Es geht eng zu im östlichen Teil der Johann-Sebastian-Bach-Straße. Vor allem dann, wenn Eltern ihre Kinder im Michael-Kindergarten anliefern oder abholen, gleichzeitig die benachbarten Schulen für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sorgen und Patienten die Praxen im nahen Ärztehaus ansteuern. "Dann herrscht das reinste Verkehrschaos", sagt nicht nur Kindergartenleiterin Beate Gehr. Abhilfe gegen diese Zustände soll jetzt eine Einbahnregelung in der Bach-Straße schaffen.
Der Verkehrsausschuss des Höchstadter Stadtrates beschloss am Montagabend mit 6:4 Stimmen, die Bach-Straße von der Einmündung der Anton-Bruckner- bis zur Albrecht-Dürer-Straße als Einbahnstraße auszuweisen. Damit wird das Abbiegen von der Albrecht-Dürer- in die Bach-Straße verboten. Im westlichen Teil bleibt die Bach-Straße bis zur Einmündung der Bruckner-Straße in beide Richtungen befahrbar. Die Einbahnregelung auf dem 130 Meter langen Abschnitt soll zunächst einmal probeweise für ein Jahr gelten.
Gestellt hatten den Antrag die Katholische Kirchenstiftung als Träger des Michael-Kindergartens, dessen Mitarbeiterinnen und der Elternbeirat, die Ärzte des benachbarten Ärztehauses und die Anlieger in dem betroffenen Abschnitt. Sie alle erhoffen sich von der Einbahnregelung eine Entzerrung des täglichen Verkehrschaos.

Eltern haben wenig Zeit


Kindergartenleiterin Gehr erlebt die Situation vor ihrem Kindergarten seit 20 Jahren. "Eltern parken auf dem Gehweg, Mütter kommen mit ihren Kinderwagen nicht vorbei und die Straße ist ohnehin blockiert", stellt sie regelmäßig fest. In den letzten Jahren sei es noch schlimmer geworden. Durch die Neubaugebiete Häckersteig und Lehmgrube habe sich der Einzugsbereich vergrößert. Knapp 170 Kindergarten- und Schulkinder werden täglich in der Einrichtung betreut.
"In vielen Elternhäusern sind beide berufstätig. Sie kommen mit dem Auto, und weil sie wenig Zeit haben, muss es schnell gehen", sagt Gehr. Sie hofft auf eine Verbesserung durch die Einbahnregelung: "Schlechter werden kann es jedenfalls nicht."
Die Verkehrsexperten der Polizei sehen das anders. Laut SPD-Fraktionssprecher, dem Polizeibeamten Andreas Hänjes, werde in Einbahnstraßen generell schneller gefahren, weil nicht mit Gegenverkehr zu rechnen sei. Hänjes unterstützte die Stellungnahme seiner Polizei-Kollegen, die gerade vor Kindergärten und Schulen solche Regelungen ablehnen. Und er gab zu bedenken, dass die Stoßzeiten vor dem Kindergarten immer nur einige Minuten dauern, die Einbahnregel aber rund um die Uhr gelte.
Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer warf ein, dass dadurch auch die Anwohner in den benachbarten Straßen mehr belastet würden. Die Verwaltung hatte sich in ihrer Sitzungsvorlage der Haltung der Polizei angeschlossen, die Einbahnstraße abzulehnen. Bürgermeister Gerald Brehm (JL) ließ sich davon umstimmen, dass alle Beteiligten die Einbahnstraßenregelung unterstützten und schlug eine einjährige Probephase vor: "Wenn es alle wollen und es rechtlich möglich ist, warum nicht."
Für diesen einjährigen Testlauf stimmten auch alle CSU-Vertreter. Ihr Sprecher Franz Rabl betonte, dass er diesmal einem Vorschlag des Bürgermeisters folge, was in der Regel nicht der Fall sei. Die SPD-Räte - zwei von ihnen auch aus dem Lager der Polizei - und Polizei-Kollege Wolfgang Pflügner (JL) lehnten die Einbahnregel ab.