Am Sonntag heißt es für sieben Schülerinnen des Collège La Reinetière aus der Partnerstadt Sainte-Luce (Frankreich) Abschied nehmen von Herzogenaurach und den neu gewonnenen Freundinnen der Klassen 8c und 9c der Staatlichen Realschule Herzogenaurach.

"Die sind wie Fische im Wasser", beschrieb Schulleiter Ulrich Langer die quirlige Gruppe der jungen Französinnen und seiner Realschülerinnen bei der Zusammenkunft in der Mensa, zu der Französischlehrerin Ulrike Roux eingeladen hatte. Langer berichtete auch von seiner ersten Begegnung in der Mensa mit den französischen Schülerinnen. Nach dem Mittagessen standen ein paar Mädchen auf, ohne den Tisch abzuräumen. "Da musste ich schon reagieren und sagte ,Hey, was soll das, verlässt man so einen Tisch?‘", erzählte der Schulleiter schmunzelnd. Die Mädchen blickten ihn mit großen und verständnislosen Augen an, und erst da merkte Langer, dass es keine Schülerinnen seiner Schule waren.


Freizeit statt Vertretung

Vier Wochen nahmen die französischen Schülerinnen am regulären Unterricht teil. Sie mussten sich etwas umgewöhnen und erzählten, dass wenn bei ihnen ein Lehrer nicht zur Unterrichtsstunde kommt, sie sich selbst beschäftigen dürfen, während in Deutschland sofort eine Vertretung kommt und die Unterrichtsstunde hält.
Ulrike Roux bedankte sich bei der Stadt und der Partnerschaftsbeauftragten Rosa Abel sowie bei den deutschen Gastfamilien für die vierwöchige Aufnahme der Schülerinnen. Es war nämlich kein spezielles Programm vorgesehen, nach Unterrichtende konnten die jungen Französinnen die freie Zeit individuell nutzen. Wie die Schülerinnen erzählten, stand natürlich das Freizeitbad Atlantis bei der Freizeitplanung ganz oben, aber auch die Gasteltern kümmerten sich intensiv um ihre französischen Gäste und es gab Ausflüge, aber auch Treffen der deutschen und französischen Schülerinnen.

"Es war nie langweilig", meinte eine der Schülerinnen. Mit der deutschen Sprache haperte es zwar immer wieder, aber wie Rosa Abel übersetzte, klappte es auch in den Familien, denn etwas von der deutschen Sprache haben die Französinnen gelernt und konnten auch Fragen beantworten. Zur Not halfen Rosa Abel und Ulrike Roux eben etwas nach.

Etwas beeindruckt waren die Schülerinnen aus Sainte-Luce vom deutschen Alltag, der für sie eher etwas ungewohnt, sehr geordnet abläuft. Und den Unterricht fanden sie "amende" - fein oder prima. Ebenso die deutsche Küche, "es gab keine Klagen, denen hat es richtig geschmeckt", erzählte die Französischlehrerin.

Ein bisschen Heimweh sei schon vorhanden, war zu erfahren, aber sie würden jederzeit wiederkommen, denn Herzogenaurach ist schön. Aber es habe auch ein paar Tage gegeben, bei denen die Freude getrübt wurde, nämlich bei dem Terroranschlag in Paris. Das hätte sie sehr traurig gemacht, was im Fernsehen zu sehen war, und sie wären sich auf einmal nutzlos vorgekommen, ließen sie Rosa Abel übersetzen. Aber die neu gewonnenen Freundinnen und die Gastfamilien halfen über die Traurigkeit hinweg.


Praktikum bei der Stadt

Die Partnerschaftsbeauftragte erklärte sowohl den deutschen als auch den französischen Schülerinnen, dass bei Volljährigkeit die beiden Städte ein vierwöchiges Praktikum anbieten, dies wurde zwischen Herzogenaurach und Sainte Luce vereinbart und wird auch angenommen. Auf das nächste Jahr freuen sich schon die Herzogenauracher Realschülerinnen, denn dann dürfen sie vier Wochen am Unterricht des Collège La Reinetière teilnehmen.

"Ich sagte ja, wie Fische im Wasser", meinte Schulleiter Ulrich Langer, als er zum Gruppenfoto bat und die quirlige Gruppe mit viel Geschnatter etwas Zeit brauchte. Natürlich wurden die beiden Nationalfahnen ausgerollt, und dass die Chemie zwischen den Mädchen beider Nationen stimmt, war an den bemalten Wangen zu sehen. Wie bei einer Fußballweltmeisterschaft waren sie Schwarz-Rot-Gold und Blau-Weiß-Rot bemalt.