Kaum ist das Wetter so schön warm und sonnig, dass es die Badelustigen scharenweise ins Freibad zieht, schon ziehen dunkle Wolken auf. Für den SPD-Stadtrat Konrad Eitel ist es jedenfalls unverständlich, dass "pünktlich" zur Eröffnung der Freibadsaison die Stadt mit der Sanierung der Brücken in der Tuchmachergasse beginnen musste. Weil damit doch jede Menge Beeinträchtigungen einhergehen.

Das hat sich schon zum Auftakt der Badesaison gezeigt. Rund tausend Besucher zählte das Bad am heißen Feiertag. Folge: Zahlreiche Drahtesel blockierten die Rettungswege. Bei der Stadt und den Verantwortlichen für das Freibad kennt man die Situation. Kleinere Maßnahmen zur Abhilfe wurden geschaffen, doch im Grund müssten die Badegäste eben mit den Beeinträchtigungen leben. Das lasse sich nicht ändern. Jedenfalls nicht ohne finanziellen Aufwand.


Kritik schon im Stadtrat


Doch von vorn: Die beiden Brückenbauwerke auf dem Fuß- und Radweg zum Freibad hin müssen saniert werden. Die entsprechenden Aufträge hat der Stadtrat ja auch bereits vergeben. Doch die Arbeiten dauern mehrere Monate, also wohl die gesamte Freibadesaison. Das ärgert Eitel und er verschafft seinem Unmut zweimal Luft. So hat der SPD-Rat bereits in der letzten Stadtratssitzung das Thema angesprochen und daraufhin einen Lagebericht von Bauamtsleiter Gerhard Merkel erhalten. Doch das ist "dem Kolla" zu wenig: Jetzt schreibt er an den Herzogenauracher Bäderchef Werner Philipp.

Durch die Bauarbeiten sei der Zugang zum Freibad von der Würzburger Straße her für Wochen gesperrt, klagt Eitel. Der Zugang von der Steinernen Brücke her sei durch die Baumaßnahmen und die Baustelleneinrichtung des Weiteren ebenfalls erschwert und nicht unproblematisch. Die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder dort seien laut begrenzt "und für heiße Tage mit großem Besucherandrang ist ein ziemliches Durcheinander zu befürchten".

Eitel erklärt weiter: "Ich habe diese Thematik bereits in der jüngsten Stadtratssitzung angesprochen und mein Unverständnis über die Durchführung dieser Maßnahme während der Freibadsaison deutlich gemacht. Geändert hat sich dennoch offensichtlich nichts".


Holzsteg und zweiter Eingang


Da die Geschäftsführung der Herzo Bäder laut Eitel offenbar schon länger über diese Maßnahme informiert war, gestatte er sich nun die Frage, was denn unternommen worden ist, um dies abzuwenden oder den Zugang zum Freibad durch provisorische Einrichtungen zu ermöglichen. Dazu zählt der Politiker zum Beispiel einen Holzsteg über die Aurach von den Fahrradständern her oder die Schaffung eines Eingangs beim Tor hinter dem Puma-Gebäude am "Ofall".


Unterschiedliche Reaktionen


Die Offiziellen in Rathaus und bei den Herzo Werken beurteilen diese beiden Vorschläge unterschiedlich. Bauamtsleiter Gerhard Merkel lehnt einen Holzsteg ab. Man werde die am Eingang gelegene hintere Brücke etwa Mitte Juni wieder öffnen können, sagt er. Man habe extra den Ablauf umgestellt und werde die Restarbeiten dort erst beenden, wenn der Sommer vorbei ist, erklärte Merkel im FT-Gespräch. Ein Steg über die Aurach würde aber an die 25 000 Euro kosten. Geld, das der Beamte sparen möchte. Finanziell betrachtet stünde das in keinem Verhältnis, sagte er.

Dagegen könnte Merkel sich mit einem zweiten Eingang vom "Ofall" her anfreunden. Das aber lehnt Werner Philipp ab, aus dem gleichen Grund. Er müsste dort Personal bereitstellen und hätte unnötig Kosten, sagte der Bäder-Geschäftsführer. "Da brauch ich Leute, die warten, dass vereinzelt Gäste kommen. Wo soll da der Nutzen liegen?"

Die Bauarbeiten seien notwendig und würden immer zumindest eine Badesaion beeinträchtigen. Deshalb habe man sich entschlossen, die Sanierung ohne Winterunterbrechung durchzuführen.


"Was kostet die Südumgehung?


Bauamtsleiter Gerhard Merkel hat als lindernde Maßnahme hundert Fahrradstellplätze am Radweg zur Steggasse hin aufstellen lassen. Das wiederum geht Werner Philipp nicht weit genug. Er könnte sich vorstellen, dass jenseits der Steinernen Brücke die Wiese am ehemaligen Bigu-Parkplatz für Zweiräder hergenommen werden könnte. "Die 200 Meter Fußweg kann jeder Gast in Kauf nehmen", meint er.

Das allerdings sehen die Badegäste möglicherweise anders. Eine 40-jährige Herzogenauracherin äußerte sich gestern gegenüber dem FT. Wenn Hochbetrieb herrscht, dann reichen die hundert Stellplätze nicht aus, sagte sie. Und drüben auf der Wiese zu parken, das sei zu weit, ergänzte die Mutter eines kleinen Jungen. Da helfe nun wirklich nur ein Steg. Das Kostenargument mag die Frau nicht teilen: "Was gibt denn die Stadt für die Südumgehung aus?"


Ortstermin angeregt


Konrad Eitel geht in seinem Brief noch weiter. Bei Bedarf bittet er um die Einberufung des Aufsichtsrats mit Vor-Ort-Termin zu einer gemeinsamen Inaugenscheinnahme der Situation und Beratung von möglichen Maßnahmen.

Im Übrigen sollten nach Abschluss der Bauarbeiten an der Brücke beim Eingang des Freibades die restlichen Baumaßnahmen bis zum Ende der Freibadsaison unterbrochen werden, da eine Sperrung des Zugangs von der Steinernen Brücke und Beginn der Bauarbeiten in der westlichen Hauptstraße die Situation noch verschlimmern würde, meint Konrad Eitel. Das sollte eine Forderung der Bäder GmbH an die Stadt sein, rät er dem Geschäftsführer.