Seit ein paar Tagen leben 15 Syrer, zwei Familien und fünf junge Männer, in der Engelgasse in Höchstadt. Das Haus hat die Stadt über ein Vorkaufsrecht erworben und an den Staat vermietet. Von der Miete wandert ein Teil in zusätzliche Betreuung für die Asylsuchenden. Die Stadt hat ihnen einen Kümmerer zur Seite gestellt: Lubna Al-Hosari.

Die Bankkauffrau ist selbst vor zwei Jahren aus Syrien gekommen und hilft ihnen bei der Verständigung. Denn nur einer von ihnen spricht englisch: Mashed Baradai. Der 19-Jährige studierte an der Universität Aleppo Medizintechnik und kam über Passau nach Höchstadt.

Bürgermeister Gerald Brehm (JL) möchte ein Helfernetz aufbauen. Seinem Aufruf folgten rund 30 Höchstadter. Brehm hat ein persönliches Motiv, sich besonders zu engagieren: Sein Vater war vor fast 70 Jahren Flüchtlingskommissar und hatte 10.000 Menschen unterzubringen. Deshalb bat er bei dem Treffen im Kommunbrauhaus, bei dem die syrischen Mitbürger begrüßt wurden: "Das Wir-Gefühl in Höchstadt gilt für alle. Wir müssen unsere Mitmenschen christlich aufnehmen."

Die Resonanz auf seinen Aufruf war für ihn ein Zeichen, dass "Höchstadt eine freundliche und weltoffene Stadt ist". Das gilt durchgängig für alle privaten Angebote, von den Sportvereinen, die Interessierte integrieren wollen, über die Musiggfabrigg, die Musiker sucht, bis hin zu denen, die Fahrdienste, Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen sowie beim Deutschüben anbieten.

Was die Flüchtlinge brauchen und was sie sich wünschen? "Ganz obenan steht die Frage, wie wir Deutsch lernen können", übersetzte Lubna Al-Hosari. Das Zweite: Es ist ihnen sehr langweilig ohne Fernseher und Internet. Ein IT-Spezialist, der sich einbringen will, versprach, seinen Geräte- und Kabelbestand zu durchforsten. Das dritte: eine Störung an der Heizung. Da schaut der städtische Hausmeister vorbei. Und dann: "Wir bedanken uns sehr herzlich für die Gastfreundschaft."


Transparenz bringt Verständnis

Der Kreis der Helfer ist breitgefächert. Eine junge Französin, dies seit acht Jahren hier wohnt, will ihre internationalen Erfahrungen weitergeben. Udo Neumann hält es einfach "für notwendig, sich als Bürger einzubringen". Birgit Stack denkt an Aktionen, die viele Bürger einbinden, um so "für Verständnis zu werben, indem man Schicksale transparent macht."

Polizeichef Jürgen Schmeißer gibt der Sicherheit oberste Priorität. "Sie ist ein Bürgerrecht, das auch Asylsuchenden zusteht", betonte er. Die Streife fährt öfter an der Engelgasse vorbei, nach dem, was in Vorra und anderswo schon geschehen ist. "Das waren Vorfälle, die ich nicht in Höchstadt haben will." Gleichzeitig wollen er und seine Mitarbeiter sich den Fragen der Bürger stellen, Vorbehalte nehmen und Ängste ausräumen. Pfarrer Fritz Schäfer bat, als Christen Zeichen zu setzen, "auch für die, die Probleme mit der Flüchtlingsaufnahme haben". Er appellierte zudem an "den langen Atem, für die, die erst später kommen".