Franken hat ihn wieder: Harald Nützel ist zurück, beziehungsweise "bägg- in-daun" und im ausverkauften Vereinshaus berichtete Bernd Regenauer von zehn Jahren als Reiseleiter. Dieter Breyer begrüßte für den SPD-Ortsverband alle Franken und die außerfränkischen Besucher, darunter auch die "halbe" Berlinerin und Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich, die halt beim "Fränkischen" etwas aufpassen müssen, aber Fränkisch sei eben ein Kulturgut.


Im fensterlosen Büro

Zwischen Umzugskisten tauchte der nörgelnde Nütze auf. Denn nach seiner Tätigkeit als Reiseleiter folgte er dem Ruf ins Zentrum der Macht, dem Bayerischen Heimatministerium in Nürnberg, und er bezog dort sein fensterloses Büro. Beim Einstellungsgespräch wurde ihm erklärt, dass er im Auftrag des Ministeriums eine Imagekampagne für die Region entwickeln solle. "Er sei dafür bestens geeignet, schließlich ist er dafür die kompetente Fachkraft, denn er kenne wie kein anderer die von der Seenlandschaft gebeutelten Franken", erklärte er der Besuchergruppe vor ihm.
"Ich bin bägg-in-daun und das leicht angeschlagene Ministerium braucht mich, denn nur ich kenne das strukturschwache Franken", schickte er seinem Arbeitsbeginn gleich mal voraus. Und er ist mittendrin in Regionalpolitik und Strukturmaßnahmen. Da wird "neistrukturiert, dass die Gülle spritzt" und auch die Anrufe können ihn nicht aus der Ruhe bringen.
Auch sein Chef Söder kann ihn mit seinem Anruf, bei dem er die Strukturmaßnahmen in Erinnerung ruft, wenig beeindrucken. "Der redet genau so viel, wie er spricht", außerdem sei Markus Söder allgegenwärtig. "Wenn zwei zusammenstehen ist der Chef mittendrin, auf jedem Foto mit drauf. So wurde sogar eine Software entwickelt, da ist der Söder auf dem Bild, auch wenn er überhaupt nicht da war. "Stellen Sie sich amol vur, die Oma feiert Geburtstag, klick und der Söder sitzt neben ihr, oder ihre Frau lässt Ultraschall machen und der Söder taucht neben dem Fötus auf."
Bei dem Markus Rinderspacher sei das allerdings nicht möglich, er sei dafür zu blass und die neue Software kann das nicht verarbeiten, "so gibt es vom Rinderspacher auch wenige Bilder". So hängt im Büro vom Chef alles voll Bilder, von ihm selbst natürlich, "da musst aufpassen, dass du nicht mit einem Bild sprichst!"
Als das Hochwasser in Passau den Söder sah, ging es zurück, "Söder kann ich mir auch an der österreichischen Grenze vorstellen...", spontaner Applaus bei der Kulturveranstaltung der SPD. Überhaupt denkt Markus Söder weit voraus, immer weiter und mit ihm der Horst Seehofer, jeder will weiter voraus denken, das ist auch der Grund warum der Ministerpräsident so oft seine Meinung ändert.
Und schon springt Nützel zurück zu den Strukturmaßnahmen, denn viel lieber schaut er dem Volk im nördlichen Bayern, dem "ein Brett vorm Kopf lieber ist als die Allianz-Arena am Horizont", aufs Maul und in die Seele.


Sinnige Strukturvorschläge


"Du kannst an einer Gegend rumstrukturieren, wasd willst, der Besatz bleibt immer gleich." Spontanapplaus gibt es für die Idee, rückständige Regionen, dazu gehören Oberfranken, der Aischgrund und die Oberpfalz, einfach zu Reservaten zu erklären, Bus- und Internetverbindungen zu kappen (damit die Ursprünglichkeit nicht gestört wird) und Touristenbusse zu Viewpoints zu karren, von wo aus sie die Big Five der fränkischen Dorfsafari (Bäuerin, Pfarrer, Gymnasiast, Asylbewerber und arbeitsloser Informatiker) beobachten können.
Wenn es um Provinzfürsten, Stromtrassen, Schützenvereine, Gewerbegebiete, Windkrafträder, Umgehungsstraßen und Breitbandversorgung geht, läuft Nützel zur Hochform auf. Und charakterisiert den typischen Franken zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitskomplex.
Der Abend war ein voller Erfolg, Regenauer skizziert die Eitelkeiten der großen und kleinen Politik, mit dem ihm eigenen Witz und Schärfe. Aber neben all seinem bekannten Gefrotzel, analysiert Bernd Regenauer die Politik in seiner gewohnten Art, denn sein Programm ist eine Imagekampagne für Franken