Es ist der vorletzte jetzt in Angriff genommene Tunnelbau auf der ICE-Neu- und Ausbaustrecke zwischen Nürnberg und Erfurt - der Erlanger Burgbergtunnel. Gestern erfolgte in Anwesenheit des auch für Verkehrsfragen zuständigen bayerischen Innenministers Joachim Herrmann der Tunnelanschlag für eine zweite Röhre. Der 170 Jahre alte Burgbergtunnel, Bayerns ältestes Bauwerk dieser Art, sei verkehrstechnisch ein Quantensprung gewesen, so Herrmann in seinem Grußwort. Mit der zweiten Tunnelröhre am Erlanger Burgberg verhalte es sich ähnlich.

Ab 2018 sei es möglich, von Nürnberg aus mit dem ICE in rund drei Stunden Berlin zu erreichen.
Mit kleinen Einschränkungen. Weil die Neubaustrecke von Thüringen kommend bis Ebensfeld dann zwar fertiggestellt sei, der rund 83 Kilometer lange Ausbau zwischen Nürnberg und Ebensfeld allerdings noch lange nicht. Auf der 16 Kilometer langen Strecke zwischen Eltersdorf und Baiersdorf wird zwar eifrig gebaut, dafür ist auf weiten Teilen der Strecke zwischen Forchheim und Bamberg noch kein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Diese Strecke ist zum Teil noch nicht einmal in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Der viergleisige Ausbau unterliege derzeit noch einem Prüfungsverfahren. Eine solche nochmalige Prüfung, eine erste erfolgte bereits, sei "absolut überflüssig", so Herrmann.

Nachvollziehbar angesichts eines Projekts, das internationale Dimensionen hat. In den Planungen für ein transeuropäisches Verkehrsnetz (TEN) als wichtige Nord-Süd-Verbindung angesehen wird, die von Palermo über Norditalien, Österreich, Berlin bis ans Nordkap reichen soll. Immerhin handelt es sich bei dem Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) 8 um die derzeit längste und teuerste Baustelle der Bahn. Allein in den Ausbau der Strecke von München nach Berlin werden 13 Milliarden Euro investiert.

Herrmann nahm im Zusammenhang mit der zweiten Tunnelröhre am Burgberg jedoch nicht nur den ICE, sondern auch die S-Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Bamberg in den Blick. Auch hier wolle man schnellstmöglich zwischen Nürnberg und Erlangen zu einem 20-Minuten-Takt kommen, weiterzuführen bis Forchheim. Zunächst gelte es jedoch, den Erlanger Burgberg auf einer Länge von 306 Metern zu unterqueren. Was auch nicht billig ist, sondern rund 16 Millionen Euro teuer wird.

Für die Mineure, die sich auf konventionelle Weise mit Hilfe von Baggern und Sprengungen durch den Berg arbeiten müssen, zudem nicht einfach. Hohlräume dürften nach Geologenaussagen die Aufgabe anspruchsvoll machen. Minister Herrmann geht dennoch davon aus, dass bis zur Bergkirchweih der Durchbruch erfolgt. "Weil die Erlanger ihre Bergkirchweih nicht gerne auf einem Pulverfass feiern."


Info:

Bayerns ältester Eisenbahntunnel

Geschichte Im Zuge des Ausbaus der Ludwig-Süd-Nord-Bahn zwischen Nürnberg und Bamberg war an der Engstelle am Erlanger Burgberg ein Tunnel notwendig. 1843 begannen die Bauarbeiten. Ungleichmäßige Gesteinsschichten und der Abraum von Steinbrüchen erschwerten die Arbeiten. Für den Bau des Gewölbes mussten eigens zwei Ziegelhütten errichtet werden. Die feierliche Eröffnung des Tunnels fand am 25. August 1844 statt.

Kosten Die Kosten für den 306 Meter langen Eisenbahntunnel beliefen sich damals auf 310 786 Gulden. Er war damit die teuerste Baumaßnahme auf der Bahnstrecke Nürnberg-Bamberg.

Ausbau Zwischen 1862 und 1892 wurde die Strecke in vier Etappen auf zwei Gleise erweitert. 1936 kam es zu einer Erweiterung im Profil im Zuge der Elektrifizierung. Im Rahmen der ICE-Ausbaustrecke Nürnberg-Ebensfeld erfolgt östlich des alten Tunnels die Erweiterung um eine zweite Röhre. red