Massive Kritik am amtierenden Stadtoberhaupt prägte die Jahresversammlung des CSU-Ortsverbandes in der Gaststätte Heller. Außerdem wurde Antje Körner als Ortsvorsitzende einstimmig wiedergewählt.

"Die Stadtpolitik wird immer mehr zu einer One-Man-Show", kritisierte der CSU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Schwab den Bürgermeister German Hacker von der SPD. Das Stadtoberhaupt stehe den Vorschlägen und Meinungen insbesondere von der CSU meist ablehnend gegenüber. Die CSU sei das letzte Gegengewicht zum Bürgermeister, denn die Mehrheit im Stadtrat nicke nur noch ab. Schwab weiter: "Von seiner eigenen Partei kommt nichts mehr und von den anderen auch nicht viel, aber eine Alleinherrschaft schadet unserer Stadt." CSU-Mitglieder kommentierten das mit Zwischenrufen wie "Selbstherrlichkeit".

Auch Walter Nussel, der einstige Konkurrent um den Bürgermeistersessel, vermisst eine bessere Zusammenarbeit mit Hacker und der SPD-Fraktion. "Wir versuchen immer wieder, ihm die Hand zu reichen, aber er schlägt sie immer wieder aus", erklärte der CSU-Stadtrat in Richtung Bürgermeister.

Schwab bat in seinen Ausführungen um Verständnis für die vielen Baustellen in der Stadt, die zwar bei Anwohnern für Verärgerung sorgen, aber auch notwendig seien. Schwab erinnerte aber auch daran, dass die CSU bereits vor vielen Jahren eine Südumfahrung gefordert habe, weil das Verkehrschaos in Niederdorf immer mehr zunehme. Schwab bedauerte, dass der vierspurige Ausbau der Nordumgehung bis zur Bamberger Straße im Stadtrat abgelehnt worden sei. Den Hans-Ort-Ring würde es ohne die CSU außerdem gar nicht geben, denn die SPD habe damals im Stadtrat das Vorhaben vehement abgelehnt.

Kritik kam auch vom JU-Vorsitzenden Simon Dummer. Er sagte, dass der Bürgermeister ein Großprojekt nach dem anderen präsentiere und fragte, wer solle das bezahlen? In absehbarer Zeit würden die Rücklagen aufgebraucht sein. Und der JU-Vorsitzende blickte auch etwas pessimistisch in die Zukunft. Obwohl es den Firmen in Herzogenaurach sehr gut gehe, könne nach einem Aufschwung auch ganz schnell ein Abschwung kommen.
Dummer fordert deshalb generationengerechte Investitionen und nicht eine Aneinanderreihung von Großprojekten. Schließlich müssen dafür die nachfolgenden Generationen geradestehen. Der JU-Vorsitzende befürchtet, dass geplante und notwendige Vorhaben ganz schnell wieder in der Schublade verschwinden könnten.

Dummer erwähnte weiterhin, dass die Junge Union ein Gründerzentrum in Herzogenaurach etablieren möchte. Die Junge Union sieht darin eine Chance, jungen Leuten die Möglichkeit einer Unternehmensgründung zu eröffnen und damit die Zukunft von Herzogenaurach dahingehend zu gestalten, dass sie auch weiterhin attraktiv und innovativ bleibt.

Antje Körner wurde mit 100 Prozent in ihrem Amt bestätigt. Zur Seite stehen ihr als Stellvertreter Stadtrat Konrad Körner und Andrea Nahr sowie Oliver Reitinger, die ebenfalls einstimmig in ihren Ämtern bestätigt wurden.
Die Ortsvorsitzende erinnerte in ihrem Tätigkeitsbericht an zahlreiche Veranstaltungen der letzten beiden Jahre und insbesondere an den Bürgerentscheid zur Stadt-Umland-Bahn (Stub), "der leider anders ausging als erwartet". In ihrem Rückblick hob die Vorsitzende besonders die große Veranstaltung "70 Jahre Ortsverband, 30 Jahre Frauen Union und 56 Jahre Junge Union = 156 Jahre konservative Politik in Herzogenaurach" hervor. Ein Anliegen ist Antje Körner eine gute Mischung aus "Jung und Alt" sowie ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen im CSU-Ortsverband.

Ruthild Schrepfer, Vorsitzende der Frauen-Union, erwähnte den parteiübergreifenden internationalen Frauentag, der sich fest etabliert habe. Aus dem Bezirkstag berichtete Ute Salzner, insbesondere von den sozialen Aufgaben des Bezirks, die viel Geld kosten und deshalb auch zu einer Erhöhung der Bezirksumlage führten. Der Landtagsabgeordnete Walter Nussel, der auch die Neuwahlen leitete, stimmte auf die Bundestagswahl ein. Ebenso wie zuvor Antje Körner: "Wir wollen und brauchen keinen Kurzzeitmessias, der postfaktische Politik betreibt". Sie warf dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz vor, bewusst mit falschen Zahlen zu operieren.