Vor Weihnachten waren es 65 Flüchtlinge pro Woche, die der Landkreis Erlangen-Höchstadt unterbringen musste. "Im Moment sind es 30", sagt Landrat Alexander Tritthart (CSU). Aber auch diese 30 jede Woche seien eine Herausforderung.

Tritthart schließt sich der Meinung seiner Landratskollegen an: "Auf Dauer kann es so nicht weitergehen." Jeder, der mit dem Thema zu tun habe, sage das - bei aller Mitmenschlichkeit.

Auch der Landkreis Erlangen-Höchstadt hat weiterhin größte Schwierigkeiten, die ihm zugewiesenen Asylbewerber unterzubringen. Die Mitarbeiter seien täglich auf der Suche. Oft passen aber die Wünsche möglicher Vermieter mit den Möglichkeiten der Mieter nicht überein. Turnhallen sind für den Landrat das letzte Mittel. Bisher sei erst eine Landkreis-Sporthalle in Herzogenaurach mit Flüchtlingen belegt. Tritthart bevorzugt allerdings kleinere Einheiten.


Keine Verschnaufpause

Eine Verschnaufpause bei der Zuweisung neuer Flüchtlinge gewährt die Regierung von Mittelfranken dem Landkreis nicht. Man habe schon einmal einen Bus vors Landratsamt gestellt bekommen, berichtet Tritthart. Da wurde dann kurzerhand der Sitzungssaal in der Landratsamt-Zweigstelle in Höchstadt in ein Notquartier umfunktioniert und die Flüchtlinge bis spät in die Nacht hinein verteilt.

Die Zuweisung der Asylbewerber erfolgt nach dem Königsberger Schlüssel. Landkreise und Regionen mit hoher Steuerkraft und vielen Einwohnern müssen auch mehr aufnehmen. Nur herrsche in Erlangen-Höchstadt schon generell Wohnungsmangel, klagt Tritthart. Er bezweifelt, ob dies auf Dauer zu halten sei, oder ob man nicht Menschen verstärkt in den Regionen unterbringen könne, wo es viele Leerstände gibt.

Generell stellt Landrat Tritthart fest, "dass die Stimmung im Landkreis Erlangen-Höchstadt vor einem halben Jahr noch eine andere war. Das habe für ihn viel mit den Vorfällen an Silvester in Köln zu tun.



Interview

Die große Zahl der Flüchtlinge fordert vor allem die Verwaltung im Landkreis Erlangen-Höchstadt. In einem Interview schildert Landrat Alexander Tritthart (CSU), wie sein Haus das bewältigt.

FT: Sie hatten im November angekündigt, aus jeder der acht Abteilungen im Landratsamt einen Mitarbeiter abzuziehen und ins Sozialamt zu versetzen, um den Ansturm der Flüchtlinge zu bewältigen. Sind diese Umbesetzungen inzwischen erfolgt?
Alexander Tritthart: Anhand der aus den Abteilungen noch im November eingegangenen Rückmeldungen wurde ein Einsatzplan für jeweils zwei Monate, um auch für die betreffenden Mitarbeiter Planungssicherheit zu gewährleisten. Auf dieser Grundlage wurden bislang drei Mitarbeiter ab 1. Dezember 2015 dem Sozialamt zur Aushilfe zugewiesen. Zum 1. Februar wird der erste Wechsel erfolgen.
Inzwischen haben wir bereits neue Mitarbeiter eingestellt. Der gestiegene Personalbedarf ist so aktuell wieder weitgehend gedeckt. Daher konnte einer der drei Mitarbeiter jetzt schon in seinen eigenen Bereich zurückkehren. Wenn am 1. Februar die beiden anderen Mitarbeiter in ihre Bereiche zurückkehren, benötigen wir zunächst nur noch eine Mitarbeiterin zur Aushilfe.

Warum musste diese interne Personalverschiebung überhaupt vorgenommen werden? Hätte man nicht ausschließlich neue Mitarbeiter von außerhalb einstellen können?
Bei uns reiht sich seit geraumer Zeit eine Ausschreibung an die nächste, um den stetig steigenden Personalbedarf zu decken. Das bedeutet: Stellenausschreibungen verfassen, Bewerbungsfristen festlegen, Bewerbungsgespräche führen, Verträge aufsetzen und Dienstbeginn verhandeln.
Die Zahl der dem Landkreis zugewiesenen Flüchtlinge hatte sich so rasch erhöht, dass wir - wie alle anderen Kommunen - die dafür benötigten Mitarbeiter in diesem Tempo nicht einstellen konnten. Durch den überall gestiegenen Bedarf wird es auch immer schwieriger, entsprechendes Fachpersonal zu finden.

Hat es in den einzelnen Abteilungen Widerstände gegen diesen Personalabzug gegeben? Wie wird der Arbeitsanfall dort jetzt mit weniger Personal bewältigt? Werden anstehende Arbeiten auf die lange Bank geschoben?
Sicher ist diese Maßnahme nicht überall gut angekommen. Ich habe mich dennoch sehr gefreut, dass sich alle der Verantwortung für diese Jahrhundertaufgabe bewusst sind, bei der jeder seinen Beitrag zur Bewältigung leisten muss. Die Aushilfsdauer haben wir bewusst auf zwei Monate begrenzt. Wir wollten so die Belastung für diejenigen, die das Sozialamt unterstützen, sowie für ihre eigentlichen Bereiche so gering wie möglich halten. So ist aus meiner Sicht auch sichergestellt, dass sich die Erledigung der anstehenden Aufgaben nur in geringem Maße verzögert.

Was haben die "neuen" Mitarbeiter im Sozialamt ganz konkret für Aufgaben? Können sie das überhaupt, oder müssen sie erst eingewiesen werden?
Alle "neuen" Mitarbeiter erhalten zunächst eine entsprechende Einweisung. Sie kommen alle aus dem Bereich Verwaltung und sind in der Lage, dem Sozialamt recht schnell wertvolle Unterstützung zu leisten.

Sind die Umbesetzungen freiwillig erfolgt, oder musste der eine oder andere Kollege zwangsversetzt werden?
Mir ist es wichtig, dass die Betreffenden verstehen, warum das Sozialamt ihre Hilfe dringend benötigt und sie aus diesem Grund ihre dortigen Kollegen unterstützen. Somit erfolgten die Umsetzungen freiwillig. Es musste niemand "zwangsversetzt" werden.

Wie lange soll diese Aushilfe aus heutiger Sicht andauern? Können die Mitarbeiter damit rechnen, dann wieder auf ihren alten Stellen zu arbeiten?
Mir ist es wichtig, den ansteigenden Personalbedarf durch entsprechend neu eingestelltes Personal zu decken. Solange keine Entspannung im Asylbereich eintritt, kann es jedoch auch in Zukunft wieder zu entsprechenden Engpässen kommen, bei denen wir auf die Unterstützung unserer Mitarbeiter angewiesen sind. Sie kehren nach zwei Monaten Aushilfe selbstverständlich wieder zu ihrem gewohnten Arbeitsplatz zurück.

Die Fragen stellte Andreas Dorsch.