Noch ruft er nicht, der Berg. Geknallt hat es aber trotzdem schon. Bei einer Ortsbegehung hatte der Bauausschuss kürzlich ein paar Steinstufen auf dem beliebten "Entla's Keller" moniert. Nun sollen Bauzäune an der Stelle für mehr Sicherheit sorgen und die Sitzterrasse versperren. Der frischgebackene Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) verteidigt die Entscheidung und bittet um Verständnis.

Trotzdem will Friedrich Engelhardt die Stadt in letzter Minute noch von ihrem Entschluss abbringen. "Die Zeit drängt, aber die Hoffnung stirbt zuletzt", gibt sich der Entla's-Wirt zu Beginn der Woche noch zuversichtlich. "Ein Bauzaun wäre eine Verschlimmbesserung der Lage", ärgert sich Engelhardt. Nicht zuletzt aus dem vielen Zuspruch der "Berg-Freunde" nach Bekanntwerden der Entscheidung schöpft der Keller-Wirt die Hoffnung, dass es sich die Stadt doch noch einmal anders überlegt.

Denn für ihre Entscheidung erntete die Stadt viel Kritik. Besonders der neue Shootingstar der Stadt, Florian Janik, bekam im Internet sein Fett weg. "Ist das die neue Form der Bürgerbeteiligung?", fragte ein User im Netz spöttisch. Besonders kurios ist die Tatsache, dass der Keller-Wirt die Steinstufen bereits vor 20 Jahren errichtet hat. Janik hatte trotzdem vor seiner "Berg-Premiere" - der Oberbürgermeister darf traditionell das erste Fass anstechen - auf den Ortstermin auf dem "Entla's-Keller" gedrängt, um die Sicherheit der Steinstufen zu überprüfen. Weil die kleine Tribüne, die entfernt an ein Amphitheater erinnert, "keiner Sicherheitsnorm" entspreche, wie der städtische Baureferent Josef Weber beim vor Ort nüchtern feststellte, sollte der "Schwarzbau" seiner Meinung nach verschwinden. Auch Polizei und Feuerwehr plädierten dafür, die Steinstufen nachträglich nicht zu genehmigen.

Unverständnis beim Wirt

Weil der "Schwarzbau" bis zum Berg-Beginn nicht beseitigt werden kann, sieht sich Engelhardt gezwungen, den Bereich mit einem Zaun abzusperren. Wenn nicht noch eine Lösung gefunden werden kann. Verstehen könne er die Entscheidung nicht. "Das führt zu den Zuständen von 1990, die damals für massive Schwierigkeiten gesorgt haben." Deshalb habe er den Zaun seinerzeit entfernt und den Hang mit den Steinstufen terrassiert, um für die Besucher nicht nur Platz ,sondern auch zusätzliche Fluchtmöglichkeiten zu schaffen.

Deshalb versuchte Engelhardt den Oberbürgermeister noch am Montag in einem persönlichen Gespräch umzustimmen. Ohne Erfolg. Auch ein Termin beim Baureferenten führte nicht zu dem erhofften Kompromiss. "Das Bauwerk ist nicht genehmigt und außerdem sicherheitsgefährdend", verteidigte Janik die Entscheidung der Stadt. Auch das Argument, dass die Steintreppen schon 20 Jahre alt sind, wolle er nicht gelten lassen. "Wenn wir als Verwaltung davon Kenntnis bekommen, dann haben wir keine andere Wahl als zu sagen: Das muss leider entfernt werden." Denn falls etwas passiert, sei die Stadt dran.

Freilich sei es "wahnsinnig schade", weil durch den Bauzaun "ein total lauschiges Plätzchen" verunstaltet werde. "Ich bin dort auch schon oft gesessen. Schöner wird der Berg durch den Zaun nicht. Aber es ist, wie es. Ich kann nur um Verständnis bitten", sagt der 34-jährige Oberbürgermeister und zuckt mit den Schultern, wohl als Zeichen dafür, dass ihm die Hände gebunden sind.

Verstehen kann Friedrich Engelhardt das Vorgehen der Stadt trotzdem nicht. "Nach der Katastrophe von Duisburg wollen alle Verwaltungen keine rechtliche Verantwortung mehr übernehmen", findet Engelhardt. Indes fragt sich wohl auch der Oberbürgermeister, ob in der Causa "Bauzaun" alles richtig gelaufen ist. Heute will die Stadt jedenfalls die "Neuerungen" der 259. Bergkirchweih bei einer Pressekonferenz erläutern. Dass der "Bauzaun" kommt, scheint mittlerweile sicher.

Auch wenn die Sache jetzt "hochkocht", wie Baureferent Josef Weber einräumt. "Jeder Keller-Wirt hat das Gefühl, noch mehr Gäste anlocken zu müssen", kritisiert Weber. Man habe aber zuletzt feststellen müssen: "Mehr geht nicht." Eine noch größere "Verdichtung von biertrinkenden Bürgern" verringere die Sicherheit. Zumal die "Absturzsicherung" bei den Steintreppen fehle. Und überhaupt sagt Weber: "In Duisburg standen am Ende diejenigen vor Gericht, die die Love-Parade nie befürwortet haben."