Von wegen "nur Hauptschulabschluss oder Quali" - die Mittelschule Mühlhausen hat sich vor einiger Zeit auf die Suche nach früheren Schülern gemacht, die einen erfolgreichen Weg in ein erfülltes Berufsleben hinter sich haben. Zahlreiche junge Leute haben sich auf den Aufruf der Schule gemeldet, vier von ihnen berichten im Gespräch mit unserer Zeitung von ihren Erfahrungen.
Kerstin Kalb ist 28 Jahre alt. Ursprünglich kommt sie aus Limbach. Sie besuchte die Hauptschule. "Ich hatte gute Noten und den Quali schaffte ich mit einer 2 vor dem Komma", erinnert sie sich. "Eigentlich wollte ich einen kreativen Beruf erlernen - aber meine Lehrerin Beate Ehbauer-Dörres und meine Mutter legten mir nahe, dass es doch besser sei, wenn ich auf eine weiterführende Schule gehe. Dies setzte ich dementsprechend um und besuchte den M-Zug der Hauptschule in Höchstadt." Über diese Richtungsweisung ist die junge Frau ihrer Lehrerin noch heute sehr dankbar.
Nach der Klasse M10 absolvierte sie eine Lehre zur Bürokauffrau und arbeitete danach in einem kleinen Erlanger Familienbetrieb für Orthopädietechnik. "Allerdings sehnte ich mich nach einer neuen Herausforderung und wollte mehr erreichen", erzählt sie. Fest stand jedoch, dass es ein Beruf mit medizinischem Hintergrund sein sollte.
Nun arbeitet sie bei einem in Australien gegründeten medizintechnischen Unternehmen mit Hauptsitz in der Nähe von München. "Ich bin Ansprechpartner für Patienten, auch in technischen Fragen, für Krankenkassen, und übernehme verschiedenste Aufgaben, die mich Tag für Tag herausfordern - somit habe ich eine große Verantwortung", erklärt sie. "Man muss kein Meister sein, um sagen zu können, dass man etwas erreicht hat. Das Wichtigste ist immer die Freude an der Arbeit."
Marco Tränkenschuh ist 22 Jahre alt und wohnt in Mühlhausen, "wo ich auch sicher bis zum Lebensende bleiben werde." Er war mit 18 Jahren der jüngste Bäckermeister Deutschlands. Als Schüler brachte er schon von Anfang an sehr gute Leistungen. "Trotzdem wollte ich nicht auf eine weiterführende Schule. Mein Ziel war eine Ausbildung, arbeiten und Geld verdienen", erzählt er schmunzelnd. Mit einem Schnitt von 1,3 schaffte er seinen Quali.


Der Opa als Chauffeur

Die Bäckerausbildung absolvierte er in Memmelsdorf. "Mein Opa hat mich jeden Tag die 30 Kilometer hingefahren und abends wieder abgeholt", erinnert er sich dankbar. Die Ausbildung durfte er auf zwei Jahre verkürzen und mit 17 Jahren war er bereits Bäckergeselle. Nur sechs Monate war er zu Hause im elterlichen Betrieb und dann ging es ab nach Olpe auf die Meisterschule. Auch hier brauchte er nur sechs Monate bis zum Meister. "Meine Meisterkollegen waren so zwischen 26 und 35 Jahre alt", erinnert er sich. Die Meisterprüfung hat er als Zweitbester von 60 Teilnehmern mit 1,8 abgeschlossen.
Das ist ihm aber noch nicht genug. Nebenbei studierte er Betriebswirt im Handwerk und machte das Fachabitur. Ein Jahr lang arbeitete er in einer Bäckerei in Erlangen und nun ist er wieder im elterlichen Betrieb in Mühlhausen. "Wir beliefern auch die Schule mit unseren Backwaren", verrät er stolz.
Auch der 28-jährige Florian Holler hat sich beachtenswert hochgearbeitet. "In den ersten Schuljahren war ich ein mittelmäßiger Schüler. Erst ab der siebten Klasse - da waren Gerhard Batz und Beate Ehbauer-Dörres meine Lehrer - bin ich besser geworden. Es hat einfach etwas gedauert, bis ich merkte, dass ich nicht für die Lehrer oder die Eltern, sondern für mich lerne. Ab da hab ich mich reingehängt ", erzählt er. Den Quali schaffte er mit 2,0 und anschließend begann er eine Lehre als Feinmechaniker an der Uni Erlangen. "Im Jahr 2005 hatte ich einen sehr schweren Motorradunfall und fiel fast zwei Jahre krankheitsbedingt aus", berichtet er.
Aber er hat sich ins Leben zurückgekämpft und ist wieder an der Uni Erlangen in der Zentralwerkstatt ins zweite Lehrjahr als Zerspanungsmechaniker eingestiegen. Als er 2009 fertig war, arbeitete er als Mechaniker dort weiter und besuchte nebenbei abends vier Jahre lang die Technikerschule Erlangen.
Als staatlich geprüfter Maschinenbautechniker erhielt er im Jahr 2015 auch den Meisterpreis der Bayrischen Staatsregierung und erwarb noch während der Technikerschule die Fachhochschulreife. Jetzt ist er Vollzeitstudent für Maschinenbau im dritten Semester an der FAU Erlangen. Nebenbei arbeitet er noch als Werkstudent. Für sein Studium erhält er noch ein Aufstiegsstipendium von der SBB (Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung), worauf er besonders stolz ist.
Holger Zürl aus Pommersfelden ist 29 Jahre alt. "Als Schüler war ich recht gut - in der Grundschule noch nicht so ganz. Da hat mir einfach noch der Durchblick gefehlt, wie's weitergeht", lacht er. Sein Lieblingsfach war zunächst Musik, " erst später in der Technikerschule hat mich die Mathematik gepackt." Nach einem guten Quali ging er in die Lehre als Industriemechaniker und konnte dabei die Lehrzeit auf drei Jahre verkürzen. Ein paar Jahre war er in der Produktion als Maschineneinsteller in einer großen Herzogenauracher Firma beschäftigt.
Nach dem Zivildienst ging er nach einem Vorbereitungskurs 2010 auf die Technikerschule der Grundig Akademie Nürnberg. Er hat nun den Abschluss als Techniker und den Fachabschluss internationales Englisch sowie den Technikerbrief mit bayerischem Meisterpreis in der Tasche. Von 2012 bis 2015 war er bei seinem Arbeitgeber zuständig für das wirtschaftlichere Gestalten von Betrieben, heute ist er mit Problemlösungstechnik befasst. Nebenbei hat er noch als Ausgleich zum Bürojob die Ausbildung zum Landwirt im Nebenberuf absolviert. Die Abschlussprüfung ist heuer im Juli.