesten. So fuhren die Amerikaner Frau Breun vom Galgenhof zur Entbindung in die Klinik nach Erlangen.


In der Aurach versenkt

Aus Angst vor den drohenden Hausdurchsuchungen "entsorgten" viele Herzogenauracher die Zeugnisse der letzten zwölf Jahre wie Stahlhelm, Koppel, Orden, Abzeichen, Ausweise etcetera. Beliebt für dieses Vorhaben war die Aurach bei der ehemaligen Firma Weiler, weil sie dort besonders tief war. Die Häuser wurden nacheinander durchsucht.


Weiter Truppenbewegungen

Auch am 19. April mussten sich die Männer wieder am Marktplatz melden, wo sie Bürgermeister Fröhlich zu Arbeiten einteilte. Wie die Herzogenauracher außerdem feststellen konnten, flogen die amerikanischen Flugzeuge sehr niedrig über die Stadt.

Die Truppenbewegungen mit Fahrzeugen aller Art hielten Tag und Nacht an.

Auch am 20. April 1945, Adolf Hitlers Geburtstag, den dieser in seinem Bunker unter der Reichskanzlei in Berlin verbrachte, musste die männliche Bevölkerung im Alter von 16 bis 65 Jahren wieder um 7 Uhr am Marktplatz antreten. Im Lazarett im Liebfrauenhaus schmückten an diesem Tag drei Fahnenjunker, die in einem eigenen Zimmer lagen, das Hitlerbild und sangen das Deutschlandlied.

Bei der Durchsuchung des Zimmers wurde außerdem festgestellt, dass sie ihre Pistolen in ihren Betten versteckt hatten. Die drei Fahnenjunker wurden noch am selben Tag auf einen Jeep verfrachtet und verschwanden auf Nimmerwiedersehen, vermutlich wurden sie nach Frankreich gebracht.


Ins Gefangenenlager

Ein wachhabender Offizier wählte am nächsten Tag aus den Verwundeten, die gesundheitlich stabiler waren, zehn Soldaten aus, die auf einem Dreiviertel-Tonner-Lastwagen zuerst nach Ansbach gebracht wurden. Von dort aus kamen sie in ein Gefangenenlager in Hessen, rund sieben Kilometer außerhalb von Kassel, wo sie auf freiem Feld nächtigen mussten, wie sich ein Beteiligter erinnert.