Nicht nur für Janos Hübschmann selbst war der 1. Mai ein ganz besonderer Tag. Auch den 250 Gästen seiner offiziellen Buchpremiere in der Fortuna Kulturfabrik war die Emotionalität anzumerken. Nach sechs Jahren Arbeit stellte Hübschmann mit seinem Buch "Liebe" schließlich sein Lebenswerk vor.

Freunde, Weggefährten und Bekannte waren für die Präsentation unter anderem aus Hamburg, Bielefeld, Jena und Fulda angereist. "Ich habe sogar Eintrittskarten nach Österreich verschickt", sagte Hübschmanns Ehefrau Anja sichtlich bewegt von dem immensen Zuspruch.

Gesamter Körper gelähmt

Dass Janos Hübschmann mehr ist als ein gewöhnlicher Autor, wird schnell klar. Seit einigen Jahren sitzt der Höchstadter ALS-Patient im Rollstuhl, ist inzwischen am gesamten Körper gelähmt und benötigt einen augengesteuerten Computer, um mit seiner Außenwelt kommunizieren zu können. Während andere ihren Lebenswillen nach einer solchen Diagnose schnell verlieren, nahm der frühere Apotheker den Schicksalsschlag zum Anlass, sich neue Ziele zu stecken.

Vertrag geschlossen

Wie es zu der Idee für den Ratgeber kam, weiß Hübschmanns Freund und ehemaliger Kollege Elvan Erdal. Während eines feucht-fröhlichen Abends sei bei einer gemeinsamen Apothekertagung im Jahr 2009 die Idee aufgekommen, ein nachhaltiges Projekt zu schaffen. "Wir haben einen Vertrag geschlossen und ihn sogar mit Blut besiegelt", berichtete Erdal bei der Buchpremiere und konnte das Originaldokument sogar noch vorzeigen.

Mit der Fertigstellung seines Werks habe Hübschmann das Versprechen nun als Erster eingelöst. Seine Erkrankung hat ihm dabei möglicherweise sogar geholfen. "Ich hatte die letzten Jahre das Glück, aus dem Hamsterrad des Geldverdienenmüssens aussteigen zu können. Dadurch bekam ich Gelegenheit, zu erkennen, wie bekloppt wir Menschen sind. Wir machen uns und unserer Welt das Leben unnötig zur Hölle", schreibt er auf seiner Homepage.

Den Erlös aus dem Buchverkauf möchte Hübschmann dafür nutzen, sein Buch in möglichst viele Sprachen übersetzen zu lassen. "So können wir gemeinsam dazu beitragen, dass unsere Welt ein ganzes Stück liebevoller wird", ist er sich sicher.

Mit der Buchvorstellung in einem solch großen Rahmen wurden fast ausschließlich seine eigenen Ideen und Wünsche verwirklicht. Und damit hatte er offenbar den richtigen Riecher. Bei der Umsetzung halfen Hübschmann, der früher selbst leidenschaftlicher Sportler war, seine Freunde der Höchstadter Leichtathleten.

Schlüsselerlebnisse

Durch den zweiteiligen Abend führte neben seiner Frau Anja auch Hübschmanns guter Freund Markus Mönius, Sportvorstand des LSC. Der Weg von der Wüste in die Oase der Liebe sollte im Veranstaltungsverlauf umrissen werden. Verschiedene Personen verlasen hierfür Kapitel des Buches. Den Beginn machte der Abschnitt "Schlüsselerlebnisse". In ihm berichtet der Autor von seiner Konfrontation mit der niederschmetternden Diagnose ALS, seinem vergeblichen Kampf gegen den Eintritt der Krankheit und schließlich einer wichtigen Erkenntnis: "Durch die Krankheit bekam ich Offenbarungen, die mein ganzes Weltbild auf den Kopf stellen sollten".

Auf knapp 300 Seiten nimmt Hübschmann seine Leser mit auf eine Reise durch seine Gedanken- und Gefühlswelt. Besonders seine Beobachtungsgabe und Sensibilität für seine Mitmenschen scheinen ihm beim Erstellen des Buches hilfreich gewesen zu sein. "Liebe" soll als umfassender Ratgeber für eine liebevolle Lebensweise dienen.

Zu Beginn erläutert es den Unterschied zwischen Liebe und Lieblosigkeit und vermittelt Einsichten. Im Anschluss erhält der Leser zahlreiche Tipps, um seinen eigenen Geist, Körper und seine Welt zu heilen.
Jedes Kapitel beginnt mit einer lehrreichen, teils philosophischen, Geschichte. So beispielsweise die eines Zauberers, der einst Menschen schuf, um seine Freude und Liebe mit anderen teilen zu können.

Mit Musik

Musikalisch untermalt und ergänzt wurden die vorgetragenen Kapitel durch die RPJ-Musicschool Höchstadt. "Let love live" heißt der Titelsong zum Buch, der von den überwiegend jungen Musikern eigens arrangiert wurde. Auch Hübschmanns Söhne Patrick und Janos haben hierbei mitgewirkt.

Doch auch kommerzielle Lieder wie "Spinner" oder "Ich hör' auf mein Herz", die von der zwölfjährigen Lea Gromhaus stimmgewaltig vorgetragen wurden, erzeugten Gänsehaut und passten damit perfekt in das Konzept des Abends. Der sollte schließlich zur Selbstreflektion anregen und vor allem eine Quintessenz vermitteln: Jeder hat sein Leben selbst in der Hand und kann sich jeden Tag neu entscheiden - für oder gegen die Liebe.
Mehr Infos im Internet unter www.liebe-movement.com.