Die Geschichte des 28-jährigen Chris, der im April in der Laufer Mühle Hilfe und Geborgenheit erhalten hat, ist die leidvolle Geschichte eines Spielsüchtigen, der mit Hilfe dieser soziotherapeutischen Einrichtung den Weg zurück ins Leben gefunden hat.

Die Mühle ist nicht nur für ehemalige drogen- oder alkoholabhängige Menschen da, auch pathologisch Spielsüchtigen wie Chris hilft man, das Suchtproblem in den Griff zu bekommen und ein neues, "suchtfreies" Leben zu beginnen.

Geboren wurde der junge Mann im Raum Erlangen. "Meine Eltern haben sich im Jahr 1992 getrennt - ich war gerade vier Jahre alt - und dann bin ich bei meiner Mutter aufgewachsen", erzählt Chris. Die Schule besuchte er in Erlangen. Da er eine sprachliche Behinderung hatte, war er eigentlich in einer sonderpädagogischen Förderschule - früher Sprachheilschule - gut aufgehoben.

Immer ein Außenseiter

"Bei uns in der Familie, aber auch im sozialen Umfeld hatte ich jedoch immer Probleme. Ich war ein Außenseiter, wurde gehänselt, geschlagen, gedemütigt und oft zum Clown angestiftet oder zum Clown gemacht", erinnert sich Chris.

Mit 17 Jahren habe er dann einfach mal was anderes ausprobieren wollen. "Ich suchte nach einem Zufluchtsort, wo ich glaubte, all diesen Problemen entfliehen zu können - und da fand ich die Spielautomaten."

Das Spielen am Automaten gab ihm kurzfristig die Befriedigung, die er sich ersehnte. "Die ersten Male hab ich auch gewonnen und ich hab mich in den Spielhallen eigentlich sehr wohl gefühlt. Den Service, die Unterhaltung und die tolle Atmosphäre kannte ich bisher nicht." Langsam wurden die Einsätze höher und Chris wurde leichtsinnig.

Manchmal waren ganz schnell 100 Euro weg. Mit 21 Jahren hatte er seine Ausbildung als Hauswirtschafter bei der Diakonie in Erlangen beendet und von da an war er in Restaurantketten unterwegs, bis er schon mit 22 Jahren arbeitslos wurde. Seine 400 Euro Arbeitslosengeld waren regelmäßig schon zu Monatsanfang verspielt.
"Ich schnorrte mich dann den Rest des Monats bei der Familie und bei Bekannten durch und beinahe hätte ich am Ende dieser chaotischen Zeit noch meine Wohnung verloren." Er rutschte ab in die Kriminalität.

Die Caritas nahm sich seiner an und nach der vierten Sitzung im Herbst 2015 bekam er für drei Monate einen Platz in einer Suchtklinik in Furth im Walde. Von da an ging es bergauf.


Unterstützung bei Kollegen

Aber als Weihnachten seine Mutter starb, wurde Chris rückfällig. "An einem Abend hatte ich dann 700 Euro verzockt und da wusste ich nicht mehr weiter und unternahm einen Selbstmordversuch."

Die Nachbarin hatte es zum Glück mitbekommen und rief den Notarzt. Chris wurde in die Psychiatrie eingeliefert. "Ich merkte, dass ich jetzt wirklich was ändern muss, um zu überleben." Nach vier Wochen Therapie war er einigermaßen gefestigt. Ende Februar konnte er die Psychiatrie verlassen und zusammen mit der Caritas schaute er sich einige helfende Einrichtungen an. Am Ende entschied er sich für die Laufer Mühle.

"Zuerst war ich skeptisch, aber ich wollte mir eine Chance geben." Seit April lebt er nun in der Mühle. "Ich bekam eine Tagesstruktur wie acht Stunden arbeiten, Termine wahrnehmen und mehr. Das hat mir sehr gut geholfen."
Nach einigen Praktika in den verschiedenen Einrichtungen der Mühle wird er wahrscheinlich bald im Team des Cafés am Marktplatz in Adelsdorf zu finden sein.

Chris ist aber noch lange nicht über den Berg. "Ich hoffe, dass mich keine harten Schicksalsschläge treffen, denn die könnten mich vielleicht zurückwerfen", sinniert er.

"Ich fühle mich aber in der Mühle sehr gut aufgehoben." Er ersehnt sich inständig, dass er weg von der Spielsucht ist. "Habe ich Probleme und einen leichten Suchtdruck, gehe ich gleich zur Bereitschaft bei uns", gesteht er. "Wir unterhalten uns dann oft stundenlang - und meistens wird es besser."

Auch im Café am Marktplatz, wo er gerade sein Praktikum absolviert, findet er immer Hilfe bei seinen Kollegen, die Suchtprobleme aus eigener Erfahrung kennen.

"Ich weiß, die Spielsucht wird mich mein Leben lang verfolgen", sagt Chris. "Ich kann nur jedem raten, der ein ernsthaftes Suchtproblem hat und sich selbst nicht mehr helfen kann, sich an die Laufer Mühle zu wenden. Hier wird jedem geholfen - er muss es nur ernsthaft wollen!"