Bereits im August verlassen Vögel unsere Region, um sich auf den Weg in ihre Winterquartiere im Süden zu machen. Vor rund 150 Jahren beschäftigte sich Pfarrer Andreas Jäckel mit der Vogelwelt im Mohrhofgebiet zwischen Hesselberg und Biengarten.

Zwischenstation im Winter

Über 250 Vogelarten waren dort zu finden, viele machten vor allem im Herbst Zwischenstation und stärkten sich an dem, was sie auf dem Grund der abgelassenen Weiher fanden. Die Kiebitze beobachtete er, wie sie "...zur Zeit der Fischerei in Flügen zu Hunderten, ja Tausenden umherstreichen, bald auf den Wiesen, bald in gefischten Weihern sich niederlassen." Die Graureiher traten der Beobachtung von Jäckel zufolge zur Zeit des Abfischens in Scharen von 40 bis 100 Stück an den abgelassenen Weihern auf. Ende Oktober, Anfang November zogen die meisten weiter. Einige waren noch an offenen Stellen der Aisch, an Weihern und Bächen zu finden.
Pfarrer Andreas Jäckel (1822-1885) bezeichnete das Mohrhofgebiet als wahres Eldorado der heimischen und fremden Vogelwelt, die er während seiner Zeit als Pfarrer zu Neuhaus von Spätherbst 1853 bis zum Februar 1861 durchforschen konnte.
Beim Weißstorch konnte Jäckel auf Aufzeichnungen aus 25 Jahren zurückgreifen. Störche brüteten unter anderem in Adelsdorf, Baiersdorf, Erlangen, Forchheim, Herzogenaurach, Höchstadt a.d. Aisch, Kairlindach, Lonnerstadt und Neuhaus. So kam das männliche Tier in der Aischgegend einmal am 22. Februar an, das Weibchen sechs Tage danach. Für Nürnberg ist zwischen 1764 bis 1790 belegt, dass der Storch zum frühesten Zeitpunkt am 4. März 1782 und zum spätesten Zeitpunkt am 28. April 1771 gesichtet wurde.
Gewöhnlich kam der Storch bis zum letzten Drittel des März, spätestens zwischen dem 4. und 7. April und verließ zwischen Laurentius (10. August) und Bartholomäus (24. August) die Region wieder: So versammelten sich "Anfangs August manchmals 20-30 Störche, um daselbst Nachtruhe zu halten, wobei es bis in die Nacht hinein viel Geklapper und Unruhe, Ab- und Zufliegen und Streit um das einzige Nest gibt. Während einer solchen Soirée am 7. August 1859 strichen schreiende Brachschnepfen über dem Schlosse und den daran liegenden grossen Teichen umher, zu dem Frau-Basen-Geklapper der Störchinnen und der Storchen-Jünglinge und Jungfrauen gewiss ein seltenes Accompagnement."
In Neuhaus nisteten seit Jahrhunderten Störche. Obwohl 1724 der Lehrbursche des Jägers zu Buch einen der Schlossstörche abschoss, nistete ein Paar trotzdem weiter. Da sie das Nest auf dem Amtshaus jedes Jahr erhöhten, musste es mehrfach wegen Größe und Feuersgefahr heruntergenommen werden. Jäckel konnte beobachten, dass am 9. Juni 1859 einer der Altstörche in den 20 Schritte vom Amtshaus entfernten, mitten im Dorf liegenden Pumpbrunnen herabflog und aus dem als Viehtränke genutzten Trog Wasser holte, um damit die fünf Jungstörche zu tränken.
Die Mauersegler verließen die Gegend "in der Nacht vom 26. und 27. Juli. Die letzten von Norden kommenden Durchzügler, an ihrem stillen, nur selten laut werdenden Wesen leicht erkenntlich, verschwinden bis zum 4. oder 7. August.", so Jäckel. Die Mauersegler kamen gewöhnlich im ersten Viertel des Mai an, und bewohnten zahlreich alte, hohe Gebäude.

Schwalben und Stare

Zu den Haus- und Rauchschwalben vermerkte Jäckel: "Im August sammeln sie sich zu vielen Hunderten alltäglich auf den Dächern der Kirchen und anderer hoher Gebäude und zieht die Hauptmasse zu Ende September ab. Die Spätlinge konnte man noch bis 16./17. Oktober nach Südwesten steuern sehen."
Auch die Stare verlassen im Herbst wieder unsere Gegend. Sie kamen in der Regel Anfang März. Der Star, " brütet in Wäldern und Kobeln innerhalb der Städte und Dörfer, kehrt zu Ende des August und Anfangs September, als ob er für genossenen Schutz danken und Abschied nehmen wollte, wieder zu den Kobeln zurück, singt da noch längere Zeit seine munteren Weisen und verlässt uns allmählich zu Ende des Oktober und Anfangs November. Die Staare besitzen ein staunenswerthes Talent, die Stimmen der jenigen Vögel, mit welchen sie in Feld und Wald, im Sumpf und an den Teichen zusammentreffen, täuschend nachzuahmen." Sogar das Quaken der Wasserfrösche hatten sie im Repertoire.
Dohlen und Krähen konnten als Gäste beobachtet werden. Im Herbst kamen Saatraben, "Heerhaufen auf Heerhaufen hinter einander, öfters zu vielen Tausenden, unter lautem, durch den Ruf der begleitenden Dohlen melodisch (so weit das eben möglich ist) moduliertem Geschrei himmelhohe Kreise beschreibend und durch jedesmaliges Kreisen sich in höhere Luftregionen emporschraubend, rücken sie langsam weiter, für den Naturfreund ein herrlicher Anblick."
Der Wanderfalke blieb zum Teil sogar den Winter über in der Region. Gerne kam er mit den ersten Enten an, die er zu jagen pflegte. "Die Klugheit dieser Falken ist bewundernswerth", schrieb Jäckel. Der Turmfalke (Falco tinnunculus) brütete auf hohen Gebäuden. Bemerkenswert ist, dass Jäckel nur Reiher und Seeadler als Feinde der Teichwirte aufführte. Den heute so gefürchteten Kormoran erwähnt er überhaupt nicht.
Seine Ausführungen zum Mohrhofgebiet beendete Jäckel zu Sommersdorf im August 1863 mit der Nachschrift: "Das ist die Ornis der Gegend von Neuhaus. Und nun sei zum Abschiede gegrüsst du lieber Leser und du schönes, schönes Weiherland!"