Die Türen sind weit geöffnet, die Initiatoren des Café Miteinander warten auf ihre Gäste. Auf die Menschen, die im Camp leben. So nennen viele neuerdings die ehemalige Tennishalle, in der derzeit rund 170 Asylbewerber untergebracht sind.

Pfarrer Ralph Utz hat auch die Kirchentür aufgesperrt. Denn am vergangenen Sonntag waren einige Asylbewerber, vermutlich Christen, im Gottesdienst. "Wir wollen allen einen Ort der Stille anbieten", sagt er. Ein ruhiger Ort dürfte vielen ein Bedürfnis sein, sind doch die Wohnbereiche in der Halle nur durch Stoffwände voneinander getrennt.

Ein Kuchenbüfett mit vielen gespendeten Gebäckstücken ist aufgebaut, Kaffeekannen stehen auf allen Tischen. Da geht die Tür auf. Der erste, der reinspitzt, ist ein kleiner Knirps. "Ali" wird später auf sein Namensschild geschrieben. Ihm folgen seine Eltern und ein paar junge Männer. Und ein Grüppchen Mädchen.

Christina Warzecha, Anneli Berger, Miriam Brugger, Bärbel Luthard und ihre Helferinnen begrüßen alle. Die Kinder zieht es in die Spielecke. Aber dann lockt doch am meisten der Kuchen. Ein Muffin hat sich Hawler (12) genommen. Sie kann sich gebrochen auf Deutsch und Englisch verständigen.

Mit ihrer Mutter Koma (30) und ihren drei Schwestern Jasmen (11), Jumana (9) und Naslen (6) lebt sie seit zwei Monaten in Hemhofen. Ihr Vater ist schon sechs Monate in Deutschland, aber in einem anderen Camp untergebracht. Die Familie gehört zur Religionsgemeinschaft der Jesiden. "Zuhause sprechen wir kurdisch, in der Schule habe ich arabisch gelernt", berichtet Hawler den deutschen Frauen am Tisch.

Jumana und Naslen freuen sich, dass sie ab Montag in die Schule gehen dürfen. Die Grundschule Hemhofen hat nämlich eine eigene Übergangsklasse eingerichtet - für Flüchtlingskinder im Grundschulalter. "Vielleicht können dort auch die etwas älteren schulpflichtigen Kinder unterrichtet werden", hofft Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU). Denn bislang kann Hawler nur den ehrenamtlichen Deutschkurs besuchen, zweimal die Woche ein bis zwei Stunden, das ist nicht viel. Das Mädchen muss sehr gut aufgepasst haben, auch wenn sie zwischen durch immer wieder nachdenken muss, ob Stunde, Woche oder Monat die richtige Zeitangabe ist.


Viele Gespräche

Auch in der Männerrunde am anderen Tisch laufen die Gespräche munter. Nur selten muss Réda Khadri helfen. Der gebürtige Algerier ist ein Bekannter von Bärbel Luthard. Sie hat ihn gebeten, zweisprachige Schilder für das Café zu schreiben und, wenn es nötig ist, zu übersetzen. Nur gut, dass man sich auch mit "Händen und Füßen", mit Gesten und Mimik verständigen kann. Und ein sanftes Streicheln beruhigt das ganz kleine Mädchen, das sich gestoßen hat, sowieso am besten.

Die Idee des Café Miteinander ist auf große Resonanz bei den Hemhofenern gestoßen. Auch bei der fast blinden Moni. Sie hat einen Kuchen gebacken. Allerdings schon am vergangenen Freitag. Da sollte das Café nach der ersten Verspätung wegen Windpocken starten, musste aber noch eine Woche verschoben werden. Die Frau ist deswegen nicht gram. Vielmehr bietet sie an für den kommenden Freitag wieder zu backen.