Schon von weitem hört man Blasmusik. Trompeten und Trommeln, die durch die unbefestigten Straßen in Himo schallen. Nicht jeder Ton ist richtig, aber was macht das schon? Schließlich ist es ein Tag zum Feiern und da sind schiefe Töne nicht so schlimm. Und dann kommen die Autos angefahren, Pick-Ups und gemietete Kleinbusse. Und schließlich kommt das Brautpaar aus dem Gemeindehaus und schreitet langsam zur Kirche.
In den fast sechs Wochen, die ich nun schon in Tansania bin, habe ich einiges an gesellschaftlichen Ereignissen mitbekommen. Eine Beerdigung, eine Verlobungsfeier, ein "Send-Off" und eben auch eine Hochzeit. Alles komplett anders als in Deutschland. Und auch wenn es viele Probleme gibt und Armut herrscht, darf es bei den Tansaniern beim Feiern an nichts fehlen. Schon allein die Kleider, die hier noch traditionell handgeschneidert werden, kosten ein kleines Vermögen für die Leute.
Bei einem "Send-Off" wird die Braut von ihrer Familie verabschiedet. Zuerst geht die ganze Festgemeinde in die Kirche, denn Religion spielt für die Menschen hier eine wichtige Rolle im alltäglichen Leben. Auch, wenn die Braut mit eineinhalb Stunden Verspätung kommt, weil sie noch beim Friseur saß. Der Segensspruch des Pfarrers ist dann das Signal, dass alle aus der Kirche tanzen und laut singen. Draußen werden Fotos geschossen. Während der ganzen Zeremonie spielt die eigens engagierte Blaskapelle unermüdlich weiter.

Tanz um das Brautauto


Danach geht es zu einem gemieteten Saal, der vor Kitsch nur so überquillt. Jeder findet irgendwie eine Mitfahrgelegenheit. Dort angekommen, umtanzen alle Frauen das Auto, in dem die Braut sitzt. Ich wurde auch gleich bei der Hand gepackt und sollte mitmachen. Es gibt Unmengen an Essen - aber erst, nachdem die Braut jedes einzelne Familienmitglied über Mikrofon begrüßt hat. Und sich die beiden Familien, also Brautfamilie und die des Bräutigams, gegenseitig mit Geschenken überhäuft haben. Dann wird nämlich die traditionelle Ziege vom Catering-Service hereingekarrt. Von der bekommen auch zuerst nur die Familienmitglieder etwas. Aber dann kommen alle Gäste an die Reihe und es gibt verschiedene Reisgerichte, Pommes, Fleisch, Salat und Getränke aller Art.
Auch Beerdigungen sind eine Sache für sich hier im ostafrikanischen Tansania. Denn anstatt schwarzer Kleider sieht man hier Kleidung in allen Farben, die man sich vorstellen kann. Es wird laut gesungen, fröhliche Lieder und man sieht kaum weinende Menschen.
Außerdem kommen Leute von überall her, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Dieser wird im Garten zwischen den Bananenbäumen beerdigt - in Deutschland unvorstellbar, hier ganz gewöhnlich. Egal, wie gut man die Angehörigen oder den Toten selbst gekannt hat, man teilt sein Beileid mit und schüttelt den Trauernden die Hände.
Die Verlobungsfeier, auf der ich war, hat im ganz kleinen Kreis stattgefunden. Es ist auch nicht immer üblich, dass ein Pfarrer kommt. Aber auch hier haben die beiden Familien für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt und viele verschiedene Speisen aufgetischt.
Was ganz wichtig ist in Tansania, sind die verschiedenen Sodas: Cola, Fanta, Sprite. Alles in Glasflaschen und man bekommt immer wieder eine neue vorgesetzt, wenn man eine gerade leer getrunken hat. Man sieht, Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben und es wird einem hoch angerechnet, sie anzunehmen. Genau wie beim "Send-Off" wird jedes Familienmitglied begrüßt und dann kommt der wichtigste Teil der Feier: der Bräutigam steckt der Braut den Verlobungsring an den Finger. Davon werden unzählige Bilder gemacht, alles muss für die Nachwelt festgehalten werden. Mit Trillerlauten und lautem Applaus wird das Ganze von den Frauen angefeuert.
Beim wohl größten und wichtigsten Familienfest, das es hier gibt, der Hochzeit, kommt man als Europäer aus dem Staunen nicht so schnell heraus. Als Erstes kommt das Brautpaar ins Gemeindehaus. Zuerst der Bräutigam mit dem Trauzeugen, dann die Braut mit der ersten Brautjungfer. Dann wird die "standesamtliche" Heiratsurkunde ausgefüllt und danach geht es in den Gottesdienst. Während der gesamten Hochzeit sieht man kein Lächeln auf den Gesichtern der Heiratenden. Auch der so berühmte Satz "Sie dürfen die Braut jetzt küssen" fällt nicht - es wäre wohl angebracht, zu sagen "Sie dürfen jetzt den Schleier der Braut lüften". Denn bis zum Ja-Wort hat man das Gesicht der Frau nicht gesehen, es war unter weißen Spitzenschleier verborgen.
Was ich ein wenig als Störfaktor empfunden habe, war der Fotograf, der jede Kleinigkeit fotografiert und gefilmt hat. So ist das hier. Wer was auf sich hält, filmt seine ganze Hochzeit - auch wenn man darauf kein einziges Mal lächelt. Auch bei einer Hochzeit ist der Festsaal mit kitschigen Lampen und Glitzer überfüllt. Als dann nachts der Strom ausfällt, wird der Generator angeschmissen. In Afrika ist man da locker und stets vorbereitet ...