Windkraftanlagen stehen für den Klimaschutz, jedoch nicht für den Artenschutz. Rund 25 000 von ihnen gibt es in Deutschland und es werden immer mehr. Doch leider sind sie Todesanlagen für Fledermäuse. Es gibt ein extrem erhöhtes Risiko für Fledermäuse, an den bis zu 200 Stundenkilometern schnellen Rotorblättern zu sterben, denn sie können diese nicht sehen bzw. orten. Meist verenden sie an inneren Blutungen, denn diesen Windgeschwindigkeiten könne sie nicht standhalten. Im Jahr sterben Schätzungen zufolge etwa Zwölf Fledermäuse pro Windrad.

Die jungen Ingenieure Thomas Scharrer und Florian Stiller haben im Rahmen des Forschungsprojekts Renebat an der Universität Erlangen am Lehrstuhl für Sensorik eine neue Technologie ausgetüftelt, die sogenannte bat bioacoustictechnology, auch "Bat-Monitoring-Device" genannt. Anhand dieses Geräts kann man auswerten, wann Fledermäuse sich geballt am Windrad aufhalten.

Die Technologie ist ein kleiner Kasten, der in die Gondel zwischen Rotorblatt und Turm eingebaut wird. Im Kasten ist ein Mikrofon eingebaut, das nach unten gerichtet wird und akustisch die Bewegung der Tiere festhält.
Sobald die Windkraftanlage in Betrieb genommen wird, misst das Gerät über zwei Jahre die Bewegungen der Fledermäuse. Anhand der Daten wird statistisch errechnet, wann sie besonders häufig am Windrad vorbeifliegen und es deshalb abgeschaltet werden sollte. Meist passiert das während der Dämmerung und bei wenig Wind.


Nur zweimal nach oben

Die Windkrafterlässe werden in den Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. In Bayern müssen Betreiber sich um den Artenschutz kümmern. Florian Stiller erklärt, dass es gerade bei der Standardisierung des Messens große Herausforderungen gegeben hat. Denn diese Art des statistischen Messens wird an Windrädern schon seit längerem genutzt. Man muss in dieser zweijährigen Messperiode alle zwei Wochen die Daten auswerten.

Das Neue an der Technologie der beiden Ingenieure ist, dass der Betreiber nur zweimal nach oben muss. Einmal zum Einbauen des Geräts und nach zwei Jahren zum Abbauen. Dies bietet ihm klare Vorteile, da er bei herkömmlichen Messgeräten alle zwei bis acht Wochen hoch muss, und das darf ein Betreiber nur mit dem Serviceteam. Es spart also immense Kosten und erleichtert die Erreichbarkeit. Außerdem wird der Ertrag nicht gemindert, weil die Anlage bei der Auswertung nicht ausgeschaltet werden muss. Man kann das Gerät über das Handynetz per SMS, WLAN und LAN erreichen und die Daten aus der Ferne auswerten. Das Problem der vollen Speicherplatte gibt es quasi nicht mehr. Das "Bat-Monitoring-Device" funktioniert bei allen Wetterlagen.

Eine englische Firma hat das Gerät schon zu Testzwecken an einem Turm in Ghana angebracht. Das Start-Up Thomas Scharrer und Florian Stiller hat schon Anfragen aus Dänemark, Niederlande, Frankreich und Kanada bekommen.