Auch in diesem Jahr liefen am Fastnachtssonntag die Fasalecken und die Strohbären von Effeltrich nach Baiersdorf und pflegten damit eine lange Tradition. Aber bevor die Strohgewänder der Bären auf dem Großparkplatz symbolisch verbrannt werden konnten, war viel Arbeit nötig.

Baiersdorfs Bürgermeister Andreas Galster (CSU) und Effeltrichs Bürgermeisterin Katrin Heimann (DEL) sind sich einig darin, dass diese Tradition unbedingt erhalten bleiben muss, auch wenn es im Vorfeld leichte Irritationen gegeben hat. "Wir wollen, dass dieses alte Brauchtum erhalten bleibt!", sagt auch die Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, Monika Hofmayer.

Seit dem Vormittag waren zahlreiche Helfer in Effeltrich damit beschäftigt, die Strohbären in Wickenstroh "einzukleiden". Das Wickenstroh dafür muss extra angebaut werden, wie Altbürgermeister Richard Schmidt aus Effeltrich zu berichten weiß. Die Gemeinde stellt dafür extra ein Grundstück zur Verfügung, auf dem das Wickenstroh angebaut wird. Allerdings darf es nicht auf herkömmliche Weise gemäht werden.


Zweistündige Prozedur

Ein in die Jahre gekommener Fahr-Mähbinder aus einem Ort bei Kronach dient dazu, das Stroh in der ganzen Länge zu ernten. Zum Einsatz kommt auch ein alter Gabelwender, um das Stroh trocken einfahren zu können. Das Stroh wird dann bei der Baumschule Kupfer, Hausname "Stockbauer", gelagert und für die Strohbären vorgehalten.

Einer der fünf Strohbären war in diesem Jahr der zehnjährige Maximilian Nützel. Er hatte das letzte Jahr zugesehen und war von der Idee begeistert, in diesem Jahr als Strohbär mit nach Baiersdorf zu ziehen. Dazu musste er sich der zweistündigen Prozedur des Einkleidens unterziehen. Vielleicht ist er auch im nächsten Jahr wieder mit dabei.

Nach dem Einkleiden wurden die Strohbären mit einem eigenen Fahrzeug nach Baiersdorf gefahren und trafen dann mit den Trachtenmädchen und den Fasalecken wieder zusammen.

Die steife Montour macht das Gehen für die Strohbären allerdings nicht gerade einfach. Und trotzdem mussten beim Zug durch die Stadt die Treiber, wie Schäfer mit einem Fell bekleidet und einem Stab in den Händen, immer wieder versuchen, ihre Strohbären mehr oder weniger gut zu bändigen, die sich mit ihrem Ruf "Allamouschee" über am Straßenrand befindliche Mädchen und Frauen hermachen wollten.

Viele blieben nach diesen stürmischen Annäherungsversuchen zerzaust und mit viel Stroh im Haar wieder am Straßenrand zurück. An der Spitze des Zuges marschierte die Blaskapelle, nach den Strohbären folgten die Fasalecken mit Peitschengeknall. Das Gewand der Fasalecken wird in der Familie aufbewahrt. Die langen Bänder für das Gewand der Fasalecken konnten noch zum Teil in einem Geschäft in Forchheim gekauft werden oder müssen aus der Pfalz bezogen werden.


Mädchen in Tracht

Der Strohhut wird alle Jahre neu mit grünem Buchs besteckt und mit Bändern eingefasst. Charakteristisch ist es, dass die Mädchen der Tanzpaare in Tracht erscheinen, ebenso kleine Mädchen.

Am Linsengraben angekommen wurden die Strohbären "gehäutet" und das Stroh auf einen Haufen geworfen und dann mit einer Fackel entzündet. Begleitet von der Musikkapelle führten die Burschen mit ihren Trachtenmädchen Volkstänze um das Feuer auf.

Ganz Mutige sprangen am Schluss sogar über das niedergebrannte Feuer. Rosel Wilfer würdigte in einem Gedicht das Strohbärentreiben. Der Zug führte dann in das Feuerwehrhaus.

Zur Geschichte der Fasalecken und Strohbären

Vermutlich entstand der Zug der Fasalecken und Strohbären von Effeltrich nach Baiersdorf ursprünglich aus dem Brauch des "Todaustragens" am Sonntag Laetare in der Fastenzeit.

Mit dem Stroh wurde symbolisch der Tod verbrannt. Allerdings verwischte sich im Laufe der Zeit die ehemalige Bedeutung immer mehr. Der Brauch ruhte für längere Zeit, bis erstmals wieder 1926 der Effeltricher Gastwirt Kotz für seine "Oberdörfer" Burschenschaft die Erlaubnis erwirkte, nach Baiersdorf ziehen zu dürfen, was allerdings in diesem Jahr kaum beachtet wurde.

Eduard Rühl, der Vorsitzende des Heimatvereins Erlangen, interpretierte die Aktion als Winteraustreiben. 1931 wurde die Effeltricher Abordnung erstmals vor dem Rathaus in Baiersdorf offiziell begrüßt und mit einem Geldpräsent belohnt. Nach der Festansprache Rühls erfolgte der traditionelle Heischegang durch die Stadt. 1939 brachten die Effeltricher ihre Musikkapelle und eine Trachtengruppe mit nach Baiersdorf. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Heischebrauch, mit dem die Akteure in früheren Zeiten ihren Tribut einforderten - Geld, Essen oder alkoholische Getränke.

Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg konnten 1947 erste Bemühungen verzeichnet werden, den Brauch erneut zu beleben. 1952 fand die nun als Winteraustreiben apostrophierte Aktion wieder als offizielle Brauchveranstaltung im erweiterten Rahmen statt und gehört seitdem jedes Jahr zum Anziehungspunkt für zahlreiches Publikum.

Dies ist besonders den Mitgliedern des 1950 gegründeten Heimatvereins Baiersdorf zu verdanken.
Der Heimatverein Baiersdorf übernimmt die Verpflegung der Akteure aus Effeltrich im Feuerwehrhaus und auch auf dem Festplatz am Linsengraben können die Strohbären nach der staubigen Aktion ihren Durst aus einem alten Trinkhorn löschen, das von den Verantwortlichen des Heimatvereins schon seit vielen Jahren gehegt und gepflegt wird.