Die Bürgerversammlung fand in diesem Jahr nicht im gewohnten Rahmen statt. Die Bürger durften nämlich nicht nur zuhören und diskutieren, sondern sie waren gefordert zu entscheiden.

Im Dezember 2015 hatte der Gemeinderat die Fortschreibung des Flächennutzungs- und Landschaftsplanes beschlossen. Üblicherweise erstellt ein Planungsbüro einen Plan-Vorentwurf. Dieser wird dann im Gemeinderat diskutiert und in öffentlichen Auslegungen können die Bürger ihre Meinung dazu kundtun.

In Großenseebach ist es diesmal anders. Die Räte waren sich auf Vorschlag von Matthias Rühl vom Büro Stadt & Land einig, vorab in zwei Workshops die Anregungen der Bürger einzuholen. Sie sollen mitentscheiden, wie ihre Gemeinde in Zukunft aussehen soll. Diese Ideen sollen dann in den Vorentwurf einfließen. Der erste Workshop hatte bereits in einer Gemeinderatssitzung stattgefunden.


Für die nächsten 15 Jahre

Eingangs der Bürgerversammlung erklärte Bürgermeister Bernhard Seeberger (FW), dass es bei den Fragen um die bauliche Entwicklung, den Verkehr, um Aspekte der Landschaft, die Freizeit und der Erholung und nicht zuletzt auch um das künftige Leben im Dorf gehe. "Wir möchten bei diesen wichtigen Zukunftsfragen die gesamte Großenseebacher Bürgerschaft einbinden und deren Meinung erfragen. Denn geht um die Zukunft unserer Gemeinde, um die Gestaltung ihres unmittelbaren Lebensraumes", erklärte der Bürgermeister.

Matthias Rühl stellte in seiner Einführung zunächst den Flächennutzungs- und Landschaftsplan als gestalterisches Element der Kommune vor. Für Behörden ist der Flächennutzungsplan bindend, für Privatleute nicht. Seine Aufgabe ist es, Planungskonflikte zu vermeiden und Voraussetzungen für Änderungen zu schaffen. Der Plan soll Sicherheit geben und t vor Überraschungen bewahren, wenn plötzlich neben Baugebieten ein Gewerbegebiet entsteht.

"Der Flächennutzungsplan beschreibt ein Entwicklungskonzept für mindestens die nächsten 15 Jahre", sagte Rühl in seiner Einführung. Er präsentierte überraschende Zahlen. Laut statistischen Berechnungen wird der Ort um fast zehn Prozent wachsen, von heute rund 2400 Personen auf 2600 im Jahr 2028. Das geschehe allein durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung, da sich Zu- und Abwanderung die Waage halten.

Die größten Zunahmen mit jeweils etwa 30 Prozent verzeichnen die Altersgruppen der unter 18-Jährigen und der Senioren über 65. "Sie brauchen ein Jugendzentrum und ein Altenheim", brachte es der Planer auf den Punkt. Junge und alte Menschen haben im Ort ein gemeinsames Problem, sie finden keine kleinen Wohnungen. Mit durchschnittlich 115 Quadratmetern Fläche sind die Wohnungen und Häuser zu groß. "Der Bedarf ist komplett anders als das Angebot", bilanzierte Rühl.

Die Themen hatte Rühl, unterstützt von einem vierköpfigen Team des Stadtmarketings Bamberg, als Felder vorbereitet. Auf großen Tafeln erstellten die Besucher der Bürgerversammlung zunächst eine Bestandsaufnahme, notierten Stärken und Schwächen zu den Themen und überlegten sich Maßnahmen zur Verbesserung.


Stärken und Schwächen

Vier Arbeitsgruppen der gut besuchten Veranstaltung hatten die Aufgabe, visionär in die Zukunft zu blicken und Maßnahmen vorzuschlagen sowie Stärken und Schwächen aufzuzeigen. Jede Arbeitsgruppe wechselte nach einer Viertelstunde Bearbeitung zum nächsten Themenfeld. Dabei wurden behandelt: Bauliche Entwicklung, Verkehr, Umgehung, Radverkehr und Fußgänger; Leben im Dorf; Versorgung von Gütern und Dienstleistungen, Leben im Alter und soziale Einrichtungen.

Die Großenseebacher waren mit Begeisterung bei der Sache, diskutierten angeregt und brachten vielfältige Vorschläge ein. Beklagt wurden die schlechte Ausstattung der Spielplätze, für Jugendliche gebe es zu wenig Angebote, die Baulücken sollten geschlossen und mehr Geschwindigkeitskotrollen durchgeführt werden. Oft genannt wurden auch fehlende Einkaufsmöglichkeiten und die langen Wege zur Bushaltestelle genannt.

Auf der Wunschliste stand eine Verbesserung der Gastronomie, aber auch ein Biergarten und Eiscafé wurden auf den Kärtchen aufgeschrieben. Was die Mehrheit nicht will, ist ein ungebremstes Wachstum der Gemeinde. Es wurden aber auch die Stärken der Gemeinde hervorgehoben, so die Angebote der Vereine, die kurzen Wege in die Natur mit einer reichhaltigen Flora und Fauna und die Radwege in alle Richtungen.

Die Tafeln werden nun ausgewertet, nachdem sowohl die Gemeinderäte und jetzt auch die Bürger ihre Ideen eingebracht haben. Das Planungsbüro erarbeitet daraus einen Vorentwurf, der dann den üblichen Weg durch den Gemeinderat und öffentliche Auslegungen geht.

Nach zwei Stunden verkündete Rühl: "Es hat sich gelohnt. Es gibt viele Ideen, die wir jetzt in die Planungen mit einbeziehen können."