Der Antrag der Freien Wähler, Einbahnstraßen und insbesondere die Steggasse für Radfahrer in beiden Richtungen freizugeben, wurde in der Sitzung des Herzogenauracher Stadtrats am Mittwochabend diskutiert.
FW-Fraktionsvorsitzender Manfred Welker verwies in seiner Begründung auf die derzeitige Baustelle "An der Schütt" und dass insbesondere die Schüler Umwege fahren müssen. Wie sich in der Diskussion herausstellte, werde die Steggasse trotz Verbot auch in der Gegenrichtung befahren, der obere Teil in südlicher Richtung, der untere Teil in nördlicher, was sowohl bei Unterrichtsbeginn und Unterrichtsende immer wieder zu beobachten sei. Einige Mitglieder des Stadtrates gaben zu, das ebenfalls schon getan zu haben, und sorgten für Gelächter.
Bürgermeister German Hacker (SPD) verwies darauf, dass das Thema schon vor drei Jahren diskutiert wurde und alle Einbahnstraßen durch die entsprechenden Fachgremien und die Polizei überprüft wurden. Die Freigabe erfolgte bei einer Reihe von Einbahnstraßen und habe sich auch bewährt.


Bedauerlich, aber nicht änderbar

"Es musste allerdings auch bei manchen Straßen oder Abschnitten von Straßen festgestellt werden, dass in der Abwägung mit der Verkehrssicherheit, was hier gleichbedeutend ist mit der Sicherheit des schwächeren Verkehrsteilnehmers, des Radfahrers, im Verhältnis zum Pkw oder Lkw, es besser nicht freigegeben werden sollte, so sehr ich dies persönlich als Radfahrer bedaure", erklärte der Bürgermeister. Dies sei im südlichen Teils des Ina-Rings, einem kurzen Abschnitt der Straße Zum Köpfwasen, einem Teil der von-Seckendorff-Straße und eben auch in der Steggasse, sowohl im nördlichen als auch im südlichen Teil, der Fall. Es sei keine durchgängige Übersicht gegeben und es gebe in Fahrtrichtung des Radfahrers keine vernünftigen Ausweichstellen für den Begegnungsfall.
Nach den Worten des Bürgermeisters sei dies durchaus bedauerlich, allerdings auf Grund der gegebenen Situation in der Steggasse nicht änderbar. Insofern müsse man als Radfahrer hier für eine kurze Strecke absteigen und schieben. Andererseits hätten Radfahrer ja durchaus gute Umfahrungsmöglichkeiten über die Badgasse, durch den Schlossgraben oder die Tuchmachergasse, je nach Ziel bzw. Ausgangspunkt. Auch eine kurzzeitige Freigabe wegen einer Baustellensituation sei nicht möglich. Die Sicherheit gehe hier vor. Diese Haltung sei aktuell nochmals durch die Polizei bestätigt worden.
"Gerade bei der Steggasse ist es aufgrund der Situation unverantwortlich, überhaupt so einen Antrag zu stellen", meldete sich Erich Petratschek (SPD) zu Wort. "Der Fundamentalist als Radfahrer wurde in der Diskussion zum Realo und meine anfängliche Euphorie zum Antrag habe ich zurückgefahren", erklärte SPD-Rat Bernhard Wilfer, der auch schon mal als Radfahrer die Gegenrichtung benutzt hat.
Nachdem ein Verkehrssachbearbeiter einige Aufnahmen der Situation in der Steggasse zeigte und Franz-Josef Lang (CSU) erklärte, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte, zogen die Freien Wähler den Antrag auf Anraten des Bürgermeisters zurück.