Das Egloffsteinsche Palais in Erlangen müsste seit Jahren dringend saniert werden. Die 1718 erbaute Barockvilla ist ziemlich in die Jahre gekommen. Der Stadt fehlt freilich das Geld, die Heimat der Volkshochschule (VHS) schnell auf Vordermann zu bringen. In den 50er Jahren hat die ausgedehnte Dreiflügelanlage in der Friedrichstraße die letzte Frischzellenkur erhalten. Zu allem Überfluss ist das Palais nicht das einzige marode Gebäude in der Erlanger Kulturlandschaft.

Auch das Markgrafentheater und das Stadtmuseum warten sehnsüchtig auf die Handwerker. Weil das Geld fehlt, müssen die Renovierungen auf die sprichwörtliche "lange Bank" geschoben und nacheinander in Angriff genommen werden. Bis zum Ende des Jahres will der Stadtrat nun entscheiden, wann, wie und in welcher Reihenfolge die städtischen Kulturtempel renoviert werden sollen.

Kurz vor dem 300. Geburtstag des Egloffsteinschen Palais in zwei Jahren befindet sich das historische Gebäude in keinem ansehnlichen Zustand. Auch technisch ist das Haus noch nicht in der Neuzeit angekommen. Nicht in allen Unterrichtsräumen gibt es einen Internetanschluss. Die Toiletten sind auch nicht der letzte Schrei. Das Dach sollte neu gemacht werden.


Statische Probleme drohen

Wenn nicht bald etwas passiert, könnten dem Palais auch statische Probleme blühen. Rund elf Millionen Euro würde eine neue Rundumerneuerung der Barockvilla mit ihrer reichen Stuckausstattung kosten, hat die Stadt ausgerechnet. Angesichts der Kassenlage der Kommune ist die Renovierung der Volkshochschule ein heißes Eisen in der Hugenottenstadt. Schließlich müssten auch das Stadttheater (geschätzte Kosten rund 15 Millionen Euro) und das Stadtmuseum (geschätzte Kosten rund 14 Millionen Euro) dringend saniert werden.

"Da in Erlangen erst in den letzten Jahren eine systematische Sanierungsplanung für die kulturell genutzten historischen Gebäude erstellt wurde, besteht bei mehreren Gebäuden erheblicher Nachholbedarf", sagt der städtische Kulturreferent, Dieter Rossmeissl, zum Investitionsstau. Aus finanziellen Gründen seien alle Maßnahmen zeitgleich nicht realisierbar.

Rossmeissl weist auf die besondere Bedeutung der Volkshochschule und damit des Egloffsteinschen Palais hin. Die VHS sei "der wichtigste städtische Bildungsträger" in der Erwachsenenbildung. Seit der Flüchtlingskrise habe die Einrichtung sogar an Bedeutung gewonnen. Bei der Eingliederung von Migranten übernimmt sie Führungsaufgaben, indem sie Sprach- und Integrationskurse anbietet und ein Bildungsclearing für junge Flüchtlinge anbietet, berichtet Rossmeissl.

Wer derartige Aufgaben in einer Stadtgesellschaft übernimmt, darf sich Hoffnungen machen, nicht als letzte Bildungseinrichtung saniert zu werden. Oder scheitern die Wünsche am Ende am Geld? Rossmeissl erinnert daran, dass die Stadt aktuell schon die teure Sanierung des Freizeitzentrums Frankenhof stemmen muss.

Eine Empfehlung, zu welchem der drei renovierungsbedürftigen Gebäude die Handwerker zuerst ausrücken sollen, hat selbst Baureferent Josef Weber nicht. "Brennen tut es bei allen drei Gebäuden", ist sich Weber sicher. Er hofft auf eine schnelle Entscheidung des Stadtrates, damit zumindest die Planungen beginnen könnten.

Im Stadtrat fragen sich manche Mitglieder, wie sich die Stadt die Sanierung der drei Kulturtempel überhaupt in den nächsten Jahren leisten will. "Ich persönlich sehe überhaupt keinen Finanzierungsspielraum in den nächsten Jahren", sagt CSU-Stadtrat Jörg Volleth. Die rot-gelb-grüne Ampelkoalition im Rathaus habe sich teuren Projekten wie der Stadt-Umland-Bahn (StUB) und dem Frankenhof verschrieben. Auf dem Hausaufgabenzettel stünde zudem das "gigantische" Schulsanierungsprogramm. Alleine die Berufsschule müsse für über 50 Millionen Euro instandgesetzt werden.

Dabei mag Volleth gar nicht an den Investitionsstau bei Straßen und Brücken von über 60 Millionen Euro im Stadtgebiet denken. Die StUB belaste in den nächsten Jahren den städtischen Haushalt mit mindestens sechs Millionen Euro pro Jahr. "Dieses Geld fehlt der Stadt und hier dann eben konkret für die Renovierung des Egloffsteinschen Palais", ist sich der stellvertretende CSU-Fraktionsvorsitzende sicher.