50 Gesichter Höchstadts versammelt in einem Raum. Bekannt waren oder sind sie alle. Nur in der Stadt oder weltweit. Nur zu Lebzeiten oder über ihre Zeit hinaus. Gemeinsam ist allen Persönlichkeiten aber eins: Sie haben die Stadt Höchstadt nachhaltig geprägt und - jeder Mensch auf sein Weise - ihre besonderen Spuren hinterlassen. "Sie sind alle überwiegend in Höchstadt geboren und haben für die Stadt Bedeutendes geleistet", erklärt der Leiter und Initiator der Ausstellung Sebastian Schmidt.

Ab dem kommenden Wochenende kann die Sonderausstellung "Gesichter - Persönlichkeiten aus Höchstadts Vergangenheit" im Heimatmuseum bewundert werden. Die Personen, die gezeigt werden, sind alle verstorben und stammen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Sie sind Politiker, Geistliche, Wissenschaftler, Unternehmer oder auch Erzieher. "Wir wollen an diese Menschen erinnern. Höchstadt hat mit ihnen ein Gesicht bekommen, das über Jahrhunderte gewachsen ist", sagt Schmidt. Und er geht noch einen Schritt weiter: "Vielleicht wollen diese Gesichter auch mahnen, dass die Stadt angesichts der heutigen Schnelllebigkeit nicht gesichtslos wird."


Flüchtlinge versorgen

Einige der dargestellten Persönlichkeiten haben auch zur Gegenwart wieder einen sehr aktuellen Bezug bekommen. So zum Beispiel Valentin Fröhlich, der von der amerikanischen Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg als erster Landrat eingesetzt wurde. Von den zwei Millionen Flüchtlingen und Heimatvertriebenen, die damals nach Bayern kamen, wurden 20 000 im gesamten Landkreis und 900 in Höchstadt aufgenommen. "Fröhlich hatte sie alle zu betreuen", erzählt Schmidt.

Genauso wie Max Brehm (1907-1969), erster freigewählter Bürgermeister ab 1946 und Flüchtlingskommissar sowie Vater des heutigen Rathaus-Chefs Gerald Brehm. Auch er ist eines der Gesichter in der Ausstellung. "Brehm war unter anderem dafür zuständig, Wohnraum für die Flüchtlinge zu organisieren", sagt Schmidt.


Zerstörung der Stadt

Viel getan für Flüchtlinge hat außerdem der Schuhfabrikant Karl Bassler (1901-1978), ebenfalls Teil der Ausstellung. Zusammen mit seinem Sportsfreund Lorenz Galster gründete der begeisterte Fußballspieler den ersten Industriebetrieb in Höchstadt "Fortuna Schuh-Fabrik" und förderte damit wesentlich die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Und nicht nur das: "Bassler schaffte mit seiner Fabrik auch Arbeitsplätze für Flüchtlinge."
Doch nicht alle Personen, die im Heimatmuseum ihr Gesicht zeigen, hatten auf den ersten Blick einen positiven Einfluss auf Höchstadt. Beispielsweise Herzog Bernhardt von Weimar (1609-1639). Er war Feldheer im Dreißigjährigen Krieg im Dienste der Schwedisch-Weimarischen Armee und befahl 1633 die totale Zerstörung der Stadt. "Wäre er aber nicht gewesen, würde Höchstadt heute nicht so aussehen. Auch er hat also das Gesicht der Stadt mit gestaltet", findet Schmidt.

Unter all den aufgeführten Persönlichkeiten ist übrigens nur eine einzige Frau vertreten. Das ist laut Schmidt aber ausschließlich dem Zeitgeist geschuldet. Schwester Montana Zimmermann (1883-1962) unterrichtete die Mädchen der Mittel- und Oberstufe. "Sie war nicht nur streng, sie hatte auch eine sehr freizügige Hand", erzählt Schmidt. Auch seine Frau besuchte deren Unterricht. "In den 25 Jahren, in denen sie in Höchstadt war, haben sich immerhin sieben Mädchen dafür entschieden, ins Kloster zu gehen", schmunzelt Schmidt.


Tatkräftige Hilfe

Seit Februar war er damit beschäftigt, die verschiedenen Persönlichkeiten auszusuchen und zusammenzutragen. Besonders dabei geholfen haben ihm Renate und Erwin März sowie Karl Dresel. Es hätten auch noch mehr Persönlichkeiten in die Ausstellung aufgenommen und gewürdigt werden können, erzählt Schmidt. "Doch die Lückenhaftigkeit entstand vor allem dadurch, dass nicht von jedem Bildmaterial und Lebensdaten vorhanden sind."

Er will jetzt auch auf Schulen zugehen, um verschiedene Klassen in die Sonderausstellung einzuladen. Damit die Gesichter Höchstadts auch weiterhin bekannt bleiben. Und vielleicht bei dem ein oder anderen ihre Spuren hinterlassen.

Die Sonderausstellung "Gesichter - Persönlichkeiten aus Höchstadts Vergangenheit" ist während des Altstadtfests am kommenden Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Ansonsten jeden zweiten Sonntag im Monat.