Weiß war Wunsch. Doch auch viele andere Lichter und Farben fanden sich am Freitagabend in der Hauptstraße wieder. Die Förder- und Werbegemeinschaft hatte zur "Weißen Nacht" geladen und die Bevölkerung nahm den Aufruf auch gern und zahlreich wahr. Die schillerndste Figur des Treibens präsentierte sich im leuchtendsten Blau.

Klemens Kopka aus Dettenheim bei Karlsruhe bezeichnet sich selbst als ein Phänomen. Im Winter tritt er als schwebender Weihnachtsengel auf, im Sommer spielt er mit Seifenblasen. Wasser und Feuer. Und im Guinessbuch der Rekorde ist "Dr. Musikus" als das größte Ein-Mann-Orchester der Welt auch verzeichnet.

In der Hauptstraße traf der lustige Geselle in Blau viele fragende und bewundernde Blicke. Vor allem seine Art sich fortzubewegen, verblüffte. Sorgte der Mann, der da irgendwie auf rollenden Stelzen umher schwebte und alles mit einem langen Umhang verbarg, doch für reichlich Diskussionsstoff. Wie bewegt der sich, wollten viele wissen und hatten auch ihre eigenen Antworten parat. Und was sagt der Künstler selbst? "Ich bewege mich auf meinem Geheimnis", sagte er und verschloss sein Gesicht zu einem Buch mit sieben Siegeln.

Italienisch hat's begonnen

Entstanden ist der Abend der Geschäfte vor vielen Jahren als italienische Nacht, erinnert sich Michael Dassler, der Vorsitzende der Förder.- und Werbegemeinschaft (Föwe). Auf der Reise durch die Länder wurde man auch mal schottisch und schließlich wechselte die Idee auf das breite Spektrum der Farben. Weiß machte da einst den Auftakt, und weiß ist die Nacht jetzt wieder geworden und seit einigen Jahren auch geblieben.

Sinn der Aktion ist es, die Geschäfte in der Innenstadt ins Licht zu rücken. Deshalb haben die teilnehmenden Läden auch bis 22 Uhr geöffnet. Bewusst habe man die Hauptstraße auch nicht für den Autoverkehr gesperrt, sagte Dassler. Man wolle erreichbar sein wie an gewöhnlichen Tagen auch. Außerdem sei die Weiße Nacht zu einem Event der Autohäuser geworden. Diese präsentierten ihre Modelle, die vielfach in weiß gehalten waren, auch wenn sich mal ein schwarzes Schaf darunter mischte.

An vielen Ständen wurden Leckereien angeboten, auch Klassisches: Die Bratwürste vor dem alten Rathaus waren schon kurz nach 21 Uhr restlos vergriffen. Cocktails, mit und ohne Alkohol, luden zum Flanieren ein. Der Verkaufserlös des Abends geht übrigens an die Herzogenauracher Tafel.

Es waren durchaus begeisterte Stimmen zu hören. "Das ist der schönste Abend im ganzen Jahr", sagte Simone Sommer. "Der hat einfach Flair." Der Event sei "toll für die Familien", fand ein anderer Besucher. Und Livebands gab es auch. Sowohl eine Big Band am Vehnturm als auch eine Rockband bei der östlichsten Teilnehmerin am Postplatzkreisel sorgten für eine gute Stimmung und Atmosphäre.

Aber es gab auch kritische Worte zu hören. Edmund Breunig war nicht zufrieden mit dem Einfallsreichtum: "Wenn ihnen nichts anderes einfällt, als die Hauptstraße mit weißen Autos voll zu stellen, ist das schon etwas dürftig." Er hätte sich gerne mehr Illumination gewünscht, vor allem der historischen Gebäude.